Die Zahl der Unfälle im Revierbereich Bühl ist im Jahr 2017 angestiegen. | Foto: Bernhard Margull

Statistik der Bühler Polizei

Deutlich mehr Unfälle

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Die Zahl der Verkehrsunfälle im Bereich des Polizeireviers Bühl ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Sie lag bei 1 475 Unfällen gegenüber 1 307 im Vorjahr. „Das ist im ersten Moment bestürzend“, sagte der stellvertretende Revierleiter Rolf Fritz bei der Präsentation der Statistik. Ein genauerer Blick zeige, dass rund die Hälfte dieser Steigerung auf drei Gruppen zurückzuführen sei: motorisierte Zweiräder, Lkw-Unfälle und Unfallflüchtige. Der Rest seien Kleinstunfälle, die auch durch polizeiliche Präventionsarbeit nicht zu verhindern seien.

Zwei bedrückende Aspekte

Vor allem zwei Aspekte sind für die Polizei bedrückend. Nachdem es im Vorjahr keinen einzigen Verkehrstoten zu beklagen gegeben hatte, ereigneten sich 2017 sieben tödliche Unfälle. Unter den Opfern waren drei Motorradfahrer (alle diese Unfälle ereigneten sich auf Gemarkung Rheinmünster), zwei Fahrradfahrer in Rheinmünster und Lichtenau sowie zwei Autofahrer in Ottersweier. Durchweg habe es sich um Unglücke gehandelt, die auch durch präventive Polizeiarbeit nicht hätten verhindert werden können, so Fritz.
Der zweite Punkt ist die Zunahme der Unfallfluchten von 249 auf 272 (aufgeklärt wurden 88 gegenüber 78 im Vorjahr). „Es ist frustrierend, wie viele Leute eine Unfallflucht begehen“, bekannte Fritz. Patrick Bergmann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg sprach in diesem Zusammenhang von einem „bundesweiten Massenphänomen“. Das sei umso weniger verständlich, als jeder versichert sei und es sich meist um kleinere Schäden handle, sagte Fritz. Er appellierte an Zeugen, entsprechende Wahrnehmungen zu melden: „Schließlich kann jeder jederzeit selbst betroffen sein.“

Weniger Alkoholunfälle

Weiter zurückgegangen ist die Zahl der Alkoholunfälle, von 21 auf 19. Das sei auch auf den Kontrolldruck zurückzuführen: „Wir machen überdurchschnittlich viele Kontrollen“, so Fritz. Revierleiter Walter Kautz betonte in diesem Zusammenhang, dass entsprechende Kontrollen auf der Auswertung der Vorkommnisse basierten. Ein gezieltes „Ansitzen“ auf Alkoholsünder gebe es nicht: Besonders hoch eingeschätzt werde es im Gegenteil, wenn die Beamten Alkoholfahrten verhinderten.

Appell an Radfahrer

Von fünf auf acht zugenommen hat die Zahl der Schulwegunfälle. Allerdings stellt sich hier für Rolf Fritz eine Definitionsfrage: Die Unfälle hätten sich auf dem Weg zur Schule ereignet, nicht vor der Schule; sie seien auch durch andere Ausweisung der Schulwege nicht zu vermeiden gewesen. So sei in einem Fall in Balzhofen einem Jungen, der mit dem Rad unterwegs zur Schule in Bühl war, von einer Autofahrerin die Vorfahrt genommen worden – auch das gilt als Schulwegunfall. Was Fritz ärgert: Bei vier Unfällen waren Radfahrer beteiligt, drei davon wurden schwer verletzt, einer leicht – „nicht einer trug einen Helm“. Dieser hätte Verletzungen verhindern können, appellierte Fritz an die Jugendlichen, auf dem Rad einen Helm aufzusetzen. Auch für die Radunfälle insgesamt gelte dieser Befund. 54 Unfälle mit 47 Verletzten verzeichneten die Beamten (2016: 47), in 32 Fällen waren die Radfahrer die Verursacher.

Mehr Motorradunfälle

Um ein Drittel gestiegen auf 52 sind Motorradunfälle, davon wurden 24 selbst verursacht. 13 Kradfahrer wurden schwer verletzt, 29 leicht. Häufigste Ursachen waren Fehler beim Abbiegen und Kreuzen sowie beim Anfahren vom Fahrbahnrand, unabhängig davon, ob der Verursacher auf dem Motorrad oder mit dem Auto unterwegs war.
Mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der Unfälle mit Lastkraftwagen, wobei in 51 von 63 Fällen die Lkw-Fahrer die Verursacher waren. Die häufigste Ursache sei unvorsichtiges Rangieren, es komme aber auch vor, dass ein „Navi“ den Fahrer fehlleitet und „es dann zu eng wird“. Bemerkbar mache sich auch manche Maut-Umfahrung: Es seien in einzelnen Orten (meist kleinere) Unfälle mit Lkws zu verzeichnen, die dort eigentlich nichts zu suchen hätten.

 

Ursachen/Verursacher
Die häufigste Unfallursache waren Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren (143), gefolgt von Vorfahrtsverletzungen (98), Geschwindigkeit (47), Abstand (38), riskantes Überholen (13) und falsches Verhalten gegenüber Fußgängern. Bei den Unfallbeteiligten stellen Senioren über 65 (127 gegenüber 134 im Vorjahr) und junge Erwachsene zwischen 18 und 24 (106/96) die größten Gruppen. Verursacht haben die Senioren dabei 75 Unfälle (2016: 86), die jungen Erwachsenen 49 (47). In den einzelnen Gemeinden gibt es keine Besonderheiten, nirgendwo war eine auffällige Unfallhäufung zu beobachten. wl