Prüfende Blicke: Walter Seifermann, Herbert Agradetti und Reiner Durban (von links) in der Ortenauer Weinkellerei. | Foto: Lienhard

Bühler Winzer in Offenburg

Der Affentaler stützt das Geschäft

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Es mag ein Zufall sein, dass in der Ortenauer Weinkellerei gerade jetzt ein Affentaler Spätburgunder abgefüllt wird, da der Altschweierer Winzer Walter Seifermann an der Abfüllanlage entlangläuft. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür so gering auch nicht, denn der Affentaler ist für die unter dem Dach der Edeka organisierte Kellerei längst zu einer wichtigen Säule geworden, wie Betriebsleiter Reiner Durban sagt.

80 Winzer aus nördlicher Ortenau

380 Vertragswinzer, die 460 Hektar bewirtschaften, gehören der 1953 gegründeten Offenburger Kellerei an; die Fläche steigt kontinuierlich an, allerdings nicht durch neue Winzer, sondern durch den Geländezuwachs bei bestehenden Partnern, was den Trend zu größeren Einheiten im Weinbau unterstreicht. 80 Winzer mit 94 Hektar geben ihre Trauben an der Annahmestelle bei der Reblandhalle in Altschweier ab; sie kommen aus dem gesamten Raum Baden-Baden/Bühl (die nächste Sammelstelle ist in Oberkirch). Die Betriebsgrößen reichen von wenigen Ar bis zu zwölf Hektar. „Neben Friesenheim, wo die Winzergenossenschaft zu uns zählt, ist Altschweier unsere wichtigste Sammelstelle“, berichtet Durban. Der Sortenspiegel wird hier dominiert vom Affentaler Spätburgunder, der 65 Hektar der Fläche beansprucht, 20 Hektar sind für den Riesling reserviert, dazu kommen kleinere Flächen für Müller-Thurgau, Cabernet Mitos, Cabernet Dorsa und Weißburgunder. Zu den 80 000 bis 90 000 Liter Wein, die jährlich aus Altschweier kommen, gesellen sich 50 000 Flaschen Sternenberg-Sekt (zwei auf Rieslingbasis, ein Rosé), der in Flaschengärung entsteht.
„Der Affentaler Spätburgunder ist eine Stütze in unserem Sortimentportfolio“, freut sich Durban. „Er ist auch deswegen so wichtig, weil der im Weingesetz verankerte Name bundesweit vermarktet werden kann. Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann.“ Die Marke solle im Vertrieb und Marketing deshalb forciert werden. Dabei helfen auch Wettbewerbserfolge. So ist die Ortenauer Weinkellerei bei der jüngsten Badischen Gebietsweinprämierung mit einem Landesehrenpreis ausgezeichnet worden, bei den „Top Ten“ der roten Sorten war sie in Baden in den vergangenen beiden Jahren jeweils mit zwei Affentalern vertreten, einer schaffte es ganz oben auf das Treppchen.

Frühzeitige Weichenstellung

An dieser Stelle kommt Walter Seifermann ins Spiel. In Absprache mit Kellermeister Herbert Agradetti wählt er bereits im Sommer die Parzellen für Auslesen und andere Preziosen aus. Entscheidend ist dabei nicht die Lage, „sondern dass die Trauben gesund sind und gesund erhalten werden können“, sagt Seifermann. Wichtige Faktoren seien auch eine gesunde Laubwand und ein moderater Ertrag, den Seifermann auf 60 bis 80 Kilogramm pro Ar reduziert. Seifermann arbeitet seit 1978 mit der Ortenauer Weinkellerei zusammen. Damals war er noch Angestellter bei seinem Vater, nachdem er von 1974 an seine Winzerlehre im elterlichen Betrieb und im rheinhessischen Bingen absolviert hatte. 1992 übernahm er den Betrieb, der heute zwölf Hektar in Altschweier, Eisental und Kappelwindeck aufweist.
Seit 1967, seit exakt 50 Jahren, betreibt die Ortenauer Weinkellerei auch eine Sammelstelle im Raum Bühl. Zunächst wurde noch vor dem „Adler“ in Bühlertal gesammelt, bald aber befand sich die nördlichste Sammelstelle der bis zum Kaiserstuhl reichenden Ortenauer Weinkellerei vor der Altschweierer Reblandhalle. Hier wird seither Jahr für Jahr gesammelt, gemessen, gewogen und verladen. Während die mengenmäßig kleineren Sorten nicht gesondert ausgewiesen werden, werden Riesling und Müller-Thurgau explizit als „Altschweierer“ vermarktet – und dazu kommt eben das Zugpferd Affentaler Spätburgunder.