Ordentlich zur Sache geht es, wenn die Bühler Band Van Teichmann zum Rosenmontags-Rock bittet. Vor einem Vierteljahrhundert ist diese Tradition begründet worden. | Foto: pr

25 Jahre Rosenmontagsrock

Deutschrock schlägt Guggenmusik

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Fastnacht und die Bühler Band Van Teichmann – da kommt rasch das „Bap“-Lied „Nit für Kooche“ in den Sinn, in dem Wolfgang Niedecken seine herzliche Fastnachtsabneigung besingt, nicht einmal für Kuchen würde er während der Fastnachtszeit in Kölle bleiben. 1982 ist das Lied erschienen, just im Gründungsjahr von Van Teichmann. Vielleicht war es da fast schon zwangsläufig, dass die Band ihr eigenes unnärrisches Statement abgibt. Sie tat es, indem sie ein ganz spezielles Event aus der Taufe hob: Am Rosenmontag ist es exakt 25 Jahre her, dass die laut scheppernde Kombo im Bühler „Kneiple“ einheizte. Veranstalter und Band hatten das Event als „Anti-Fastnachtskonzert“ angekündigt – eine Tradition war begründet.

Von Pascal Lienhard

Schnell zum Selbstläufer geworden

„Fastnacht war damals nicht so das Ding für uns“, erklärt Sänger Peter Teichmann. „Da haben wir uns überlegt, doch genau da ein Konzert zu geben.“ Damit war eine Idee geboren, die schnell zum Selbstläufer wurde. Aus dem Konzert am Rosenmontag ein jährliches Event zu machen, lag auf der Hand: Schon bei der ersten Ausgabe im Bühler „Kneiple“ drängten sich die Gäste. So manch einer war froh, Guggenmusik gegen Deutschrock eintauschen zu können. Und das ist so geblieben. Bis heute ist das Event gemeinsam mit dem 1999 eingeführten „Weihnachtsrock“ auf dem Bühler Adventsmarkt eine Konstante im Teichmann´schen Konzertkalender.

Von Bühl über Fautenbach nach Sinzheim

Doch ging der Rosenmontags-Rock nicht ohne Veränderungen über die Bühne – denn genau diese änderte sich hin und wieder. War von 1994 bis 2001 das „Kneiple“ der Heimathafen für die Rocker, ging es 2002 in den „Wagen“ in Fautenbach. Danach wurde es für einige Jahre ruhig um Van Teichmann, die Musiker gingen getrennte Wege. Nach der Reunion wurde 2008 auch der Rosenmontags-Rock im „Wagen“ reanimiert. Aber auch diese Location blieb nur für kurze Zeit der fastnachtliche Hotspot für E-Gitarren. 2013 hat das Event nach einjähriger Pause seine neue Heimat im „Ochsen“ in Sinzheim gefunden.

Ein Augenzwinkern

Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Der „Ochsen“ ist in der Region als Hochburg der Fastnacht bekannt. „Da haben wir Glück gehabt, dass gerade am Rosenmontag ein Spot für uns frei war“, so Peter Teichmann. „Der Wirt hat uns sogar zugesichert, lebenslang bei ihm spielen zu dürfen“, grinst der Sänger. Doch wie passt das zusammen? Hier ein Event, das eigentlich all jene ansprechen will, die auf der Flucht vor Narren sind, und dort der „Ochsen“? Das Ganze ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen. So kam es auch schon vor, dass Peter Teichmann mit Narrhalla-Mütze und Konfetti bewaffnet auf die Bühne stieg. Und auch vom „Anti-Fastnachtskonzert“ ist längst keine Rede mehr, inzwischen hat man sich auf den weniger aggressiv klingenden Rosenmontags-Rock geeinigt. „Natürlich finden auch viele Freunde der Fastnacht den Weg zu uns“, so Peter Teichmann.

Die aktuelle Besetzung: Ralf Teichmann, Peter Teichmann, Klaus Knopf und Simon Buchholz. Foto: pr

„So oder so Party“

Auch das Programm war vor 25 Jahren noch ein ganz anderes. Fastnachtssongs in einem Medley – im Stile von „Sodom“-Sänger Thomas „Tom Angelripper“ Such – wurden einer rockigen Frischenzellenkur unterzogen. Inzwischen unterscheide sich das Programm nicht groß von anderen Konzerten der Teichmänner. „Party ist so oder so angesagt“, grinst Peter Teichmann. „Wir spielen unser deutsches Rockliedgut und wollen zeigen, dass man an Fastnacht auch anders Spaß haben kann.“
Stolz ist die Band auf ihren Rosenmontags-Rock allemal. „Das Konzert war immer gut besucht“, freut sich Gitarrist Ralf Teichmann. „Wir haben diese Art von Konzert in der Region erfunden“, fügt Peter Teichmann hinzu. „Inzwischen gibt es dieses Konzept ja an vielen Ecken.“ Da ist es umso besser, dass Van Teichmann nach all den Jahren noch immer Bock auf das Konzert haben. „Ich freue mich immer auf das Publikum“, so Peter Teichmann. „Das ist eine Wucht.“ Und obwohl sich in der Besetzung der Band in einem Vierteljahrhundert einiges getan hat, stehen in Peter und Ralf Teichmann zwei der Musiker auf der Bühne, die die Tradition 1994 eingeleitet haben, und Bassist Klaus Knopf ist auch schon seit 1995 an Bord. Dazu kommt der aktuelle Drummer Simon Buchholz. Und auch Gastmusiker Lukas Daferner seinem Dudelsack ist wieder dabei, wenn es am Rosenmontag wie gewohnt heißt: „Abrocken in die narrenfreie Zone.“ „Nit für Kooche“ ist nicht angesagt. Vielleicht aber ein anderes Bap-Juwel aus dem Van-Teichmann-Repertoire: „Verdamp lang her“. Es dürfte auch als Kommentar zu den Anfängen des Rosenmontags-Rocks verstanden werden: mit einem zwinkernden Auge und einer ordentlich scheppernden Band.