Demonstrationszug durch Bühl: Am 11. März 1978 gingen rund 250 Jugendliche für die Selbstverwaltung im Haus der Jugend auf die Straße. | Foto: Archiv Acher- ud Bühler Bote

Vor 40 Jahren: Aus für das HdJ

Der kurze Bühler Traum von der jugendlichen Selbstbestimmung

 

Von Adalbert Metzinger

Mancher Kirchgänger wundert sich, als er am Weißen Sonntag 1978 (es ist der 2. April) aus der Bühler Stadtpfarrkirche tritt. Vor dem Rathaus steht eine „trauernde“ Gruppe Jugendlicher hinter einer „sargähnlichen Kiste“, wie anderntags im ABB zu lesen sein wird. Mit der Aktion protestieren sie gegen die Schließung des selbstverwalteten Hauses der Jugend. Zum 31. März 1978 – der Tag jährt sich jetzt zum 40. Mal – hat die Stadt das Haus geschlossen. Vorangegangen war eine intensive Diskussion, in der vieles anklang, was die deutsche Gesellschaft de 70er Jahre prägte.

Fest in der Erinnerung verhaftet

Nur 40 Jahre liegt das Ende des selbstverwalteten Jugendzentrums Haus der Jugend (HdJ) zurück und scheint doch so lange her zu sein. Bei den damals beteiligten Jugendlichen und den Kommunalpolitikern, die über das Ende der Selbstverwaltung bestimmten, dürfte das Geschehen aber fest in der Erinnerung verhaftet sein. Für junge Menschen von heute, die die Entwicklung und Praxis eines selbstverwalteten Jugendzentrums und dessen Schließung nicht kennen, ist das Geschichte. Die Beschäftigung mit dem Thema „HdJ“ lohnt sich auch vor dem Hintergrund der hier zum Teil zum Ausdruck kommenden Auseinandersetzung mit den 1970er Jahren, die einerseits ein gewisses Kontrastmodell zur Gegenwart darstellen und andererseits eine Phase waren, die die damals engagierten Jugendlichen nachhaltig geprägt hat.

Erste Wünsche bereits 1972

Der politische Protest der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre führte besonders zu Beginn der 1970er Jahre auch zu einer Jugendzentrumsbewegung. Es konnte deshalb nicht überraschen, dass 1972 Jugendliche und der Stadtjugendring (in dem 23 Organisationen zusammengeschlossen waren) in Bühl erstmals die Forderung nach einem selbstverwalteten Jugendzentrum erhoben. Sie wünschten sich Räume, in denen sie ohne reglementierende Eingriffe von außen in erster Linie ihre Freizeit selbst gestalten konnten. Nach Verhandlungen des Stadtjugendrings mit der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat kam am 3. April 1974 der Überlassungsvertrag für Räume und Mittel zustande. 280 000 Mark investierte die Stadt in das Gebäude, das ehemals als Kindergarten und Schwesterngebäude genutzt worden war. Am 18. Mai 1974 konntedas „Haus der Jugend“ in der Luisenstraße 2 unter der Selbstverwaltung der Jugendlichen eröffnet werden.

Tag der Einweihung: Oberbürgermeister Erich Burger und Kaplan Wolfgang Gaber, der Vorsitzende des Stadtjugendrings. Foto: Archiv ABB | Foto: Archiv ABB

Vollversammlung entscheidet

Laut einer von den Jugendlichen selbst aufgestellten Satzung trugen die Jugendlichen im „HdJ“ die Verantwortung über das dortige Geschehen. Um zu bestimmen, was im HdJ gemacht wird, trafen sich alle vier bis sechs Wochen interessierte und engagierte Jugendliche aus Bühl in der Vollversammlung. Diese wählte die Mitglieder des Gremiums, kontrollierte es, verteilte Räume an Gruppen, sie war Schlichtungsinstanz bei Konflikten, kümmerte sich um Veranstaltungsprogramm, Organisation und Anschaffungen. Um sicher zu sein, dass die Beschlüsse der Vollversammlung umgesetzt werden, wählten die Jugendlichen halbjährlich ein ausführendes Organ, das Gremium. Es bestand aus vier Ausschüssen, die jeweils mit zwei Mitgliedern besetzt waren (Finanz-, Veranstaltungs-, Verwaltungs- und Öffentlichkeitsausschuss). Das Gremium musste der Vollversammlung Rechenschaftsberichte über alle seine Tätigkeiten abgeben, und die Vollversammlung konnte jederzeit Gremiumsmitglieder abwählen, die das Vertrauen der Mehrheit der Jugendlichen verloren hatten, abwählen. Außerdem gab es auch noch einen festen Mitarbeiter/innenkreis, der an den offenen Tagen die Verantwortung über das Geschehen im HdJ übernahm (Einhaltung der Hausordnung, Thekendienst während des Disco-Betriebs). Diese etwa 30 Verantwortlichen sollten eine Schulung für Gruppenleiter absolviert haben und mussten von der Vollversammlung bestätigt werden.

Das Haus der Jugend in der Luisenstraße im Jahr 1974. Foto: Archiv ABB

Sozialarbeiter beginnt 1977

Die Aufgaben des 1977 eingestellten Sozialarbeiters Wilfried Trapp bestanden hauptsächlich in einer Beraterfunktion, die die Selbstverwaltung durch die Jugendlichen betraf. In einer „HdJ-Dokumentation“ vom Februar 1978 beschrieb er seine Arbeit: „Bei anstehenden Entscheidungen methodische Hilfen geben, um möglichst viele Jugendliche an der Entscheidungsfindung zu beteiligten, informative Hilfen geben durch Aufzeigen von Entscheidungsmöglichkeiten und deren Konsequenz, Diskussion durch Zwischenfragen anregen, im laufenden Betrieb praktische Tipps geben, wie er organisatorisch effektiv gestaltet werden kann, im inhaltlichen Bereich Auseinandersetzungen über Sinn und Aufgaben eines selbstverwalteten Jugendzentrums anregen, das heißt immer wieder die pädagogische Seite eines Jugendzentrums in die Diskussion einbringen, Veranstaltungstipps geben, Organisation und Durchführung von Seminaren und Schulungen für MitarbeiterInnen im HdJ“.

Fester Stamm an Jugendlichen

Die tägliche Arbeit im Haus der Jugend wurde überwiegend von einem relativ festen Stamm meist aus Bühl stammender Schüler und Schülerinnen des Windeck-Gymnasiums und Lehrlingen der DGB-Jugend übernommen. Gemeinsam schufen sie während der Selbstverwaltung ein umfangreiches und anspruchsvolles Veranstaltungsprogramm (allein 1977 gab es mehr als 100 Veranstaltungen), von der Friedenswoche über Filmabende, öffentliche Partys und Musikkonzerte bis zu Theateraufführungen, Kochabenden und einem Tag der offenen Tür. Einmal in der Woche hatten interessierte Jugendliche die Gelegenheit, einen Abend lang ihre Musik vorzustellen und damit den Abend zu gestalten („Musik-Spezial“). Am 22. November 1977 beispielsweise wurde so eingeladen: „Vorgestellt wird dieses Mal die Gruppe ’Rolling Stones’, die ja fast schon geschichtliche Bedeutung hat.“

Die „Gruppe Kinderarbeit“ (später „Tintenkleckse“) war ein gelungenes Beispiel für sinnvolle Angebote im Haus der Jugend. Foto: pr

Zahlreiche Gruppen

Ein Teil der Jugendlichen arrangierte selbstständig Arbeitsgemeinschaften, in denen sie für sie wichtige Themen erarbeiteten und auch in die Praxis umsetzten. Ein gelungenes Beispiel dafür war die „Gruppe Kinderarbeit“ (später „Tintenkleckse“). Etwa zehn Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren boten einmal in der Woche 25 bis 30 Kindern die Möglichkeit sinnvoller und kreativer Freizeitbeschäftigung am Nachmittag an. Bereits bestehende Gruppen wie die DGB-Jugend oder die Kriegsdienstverweigerer trafen sich ebenfalls regelmäßig im HdJ und brachten sich auch in die Programmgestaltung ein. Der damalige SPD-Stadtrat Gerhard Möhringer, der als einziger aus dem Gemeinderat das HdJ nachhaltig unterstützte, sprach lobend von einer unverzichtbaren Einrichtung der Jugendbildung, der Jugendhilfe und Jugendberatung; das HdJ sei ein kulturelles Zentrum von Bühl.

Immer mal wieder Probleme

Natürlich gab es immer mal wieder Probleme (kleinere Schlägereien, Sachbeschädigungen, Drogenmissbrauch, ein schlechtes Image in der Öffentlichkeit, Passivität von Jugendlichen), aber die Jugendlichen waren bestrebt, diese Konflikte selbst zu lösen. Zudem bot sich an, im HdJ eine Jugendberatung als Anlaufstelle für Jugendliche mit Problemen und Fragen einzurichten. Der Sozialarbeiter des HdJ, eine Sozialarbeiterin der Psychologischen Beratungsstelle und ein Lehrer standen den Jugendlichen dabei als Informations- und Aufklärungspersonen bei Fragen beispielsweise zu Bafög, Schule oder berufliche Ausbildung als Vermittler und als Helfer bei familiären oder psychischen Problemen zur Verfügung.

Eklat im „Deutschen Herbst“

Die Veränderungen während des„roten Jahrzehnts“ (1967–1977) beeinflussten mit ihren neuen politischen Bewegungen (etwa Schüler- und Studentenbewegung, Anti-Atomkraft-Bewegung) auch die Jugendlichen im HdJ. Kritischere junge Menschen versuchten hier im Rahmen der Selbstverwaltung Demokratie zu erleben, aktiv zu praktizieren und einzuüben. Politische Aktivitäten stellten deshalb auch einen wichtigen Schwerpunkt im HdJ dar (zum Beispiel Kriegsdienstverweigerung, Gewerkschaftsarbeit).
Die politische Praxis relativ vieler engagierter Jugendlicher führte aber auch dazu, dass das HdJ tendenziell als „links“ gekennzeichnet wurde. Bei einem großen Teil der Bühler Bevölkerung, des Gemeinderats und der Stadtverwaltung rief dies eine gewisse Verunsicherung hervor. Zum Eklat kam es, als im „Deutschen Herbst“ 1977 drei auswärtige 15- bis 16-Jährige zwei „Rote-Fahne-Freundeskreis-Plakate“ im HdJ aufhängten. Die darauf enthaltenen Parolen, die unter anderem das Vorgehen der Bundesrepublik bei der Entführung des Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“ kritisierten (das GSG-9-Kommando, das die Geiselnahme beendet hatte, wurde als „Spezialeinheit von staatlich bezahlten Todesschützen“ bezeichnet) und auf beleidigende Weise den Bühler SPD-Stadtrat Heinz Ziegler angriffen, wurden von den Jugendlichen im HdJ einhellig abgelehnt. Am 13. November 1977 verabschiedete die Vollversammlung eine Resolution, in der sich das HdJ von den Plakatinhalten distanzierte, aber auch die Meinungsfreiheit im HdJ forderte. Deshalb wurden weder von den Jugendlichen noch dem als Berater fungierenden Sozialarbeiter die Plakate abgehängt.

Plakate lösen Empörung aus

Sofort stürzten sich Gemeinderat, Stadtverwaltung, Zeitungen und ein großer Teil der Bevölkerung auf dieses Vorkommnis. Von linksextremistischen Umtrieben war im Gemeinderat die Rede, Terrorakte würden verherrlicht, der Gemeinderat fürchtete, das von der Stadt finanzierte Haus könnte zu einer „Brutstätte für Linksradikale“ werden. Zudem müsse der Frage von Rauschgiftdelikten im HdJ nachgegangen werden. So war das Plakat der „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, wie Heinz Ziegler auf einer Pressekonferenz sagte. Es entbrannte ein „regelrechter Kampf“ um die nun gefährdete Selbstverwaltung im HdJ. Der Gemeinderat wollte das Haus der Jugend nach diesem Vorfall zunächst nicht schließen, sondern beschloss am 14. Dezember 1977, dem Stadtjugendring das Hausrecht zu entziehen und es auf den Sozialarbeiter im HdJ zu übertragen.

Protest im Februar 1978: Die Jugendlichen forderten die Fortsetzung der Selbstverwaltung im Haus der Jugend. Nach einer Plakataktion drohte ihr das Ende. Foto: Archiv AB

Sozialarbeiter lehnt ab

Zwei Tage später wurde die Änderungskündigung des Überlassungsvertrags dem Stadtjugendring zugestellt: „Das Hausrecht verbleibt bei der Stadt Bühl und wird von ihr bzw. ihrem Beauftragten wahrgenommen. Die Durchführung von Veranstaltungen und Aktionen im HdJ hat im Benehmen mit dem städtischen Jugendpfleger zu erfolgen, der berechtigt und verpflichtet ist, im Rahmen des Hausrechtes Weisungen zu erteilen.“ Sozialarbeiter Wilfried Trapp teilte am 16. Januar 1978 der Stadtverwaltung indes mit, dass er das Hausrecht im HdJ nicht übernehmen werde, weil diese „Aufpasser-Funktion“ nicht zu seiner Beraterrolle passe und keine stichhaltigen Gründe vorlägen, um die Selbstverwaltung aufzulösen.
Daraufhin kündigte die Stadtverwaltung Trapp zum 31. März 1978, und gleichzeitig erging an den Stadtjugendring zum gleichen Termin die Kündigung des Überlassungsvertrages. Beide Entscheidungen bedeuteten das Ende der Selbstverwaltung im HdJ – und dem schloss sich dann die Schließung des HdJ an.

„HdJ kommunistisch unterwandert“

Anfang November 1977 begann eine öffentliche Auseinandersetzung um die Zukunft des HdJ, die sich besonders in der Lokalpresse durch Leserbriefe und Artikel mit Überschriften wie „HdJ kommunistisch unterwandert“ oder „Selbstverwaltung hat sich nicht bewährt“ auszeichnete. Die Forderung nach dem Weiterbestand der Selbstverwaltung unterstützten mit Beschlüssen und Resolutionen unter anderem der SPD-Ortsverein, die Bühler Jusos, der GEW-Ortsverein, das DGB-Kartell, die SMV des Windeck-Gymnasiums, viele Jugendzentren und die Mitarbeiter der Jugendberatung. Sie baten in einem Schreiben an Oberbürgermeister Erich Burger, „keine übereilten Maßnahmen zu ergreifen, welche die offene Jugendarbeit in Bühl schwer belasten würden, und wir möchten deshalb dringend eine Denkpause vorschlagen“.

Jugendliche tragen am Weißen Sonntag die Selbstverwaltung des HdJ „zu Grabe“. Foto: Archiv ABB

Gericht beschäftigt sich mit JU-Flugblatt

Relativ viele Jugendliche, die im HdJ verantwortlich tätig waren, solidarisierten sich und versuchten, gegen das Ende der Selbstverwaltung anzukämpfen: So fand am 11. März 1978 eine Demonstration (etwa 250 Teilnehmer) für den Erhalt der Selbstverwaltung im HdJ in Bühl statt. Zeitgleich baute die Junge Union vor dem Rathaus einen Informationsstand auf, an dem sie ihre Position darlegte und für eine offene Jugendarbeit warb. Zuvor hatte es eine Auseinandersetzung um ein Flugblatt der JU gegeben, mit dem sie gegen ein selbstverwaltetes HdJ argumentierte. Stadtjugendring und der HdJ-Sozialarbeiter hatten die Verbreitung verhindern wollen; ein Gericht erlegte der JU lediglich auf, drei Wörter unkenntlich zu machen,
Am letzten Tag der Selbstverwaltung übersandten engagierte Jugendliche des HdJ an Erich Burger die Unterschriften von etwa 1 000 Erwachsenen und Jugendlichen, die sich für eine Fortführung der Selbstverwaltung ausgesprochen hatten. Am Weißen Sonntag trugen einige Jugendliche vor dem Rathaus in einer Protestaktion die Selbstverwaltung „zu Grabe“. Zudem organisierte der harte Kern der engagierten Jugendlichen eine Radiosendung mit dem Südwestfunk, an der zwei Stadträte, ein Lokalredakteur, der ehemalige Sozialarbeiter, zwei frühere Gremiumsmitglieder und der Vorsitzende des Bühler Stadtjugendringes teilnahmen. Ebenfalls von Jugendlichen aus dem HdJ ging der Film „Was hier läuft, entscheiden wir – Haus der Jugend Bühl – Eine Brutstätte der Demokratie“ (1978) aus, in dem in Beiträgen von Beteiligten (Sozialarbeiter, Stadtrat Gerhard Möhringer, Gremiumsmitglieder) hauptsächlich die Schließung des HdJ thematisiert wurde. Durch die Demonstration, die Radiosendung und den Film hofften die Jugendlichen, die Aufmerksamkeit von Bühler Bürgern und deren Anteilnahme an den Geschehnissen zu gewinnen, um damit die Diskussion um die Selbstverwaltung und die Schließung des HdJ noch einmal in Gang zu bringen.

Die Junge Union positionierte sich gegen die Selbstverwaltung. Foto: Archiv ABB

Gemeinderat bleibt hart

Letztendlich nützte aller Protest nichts, denn Stadtverwaltung und Gemeinderat blieben bei ihrer Entscheidung. Anfang April 1978 bekräftigte der Gemeinderat in einer nicht öffentlichen Sitzung noch einmal seinen früheren Beschluss, dass das HdJ dem Stadtjugendring nicht mehr zur Verfügung steht. Laut Pressebericht vom 4. April 1978 wollte die Stadt nun das Haus gründlich renovieren lassen. Am 16. Juni 1978 berichtete der Acher- und Bühler Bote, dass das HdJ nach dem Wunsch des Gemeinderats auf Vorschlag der Stadtverwaltung abgerissen werden sollte. Dieser Vorschlag wurde glücklicherweise nicht umgesetzt, aber auch nach über einem Jahr war das HdJ immer noch geschlossen. Aus diesem Grund lud der Stadtjugendring am 24. März 1979 zu einer Veranstaltung zum „1. Todestag des HdJ“ in der Stadthalle ein – mit Rockbands, Infos zur derzeitigen Situation der Jugendarbeit und Theateraufführung. Vonseiten des Stadtjugendrings gingen immer mal wieder Appelle an die Stadt, das HdJ so schnell wie möglich wieder auf Dauer zu öffnen. Im Juni 1979 ergriffen auch die Bühler Jusos die Initiative, um eine Wende in der Jugendpolitik zu erreichen. Ihr Anstoß führte zur Gründung des „Interessenverbandes HdJ“, der im Oktober 1979 seine Konzeption zur Neuorganisation des HdJ öffentlich vorstellte. Vertreter von SPD und FDP signalisierten ihre Zustimmung und sahen in dem vorgelegten Konzept durchaus „eine gute Gelegenheit zur Zusammenarbeit zwischen politischer Gemeinde und Jugendlichen“ (FDP-Stadtrat Hans Trautmann). Bei dieser Veranstaltung bezeichneten aber auch Teilnehmer einen von der Stadtverwaltung gegen den Stadtjugendring angestrengten Prozess wegen der Vergabe der Stadthalle im März als belastend für das Verhältnis zwischen Stadt und Stadtjugendring. Zum 1. April 1980 stellte die Stadt eine Jugendpflegerin ein, zu deren Aufgabengebiet auch die Arbeit im HdJ gehören sollte.

Der Jugendhilfeausschuss machte sich im Februar 1980 ein Bild vom HdJ – hier in der Disco im Keller. Foto: Archiv ABB

Wiedereröffnung im Herbst 1986

Etwa zweieinhalb Jahre nach dem Ende des selbstverwalteten Jugendzentrums und dessen damit zusammenhängender Schließung wurde im Herbst 1980 das HdJ wieder eröffnet, wobei zunächst ein offenes Programmangebot („Spielen, Basteln, Lernen“) im Vordergrund stand. Anfang Februar 1981 entschied sich der Stadtrat mit der absoluten Mehrheit der CDU für ein Konzept der Jungen Union, das keine Selbstverwaltung mehr, aber die Leitung in eigener Verantwortung und das Hausrecht der Jugendpflegerin beinhaltete. Außerdem sah die neue Regelung vor, dass auswärtige Jugendliche im HdJ nicht mehr mitarbeiten durften.

„Frischer Wind in den Stadtrat“

Enttäuscht über die städtische Jugendpolitik und die Schließung des ehemals noch selbstverwalteten HdJ bildete sich aus dem Kreis von damals besonders engagierten Jugendlichen 1979 die „Jugend- und Bürgeraktion“ (JBA). Auf Anhieb gewann die JBA bei der Gemeinderatswahl 1980 (Motto: „Frischer Wind in den Stadtrat“) einen Sitz im Stadtrat. Aus der JBA ging vier Jahre später die „Grün-Alternative-Liste Bühl“ hervor, die seit 1984 kontinuierlich im Stadtrat mit Fraktionsstatus (gegenwärtig vier Sitze) vertreten ist. Ein Großteil der bisherigen Kandidaten und gewählten Stadträte erlebte im selbstverwalteten HdJ eine gewisse politische Bildung.

Vom HdJ zum Kifaz

Das Haus der Jugend ging zum 1. Januar 1986 in die Trägerschaft der Caritas über. Zum 31. März endete dieses Kapitel, die Verantwortung übernahm wieder die Stadt. Damit endete die HdJ-Geschichte: Es entstand das Kinder- und Familienzentrum, das am 7. Oktober 2 000 seine Arbeit aufnahm.