Ein Bild für das Geschichtsbuch: Zu einem gemeinsamen Auftritt versammelten sich die Nordpol-Narren im vergangenen Jahr auf der Bühne. | Foto: Werner Vetter

Nachwuchsmangel ist der Grund

Die Bühler Narren vom Nordpol lösen ihre Gesellschaft auf

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Der Nachwuchsmangel setzt auch manchem Fastnachtsverein zu. In Bühl hat es jetzt die Narren vom Nordpol getroffen. Die vor fast 40 Jahren gegründete Narrengesellschaft hat ihre Auflösung beschlossen, die Kappensitzung am Schmutzigen Donnerstag war die letzte.

Von Wilfried Lienhard und Werner Vetter

Es ist dieses Mal nicht der Klimawandel. Zwar setzen höhere Temperaturen den Eisbären massiv zu, und vielleicht sind Iglus auch bald keine gute Wohnidee mehr. Die Bühler Nordpolianer aus mittelbadischen Breiten sind davon weniger betroffen, es ist ein anderer Wandel, der ihnen seit Jahren stark zugesetzt und jetzt auch zum Aus geführt hat: Die Narren vom Nordpol lösen sich auf, die Kappensitzung am Schmutzigen Donnerstag war die letzte in der 38-jährigen Geschichte der Narrengesellschaft aus der nördlichen Kernstadt.

Entscheidung war streng geheim gehalten worden

Die Entscheidung war streng geheim gehalten worden, um noch eine unbeschwerte Sitzung feiern zu können; lediglich die Gerüchteküche hatte bereits geköchelt. Am Wochenende hat Präsident Stefan Söthe befreunde Narrengesellschaften über den Schritt informiert. „Der demografische Wandel hat letztlich dafür gesorgt, dass wir die Gesellschaft auflösen müssen“, sagte er am Montag am Rande des Närrischen Markts in Bühl. Es fehle schlicht am Nachwuchs, der die Nordpol-Fastnacht in ihrer bisherigen Form fortführen könnte.

Nachwuchssuche blieb erfolglos

„Wir haben jahrelang alles versucht“, so Söthe. „Wir haben Flugblätter verteilt und sind von Haustür zu Haustür gezogen, um für unseren Verein zu werden.“  Er ahnt, warum den Bemühungen kein Erfolg beschieden war. „Eine Wirtshausfastnacht ist eine aufwendige Sache und macht viel Arbeit. Das ist anders als nur in einer Häsgruppe mitzulaufen.“ Daneben habe es auch finanzielle Gründe gegeben, die zum Auflösungsbeschluss geführt hätten, ergänzt Söthe; die Last sei von immer weniger Schultern getragen worden. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, denn die kleine Gesellschaft habe sich in den fast vier Jahrzehnten seines Bestehens einen guten Ruf in der Bühler Fastnacht erworben.

 

Ein Bild mit hohem Wehmutfaktor: Die früheren Nordpol-Präsidenten Klaus Meier (links) und Otto Seiler 2009 bei der Auszeichnung der „Bühlottel“ aus der Schwapla, von links Werner „Fisch“ Reinschmidt, Otto „Banane-Bieger“ Hörth, Norbert „Strumpf“ Baumann, Ingo „Zotti“ Anselm und Thomas Jung-Seif“ Hoerth. | Foto: Werner Vetter

Ein Iglu im „Schützen“

Die ersten Fühler, um eine Narrenvereinigung der nördlichen Kernstädter zu gründen, hatte Otto Seiler 1982 ausgestreckt. Sein erstes Präsidium wählte der „Nordpol“ am 24. Januar 1983. Bereits rund zwei Wochen später veranstaltete er erstmals einen eigenen närrischen Stadtvierteltreff. Der „Nordpol“ fand seine Heimat im Gasthaus „Schützen“ („Schützen-Iglu“) an der Ecke Haupt-/Rheinstraße. Die Ursprünge gehen aber noch weiter zurück: Das Gasthaus „Kreuz“ hatte am 24. Februar 1938 inseriert: „Großes Schnurren am Nordpol vom Schmutzigen Donnerstag bis Aschermittwoch“. Das „Kreuz“ war südlich der Rheinstraße gegenüber des „Schützen“ gelegen; es existiert auch nicht mehr. Seit 2006 hatte die Narrengesellschaft im „Adler-Shanghai“ im Exil am Johannesplatz gefeiert. Nachdem 2015 jenes Restaurant schloss und eine Sushi-Bar einzog, war der „Nordpol“ wieder heimatlos geworden. Seit 2016 feierte er im Bürgerhaus Neuer Markt.

„Vielen Menschen Freude bereitet“

„Der Nordpol hat vielen Menschen Freude bereitet, und wir selbst hatten auch immer Spaß“, blickt Söthe zurück. „Wir haben eine gute Gastfreundschaft und ein freundliches Miteinander gepflegt. Wenn wir in unseren Kappensitzungen auftraten, waren die lächelnden Gesichter der Besucher immer Lohn für unserer Engagement.“ Nun aber sei das Ende nicht mehr vermeidbar gewesen. Der Entschluss habe ein Jahr lang gereift; als der letzte Nordpolianer aus der alten Garde angekündigt habe, kürzer treten zu wollen, habe Söthe gewusst, dass die Zeit gekommen ist für einen Schmutzigen Donnerstag ohne Nordpol-Fastnacht.