Thomm Jutz: Stets auf der Suche nach den Ursprüngen. | Foto: pr

Neue CD-Veröffentlichung

Der aus Bühl stammende Thomm Jutz beschert seinen Fans 14 neue Songperlen

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Thomm Jutz ist längst eine internationale Größe. Der Singer-Songwriter macht mit seinen Alben Fans von Bluegrass, Oldtime-Music, Blues und Folk eine Freude; und auch als Produzent ist der aus dem Bühler Stadtteil Neusatz stammende und seit Jahren in Tennessee lebende Jutz erfolgreich. Jetzt legt er eine neue CD vor: „Two Live In Two Worlds“.

Am Ende, nach 51 Minuten Musikgenuss, geht der Blick noch einmal auf das Cover. Thomm Jutz, der aus dem Bühler Stadtteil Neusatz stammende und längst in den USA lebende Singer-Songwriter, legt eine neue CD vor, Ende März kommt sie auf den Markt. „To Live In Two Worlds“ hat Jutz die selbst und sauber produzierte Scheibe genannt. „Volume 1“ ist da noch zu lesen: Im September soll der zweite und abschließende Teil dieser Sammlung erscheinen. Das ist nach diesen 14 Songs schlicht eine großartige Aussicht auf weitere Beispiele für das feine Händchen, das Jutz nicht nur an der Gitarre besitzt, sondern auch beim Schreiben seiner Songs.

Ein Teil der Kultur des Südens geworden

Jutz lebt und arbeitet in Tennessee; er besitzt seit vielen Jahren nicht nur einen amerikanischen Pass, er hat die Kultur des Südens geradezu aufgezogen und ist mit ihr verschmolzen, ein Teil von ihr geworden. Wie sehr er mit Hillbilly, Folk, Bluegrass, aber auch Blues und Country verwachsen ist, das belegt „To Live In Two Worlds“ aufs Neue.

Reise in eine andere Ära

Einen Titelsong sucht man vergebens. Um die zwei Welten zu erfassen, von denen Jutz singt, würde schon ein genauer Blick aufs Cover ausreichen. Es zeigt ein aktuelles Bild des Künstlers und im Hintergrund Schwarz-Weiß-Aufnahmen eines Mississippi-Dampfers und einer Eisenbahn. Sie sind, wie die Musiker-Bilder auf der Rückseite, eindeutig der Zeit zwischen den Weltkriegen zuzuordnen, und das ist auch die Ära, in die Jutz mitnimmt.

„Die Songs sind in den letzten zwei, drei Jahren entstanden. Ich wollte ein Album mit einer Bluegrass-Besetzung machen und eines solo, nur mit meiner Gitarre und Gesang. Mein Label fand die Idee gut. Als dann beide Alben eingespielt waren, fiel mir auf, dass die Songs gut in Paaren funktionieren, beispielsweise thematisch, musikalisch oder historisch. Darum haben wir uns dann entschieden, sie zu mischen. Die Songs beziehen sich alle aufeinander. Das war zwar eher ein Zufall, aber ich finde solche ‚kreativen Unfälle‘ immer interessant.“ Thomm Jutz zur Entstehung des Albums

Einmal die alten Legenden singen hören

Er erzählt Geschichten von Männern, deren musikalische DNA auf die eine oder andere Weise auch sein eigenes Schaffen bestimmt. „To Live In Two Worlds“ ist eine Hommage an sie. Manche sind dem europäischen Blues-Fan wohlbekannt, seien es Blind Willie McTell oder auch Skip James, von denen im Solostück „I Long To Hear Them Testify“ die Rede ist, das den Covertitel aufnimmt („one foot in a world that’s gone, one foot here today“). Was würde Jutz nicht geben, sie im Jahre 1925 singen und spielen zu hören! Und diesem Wunsch gibt er mit seiner Stimme in diesem intensiven Blues tiefsten Ausdruck.

Von Charlie Poole bis Cecil Sharp

Auch der Old-Time-Legende Charlie Poole und dessen North Carolina Ramblers setzt Jutz ein musikalisches Denkmal. Der „Mill Town Blues“ zeigt gleich zu Beginn, welch wunderbare Musiker Jutz zur Aufnahme ins Studio gebeten hat: Das vorwärtsdrängende Banjo spielt Justin Moses, die elegante Mandoline Mike Compton, die fröhliche Geige Tammy Rogers und den pulsierenden Bass Mark Fain, im Harmoniegesang ist Milan Miller zu hören. Der im vergangenen Jahr gestorbene Mac Wiseman, mit dem Jutz noch selbst gespielt hat, Blind Alfred Reed, John Hartford, Jimmie Rodgers oder auch der Engländer Cecil Sharp, der in den Appalachen nach alten englischen Folksongs suchte – Jutz versammelt hier einen ganzen Pantheon seiner musikalischen Helden.

„Ich halte es für notwendig, dass man immer weiter zurückschaut, wenn man sich für Rootsmusic wie Blues, Jazz und Country interessiert. Nur so kann man das ursprüngliche Anliegen der Musik finden. In meinem Fall führte der Weg von Clapton zu Muddy Waters, von dort zu Robert Johnson, dann zu Charley Patton, Blind Lemon Jefferson… Bei der Country-Music ging es in meinem Fall von Tony Rice zu Norman Blake zu Doc Watson zu Dock Boggs und zu Cecil Sharps Sammlung. Ich finde das extrem spannend und versuche mich ständig in der Richtung weiterzubilden. Nicht in einem scholastischen, akademischen Sinn, ich folge eher meiner musikalischen Nase und finde immer wieder etwas Neues, das mich inspiriert. Die alte Musik, auf die ich mich beziehe, war wild und voller Kreativität. Die musikalische Welt, vor allem im amerikanischen Kontext, war weit offen. Europäische und afrikanische Einflüsse kamen zusammen, ein neues Gefühl für Rhythmus entstand, die notwendigen Instrumente wurden erfunden oder verbessert – ich finde das extrem spannend.“ Thomm Jutz über seine musikalischen Helden

Neue Stücke über den Amerikanischen Bürgerkrieg

Die Stücke hat er mit Co-Autoren geschrieben, „Wilmer McLean“ etwa mit Trey Hensley, dem er hier auch das Mikrofon des Sängers überlässt. Es ist eine humorige Geschichte, die die Autoren im Amerikanischen Bürgerkrieg ansiedeln, einem Thema, das Jutz immer wieder anzieht. Mit „Shelton Laurel Valley“ zeigt Jutz, dass das Thema für ihn auch nach der Trilogie des „1861 Projects“ noch lange nicht erschöpft ist, und das ist unbedingt zu begrüßen. Eine wunderbare Melodie unterlegt eine grausame Geschichte, die sich im Januar 1863 im Madison County in North Carolina zugetragen hat. „Damned if you do, damned if you don’t, dead if you will, dead if you won’t“, singt Jutz und macht am Beispiel jener 13 hingerichteter Männer die Wahllosigkeit des Tötens auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs deutlich.

Der September kann kommen

Am Ende steht eine wunderbare Mischung aus Balladen (zum Dahinschmelzen schön: das Fingerpicking auf „Where The Bluebirds Call“) und flotten Bluegrass- und Oldtime-Stücken (zum Mitgehen: „Moving Up, Moving On“). Viel ist die Rede in diesen Songs vom Unterwegssein, vom  Fortgehen und von der Heimkehr; für Thomm Jutz sind diese Pole zwei zeitliche Welten. Stets bringt er neue Songperlen von seinen Tauchgängen in die Vergangenheit mit. „To Live In Two Worlds. Volume 1“ liefert dafür 14 Beispiele. Der September kann kommen.

„Ich arbeite regelmäßig an Musik für Film und Fernsehen. Meine nächste CD ‚To live in two worlds Volume 2‘ kommt im September heraus. Ich produziere eine gewisse Anzahl von Projekten für andere Künstler und schreibe immer noch viele Songs und habe nicht vor, das zu ändern. Gitarre üben ist nach wie vor ein wichtiges Thema für mich. Es gibt so viel zu lernen, und das hört glücklicherweise nie auf. Ich lese viel und habe angefangen an ein paar Essays zu arbeiten, die sich mit Musik und Kreativität beschaffen. Was Konzerte anbelangt, ist im Moment wegen der Corona-Pandemie alles etwas unklar. Viele Gigs sind in diesem Frühjahr schon abgesagt worden. Wir versuchen die nachzuholen, sobald sich alles etwas beruhigt hat. Wir mussten neun Konzerte in Irland absagen, dann ungefähr nochmal genau so viele hier, unter anderem meine CD-Release Show im ‚Station Inn‘. Ist aber besser so im Moment. Ich unterrichte zwei Tage pro Woche im Songwriting-Programm an Nashvilles Belmont-Universität, von daher bin ich finanziell nicht zu sehr von den Gigs abhängig, was im Moment hilfreich ist. Vielen anderen Musikern in Nashville geht es im Moment nicht so gut. Lower Broadway, die Touristenmeile, wo üblicherweise viele Musiker spielen, ist im Moment geschlossen, viele Aufnahme-Sessions werden abgesagt.“ Thomm Jutz über aktuelle Pläne und seine Arbeit in Zeiten von Corona