BEIM SOGENANNTEN ROHR läuft der Ball idealerweise durch selbiges. | Foto: BGC Freistett

BGC Freistett

Die Magie des perfekten Schlags

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Eigentlich ist Minigolf nichts anderes als Physik: Es geht um korrekte Winkel, richtig eingesetzte Schlagkraft. Es geht um weichere oder härtere Bälle, je nach Bahnbeschaffenheit. Und idealerweise landet die kleine Kunststoff-Kugel, mit nur einem Schlag auf die richtige Geschwindigkeit beschleunigt, im Loch. Aber sind es wirklich nur die naturwissenschaftlichen Gesetze? Es ist, mit Verlaub, eine ganze Portion Emotion dabei.

Mir macht das Spaß

Die sollte der Minigolf-Spieler beim Schlag zwar völlig ausschalten, aber wenn das „Bällchen“ dann läuft, zum Beispiel beim „Blitz“ lehrbuchhaft dem rechten Winkel trotzt und über Doppelbande elegant sein Ziel findet und das mit einem Versuch, dann kribbelt es Hobbyminigolfer wie Profis in allertiefster Zufriedenheit. „Mir macht das Spaß“, auf diesen einfachen Nenner bringt es Bernhard Schütterle. Seit 1968 spielt er Minigolf, also seit nunmehr 51 Jahren. Seine Sportkarriere begann in Kehl, und führte dann nach Freistett. Dort residieren die Minigolfer als Verein seit 1981.

Jugendländerpokal und U23-Länderkampf in Freistett

Man nimmt Schütterle die Liebe zu dieser sportlichen Betätigung ab, denn wenn er über Minigolf erzählt, dann tut er es freudestrahlend. Ende April nun rückt die schmucke und topgepflegte Clubanlage des BGC Rheinau-Freistett in den Brennpunkt der nationalen Minigolf-Elite, wenn dort und in Ohlsbach vom 20. bis 27. April der Jugendländerpokal und der U23-Länderkampf über die Bühne gehen. „Dazu kommen rund 50 junge Spielerinnen und Spieler aus ganz Deutschland in die Ortenau“, freut sich Jugendwart Jochen Hänßler. Auch er ist ein Minigolf-Enthusiast, hat vorher sportlich „viel ausprobiert“, bis er zur kleinen Schwester des „grünen“ Golfsports kam.

Minigolf ist Leistungssport

Er weiß – bei aller Attraktivität – um die Image-Probleme seiner Zunft. Das Gros der Leute sehe Minigolf leider nicht als Sport an. Und da kontert Hänßler entschieden: „Minigolf ist ein Leistungssport.“ Das unterschreibt Wilfried Walter gern, der bei den Freistettern für die Pressearbeit und Finanzen verantwortlich zeichnet. Es handle sich um eine sehr komplexe und anspruchsvolle Sportart. Vor allem seien ein hohes Maß an Konzentration und auch Kondition gefordert.

Akribische Vorbereitung auf Wettkämpfe

Schon die Vorbereitung auf einen Wettkampf müsse mit Akribie erfolgen, erläutert die Turnierspielerin Isolde Erhard. Das beginnt bei der Auswahl der Bälle – welcher ist für die jeweilige Bahn geeignet – und langen Trainingsphasen. Dabei sei es nicht so, dass beim gleichen Hindernis immer derselbe Ball gespielt werden kann. Das hänge von der Beschaffenheit der Bahn ab und die sei auf jeder Anlage anders. Darauf müssen sich die Spieler einstellen, um dann – nach einer anstrengenden Trainingsphase – immer noch die Konzentration und die Spannung so hoch zu halten, um idealerweise das Maximalziel zu erreichen: Jede Bahn mit nur einem Schlag zu absolvieren.

In Deutschland gab es 1955 die erste Norm-Bahn

Die Freistetter haben eine sogenannte Eternitanlage. Will heißen, die Bahnen bestehen aus Faserzementplatten. Die Länge beträgt 6,25 Meter, die Breite 90 Zentimeter, und freilich entspricht alles einer internationalen Norm. Dann gibt es noch Anlagen aus Beton. Sie messen zwölf Meter in der Länge sowie 1,25 Meter in der Breite und gehen auf den Schweizer Gartenarchitekten Paul Bogni zurück, der sich diese Variante 1953 patentieren ließ. Die erste Anlage dieser Art gab es dann kurz darauf in Ascona im Tessin (Schweiz), in Deutschland konnte man 1955 in Traben-Trabach erstmals auf genormten Betonbahnen minigolfen. Ohlsbach hat ebenfalls eine Betonanlage. Inzwischen gibt es Varianten wie Adventure-Golf und anderes mehr – alles zusammengefasst unter dem Dachbegriff Bahnengolf.

BGC Freistett leiht Einsteigern Schläger

Viel benötigt es für einen Einsteiger erst einmal nicht: Einen Schläger und ein paar Bälle. Beim BGC Freistett können Interessierte sich zum Testen Profimaterial ausleihen und am regulären Trainingstag am Mittwoch kostenlos teilnehmen, berichtet Hänßler. Wer intensiver minigolfen wolle, bekomme einen ordentlichen Schläger für rund 60 Euro, natürlich könne man auch mehr hinlegen, erläutert Pressechef Walter. In der Endstufe geht es da durchaus mal bis 200 Euro. Dazu kommen noch 20 bis 30 Bälle und – für die Betonbahnen – ein spezieller Weitschläger für die größeren Distanzen.

QR-Code an allen Bahnen

Wer Linkshänder ist, dem kann ebenfalls geholfen werden, mit einem speziellen Linkshänder-Schläger. Frische Luft gibt es gratis, jede Menge Tipps von den Profis sowie Vereinsanschluss auch. Gespielt werden kann eigentlich fast immer, nur bei Regen muss der Betrieb ruhen. Auf nassem Terrain laufen die Bälle nicht, erklären die Experten, die auch technisch alles andere als antiquiert sind. „Wir haben an allen Bahnen einen QR-Code. Der lässt sich mit dem Smartphone einlesen, über den Link gibt es dann eine Anleitung, wie die Bahn idealerweise zu spielen ist“, so Walter.

Viele Aktionen zur Nachwuchsgewinnung

Und auch sonst sind Freistetter Minigolf-Enthusiasten schwer am Wirbeln, um dem in den meisten Vereinen vorhandenen Nachwuchsmangel zu begegnen. Es gibt zum Beispiel ein Jedermann- und Familienturnier (16. Juni) und anderes mehr, zudem versucht die wackere Schar von rund einem Dutzend Daueraktiven, über das Projekt „Schule und Verein“ junge Menschen für ihren Sport zu begeistern.

Wir können noch einige aktive Mitglieder brauchen

Und es ist ja auch nicht so, dass die Leute keine Lust zum Minigolfen haben. Bei schönem Wetter zu den regulären Öffnungszeiten für das allgemeine Publikum ist die Anlage am Rhein gut besucht. Doch genau daraus entsteht das Kernproblem: Viele sehen das Minigolfen doch eher als Hobby und weniger als Sport. „Wir können noch einige aktive Mitglieder brauchen“, so Turnierspielerin Erhard. Der Mehrwert: Die Aktiven erfreuen sich nicht nur einer vielseitigen Sportart, sie sehen dazu einige schöne Ecken Deutschlands. Den BGC Freistett führen die Punktspiele nach Weinheim ebenso wie nach Waldshut oder nach Tuttlingen.

SCHMUCK UND GEPFELGT: Die Anlage des BGC Freistett | Foto: BGC Freistett

Ohne Einsatz geht es freilich nicht, „mit Trainieren und Spielen ist man das ganze Wochenende gefordert“, erläutert Wilfried Walter. Langweilig wird es nicht, allein schon durch die Vielfalt der Bahnen mit Salto (der Ball läuft durch einen Looping), Schüssel (über Schanzen in das namensgebende Gefäß), Labyrinth und anderen mehr – wie zum Beispiel das Netz. Da muss der Ball über eine Schanze so geschlagen werden, dass er in eine Art Fischreuse springt (die Profis sagen „leicht“, die Laien verzweifeln oft). Genau diese Diversität der zu bewältigenden Aufgaben macht nach Ansicht der Minigolfer den Sport so spannend, erklärt Isolde Erhard. Sie ist seit 21 Jahren aktiv.

Bahnen aus Beton oder Eternit

Apropos Bahn: Nicht nur, dass es besagte Beton- und Eternitanlagen gibt, die sich bei Dimension und Lauffläche unterscheiden. Auch auf zwei identischen Bahnen zweier verschiedener Anlagen kann es spürbare Unterschiede geben. Vielleicht läuft auf der einen der Ball eher nach links, auf der anderen eher nach rechts. Da heißt es dann, trainieren, trainieren, trainieren.

AUF DEN RICHTIGEN BALL kommt es an. Turnierspieler haben Dutzende davon. | Foto: Jörg Seiler

Und natürlich den richtigen Ball auswählen. Das, so geben die Freistetter zu, sei eine Wissenschaft für sich. Da gibt es Bälle, die springen wie ein Flummi, andere rollen ganz schwer dahin. Es gibt Bälle mit Lack und ohne. Bundesliga-Spieler und die Cracks bei deutschen Meisterschaften, EM oder WM haben Hunderte der kleinen, bunten Kugeln.

Deutsche Nachwuchs-Elite in Freistett und Ohlsbach

Zu diesen Top-Leuten gehören zweifelsohne die Nachwuchs-Minigolfer, die in der zweiten Aprilhälfte in Freistett und Ohlsbach an den Start gehen. Der Turnierplan sieht folgendes vor: Donnerstag, 25. April, vier Durchgänge Jugendländerpokal/U23 in Freistett. Freitag, 26. April, vier Durchgänge in Ohlsbach. Samstag, 27. April, Matchplay in Freistett. Letzteres ist vergleichbar mit dem Großgolf. Die Wettbewerbe beginnen um 8 Uhr und sind publikumsoffen.

Deutschland ist eine Minigolf-Nation

Dass in diesem Jahr die Clubs in Freistett und Ohlsbach Ausrichter des nationalen Vergleichs sind, hängt damit zusammen, dass immer ein anderer Landesverband für die Ausrichtung verantwortlich zeichnet. 2019 sei es der Badische Bahnengolf-Sportverband (BBS) gewesen, und so kam das Turnier – vorgeschrieben sind zwei Ausrichteranlagen – in die Ortenau. Deutschland sei eine Minigolf-Nation, erklärt der Freistetter Jugendwart und Turnierorganisator Jochen Hänßler. Ebenfalls sehr populär sei die Sportart in Schweden, in Österreich, in Italien und in Tschechien.

Die 18 als magischer Wert

Alle Spielerinnen und Spieler eint die Jagd nach dem einen, großen Moment: Jede Bahn mit einem Schlag zu beenden, um nachher „18“ (Gesamtzahl der Bahnen) auf dem Zettel stehen zu haben. Von den Freistettern hat das auf der eigenen Anlage noch niemand geschafft. Aber bei den deutschen Meisterschaften 2001, die die Freistetter zusammen mit Berghaupten und Ohlsbach ausrichteten, wurde dieser magische Wert gespielt. Allein deswegen gibt es weiter Ziele im Training, dessen Krönung die Magie des perfekten Schlags ist. Gut, dass man, so Walter, Minigolf bis ins hohe Alter spielen kann.