Sind anspruchsvoll im Umgang: Esel sollen sich besonders gut für die tiergestützte Therapie des Animotion-Instituts in Sasbachwalden eignen. | Foto: Fotolia

Esel helfen Patienten

Tier-Therapie in Sasbachwalden

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Bühl/Sasbachwalden. „Stur wie ein Esel“ – dieses Sprichwort kennt jeder. Aber dass die oft als störrisch bezeichneten Tiere auch Menschen mit psychischen Erkrankungen helfen können, wissen die wenigsten. Auf einem Bauernhof oberhalb von Sasbachwalden im Ortenaukreis werden seit ein paar Wochen regelmäßig sechs Patienten, die an Burnout oder Depressionen leiden, mit Hilfe von Eseln behandelt.

Das ist ein Angebot des Animotion-Instituts für tiergestützte Therapie, das in Zukunft in der Anima-Tierwelt in Breitenbrunnen angesiedelt sein soll. Der Gemeinderat Sasbachwalden hat bereits sein Einverständnis für die Baupläne gegeben. Bis dieses Projekt fertig ist, weicht das Institut auf den Bauernhof aus.

Tiere haben eine Art Eisbrecher-Funktion

„Wir haben Vorurteile, Abneigungen oder auch Vorlieben für bestimmte Menschen. Das haben Tiere nicht. Sie gehen relativ vorurteilsfrei auf Personen zu. Außerdem haben Tiere eine Art Eisbrecher-Funktion: Sie machen es einfacher, mit den Patienten auch über belastende Themen zu sprechen“, erklärt Rainer Wohlfarth, Psychologe und Leiter von Animotion.

„Depressive Menschen finden durch den Kontakt besser Zugang zu ihren eigenen Gefühlen. Etwa indem sie die Tiere streicheln, für sie sorgen oder sie auch putzen. Denn vielen Depressiven fällt es schwer, solche Achtsamkeits-Übungen zu machen.“

Esel eigneten sich dafür besonders gut, da Patienten im Umgang mit ihnen sehr eindeutig sein müssten. „Die kann man nicht einfach mit einer Karotte überzeugen, sondern man muss seine ganze Persönlichkeit einbringen“, präzisiert Wohlfarth.

Verbindung zur Max-Grundig-Klinik auf der Bühlerhöhe

Finanziert wird das Animotion-Institut und die Tierwelt von der eigens dafür gegründeten Anima-Stiftung mit Sitz in Baden-Baden – ausgestattet mit 20 Millionen Euro. Gründerin ist die Psychologin Maria Wruck, Tochter des verstorbenen Elektronikkonzern-Chefs Max Grundig. Dessen Stiftung wiederum ist Trägerin der privaten Max-Grundig-Klinik auf der Bühlerhöhe, die nun die ersten Patienten in Sasbachwalden therapieren lässt.

Dabei handelt es sich um ein besonderes Klientel, denn die Klinik bietet „den Leistungsträgern in unserer Gesellschaft, die immer stärker an geistiger und emotionaler Erschöpfung leiden, maßgeschneiderte und diskrete Behandlungskonzepte“, wie es in einer Mitteilung der Anima-Tierwelt heißt.

In der Nähe des Nationalparks Schwarzwald soll auf dem Gelände der ehemaligen Kurklinik Breitenbrunnen in Sasbachwalden die Anima-Tierwelt entstehen. Für die Haltung von wilden Tieren wie Hirschen, Dachsen und Bären sind große Gehege geplant. Ein Schaubauernhof soll sich der Nutztierhaltung widmen.
Auch das Animotion-Institut für tiergestützte Therapie ist Teil des Projekts. Hier sollen unter anderem Fachkräfte ausgebildet werden. Der Gemeinderat Sasbachwalden hat dem Bebauungsplan der Anima-Tierwelt bereits zugestimmt, und der städtebauliche Vertrag wurde auch schon unterzeichnet. Bis März soll dann der Flächennutzungsplan von der Verwaltungsgemeinschaft Achern verabschiedet werden. Die Arbeiten könnten im Frühjahr beginnen. Weitere Informationen gibt es unter www.anima-tierwelt.de. 

Spektrum soll breiter werden

In Zukunft soll das Spektrum aber breiter werden, sagt Wohlfarth: „Es ist geplant, dass wir später in der Anima-Tierwelt auch ein ambulantes Zentrum haben.“ Dann könne jeder die Therapie in Anspruch nehmen. Wichtig sei, dass die Behandlung mit den Tieren für die Patienten Teil eines Komplexes darstelle.

„Im Einzelgespräch werden die Erfahrungen später aufgenommen, und es wird versucht, sie umzusetzen: ‚Was habe ich im Kontakt mit dem Tier gelernt? Was bedeutet das für meinen Alltag?’“, sagt Wohlfarth, der auch in der Max-Grundig-Klinik arbeitet.

Nicht alle sind Esel-Fans

Nur mit Eseln arbeiten soll das Institut nach Ansicht des Psychologen nicht: „Wir werden nachher Esel, Schafe, wahrscheinlich Schweine und Hühner haben – ganz unterschiedliche Tierarten, um es den Patienten zu ermöglichen, zu sagen: ,Die Tierart spricht mich mehr an.’ Weil nicht alle Esel-Fans sind.“

Bis die Behandlungen in der Anima-Tierwelt beginnen, könnte es aber noch etwas dauern, denkt Wohlfarth. „Ich hoffe, dass wir 2019 richtig loslegen können.“