Keine Chance ließen die vereinten Narren in Rheinmünster Bürgermeister Helmut Paulter. | Foto: Gangl

Rund um Bühl

Die Narren erobern die Rathäuser im Handstreich

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Überall haben die Narren Städte und Dörfer fest im Griff. Und was darf am Schmutzigen Donnerstag natürlich auf keinen Fall fehlen? Richtig, die Rathausstürme! Wir berichten von Amtsbesetzungen in Lichtenau, Otterweier, Rheinmünster und Sinzheim und zeigen die besten Bilder.

Von Annerose Gangl, Alexander Schütt und Alois Huck

1. Lichtenau: Wildsauen und Ziegenböcke

In Lichtenau rotteten sich die Wildsauen vom Schollebunker, die Scherzemer Wasenhexen, die Scherzemer Narren, die Lichtenauer Ziegeböck und die Lichtenauer Acherdämonen zusammen, um endgültig die Macht an sie zu reißen und das Hanauerstädtchen in ihre Gewalt zu bekommen.

Schon die kleinsten Lichtenauer vom Kindergarten mischten kräftig mit und zogen mit vereinten Kräften der Hästräger den weltlichen Fürsten Christian Greilach aus seinem Amtszimmer ins Freie. Als Zirkusdirektor mit Zylinder und schillerndem Frack dachte er, sich in diesem Jahr aus dem Schlamassel retten zu können, doch weit gefehlt. Das Narrenvolk wollte ihn wieder in Ketten sehen.

Eine Eisenkugel an den Füßen

Da stand er nun mit einer kiloschweren Eisenkugel an den Füßen, um den Rathausschlüssel gebracht und sich auch noch vor den Kindergartenkindern blamierend, denn nicht jede Frage konnte er den kleinen Naseweisen beantworten. „Der het jetzt bis Aschermittwoch nix me zu san, jetzt esch die Narreschar am Regiere dran“, sagte Björn Boschert, Zunftmeister der Scherzemer Narren, in die Menge vor dem Rathaus. Lauthals stimmte das Narrenvolk, unter ihnen auch Bewohner des Seniorenheims St. Marguerite, mit Donnerrufen und „Narri-Narro“ in die vereinte Freude ein.

 

Christian Greilach konnte den Machtwechsel in Lichtenau nicht verhindern. Foto: Gangl

„Schmuggler“ unterwegs

Doch damit nicht genug des Leids. Nun musste der gekettete und entmachtete Stadtheld auch noch sein Können bei verschiedenen amüsanten Geschicklichkeitsspielen unter Beweis stellen. Eingekesselt von den Hästrägern und Gardemädchen musste er die über Kopfhörer erkannten Lieder pantomimisch zum Besten geben, und damit der Narrenbaum dann endlich gestellt werden konnte, war ihm ein Hexenbesenritt gegönnt.

Solch ein Spektakel lockte sogar Anita Obermann mit ihrem „Fridays for Future“-Mobil auf die Straße, obwohl ja erst Donnerstag war. Grund genug für alle, kräftig die Fastnacht hochleben zu lassen und noch lange auf der Straße zu tanzen und zu schunkeln. Seine Freude daran hatte auch der „Schmuggler“, die neue Häsfigur der Scherzemer Narre, die schon im 19. Jahrhundert ihr Unwesen durch das Kälblegässel getrieben hatte.

2. Ottersweier: Käpt’n wehrt sich vergeblich

Leimewängscht, Bürgermeister Jürgen Pfetzer: Am Donnerstagvormittag um 11.11 Uhr erfolgte der Rathaussturm in Ottersweier. Linus Maier von den Leimewängscht forderte im Namen des Narrenvolkes für die Fastnacht auf, dass Schultes Jürgen Pfetzer den Rathausschlüssel herausgebe, denn sonst stürmen wir das Haus“. Jürgen der Pfetzige wurde angeklagt, dass er jedes Jahr Millionen in Dorf verbuddele und Otterschwier untergraben werde. Pfetzer wehrte sich mit den Worten: „Ich bin der Käpt’n des Traumschiffs Ottersweier und werde das Steuerrad nicht abgeben.“

Der Käpt’n muss von Bord: Jürgen Pfetzer gab die Macht an die Leimewängscht ab. Foto:: Schütt

Die Leimewängscht waren laut Auskunft des närrischen Dreigestirns um Oberzunftmeister Dieter Seifermann, Karina Liagurdis und Kerstin Schmalz zuvor um 5 Uhr 31 zum Dorfwecken unterwegs gewesen, wie dem „Hemdglunkerlesumzug „ dem Sturm auf die Lebenhilfe, dem Rundgang durch den Kindergarten St.Michael, und der Befreiung der Lehrer in der Maria Viktoria Grundschule. Linus Meier von der Otterschwierer Leimewängscht klagte den Schultes Jürgen den Pfetzigen an, dass dieser Glasfaser verkaufe als wichtige Infrastrukturmaßnahme verkaufe, in Wirklichkeit aber nur die Bürger damit abhören und überwachen wolle.

Digitale Abhöranlage

Denn wir haben im Rothuskeller seine digitale Abhöranlage entdeckt. Wir forden den sofortigen Rückbau forderte Linus Meier im Namen der Narretei. Da der Prachtbau „Adler) in der Dorfmitte verlottere, gingen dem Schultes wohl nicht nur die Haare, sondern allmählich auch die pfiffigen Ideen aus, so Meier. Der Adler solle doch lieber visionär umgenutzt werden als anrüchige Show-und Varietetempel das neue badische Moulin Rouge werde täglich hunderte lüsternde Touris ins Dorf schwemmen frohlockte Linus Meier von den Leimewängscht. Des weiteren spreche der neue Rektor der Maria Viktoria Grundschule Bernhard Schmidt auch kein Dialekt .

Wie wolle dieser dann den Zunftrat verstehen ?. Da der Ottersweirer Schultes Jürgen Pfetzer bei der OB Wahl in Bühl am 13.Oktober 2019 den Schwanz eingezogen habe, oder vielmehr seinen Hut nicht in den Ring geworfen habe, habe er die 100 prozentige Gewinnchance verpasst Bühler Oberbürgermeister zu werden, so Meier. Mit einem OB Jürgen Pfetzer hätten wir Bühl zu einem Ortsteil und Lehensgebiet von Ottersweier degradieren können. Stattdessen wolle dieser aber nun die Hauptstraße mit einem Otterschwierer Badisch Trade Center als Skyline aufpuschen, Wehret dabei den Anfängen forderte Linus Meier seine Mitstreiter auf

3. Rheinmünster: Der Schwarzacher Fürst

Auch die feschen Krachledernen, in die sich der Schwarzacher Fürst am Schmutzigen Donnerstag vors Rathaus traute, halfen ihm nicht. Nicht lange konnte er sich gegen den Angriff der rund 200 Hexen, Dämonen, Waldmännle und Teufel wehren, die nur eines im Sinn hatten: den Rathauschef zu entmachten und Herrscher über den Schlüssel zu sein.

Die Rathausstürmung in der Münstergemeinde Schwarzach feiert in diesem Jahr das närrische Jubiläum von 22 Jahren. Es waren die Grefferner Waldmännle, die im Jahre 1998 zum ersten Sturm auf die Machtzentrale in der Lindenbrunnenstraße eingeladen hatten. Zwischenzeitlich haben sich die Narrenzünfte und Karnevalsvereine aus allen Ortsteilen verbündet und entern unter dem Motto „gemeinsam sind wir stark“ das Schwarzacher Rathaus.

Laute Schlachtrufe

Pascal Wörther, Vorsitzender der Grefferner Waldmännle, begrüßte mit lauten Schlachtrufen die Rhingschnooge Hexe, den Grefferner Narrenclub, die Dreiviertelsnarren Schwarzach, die Schwarzacher Klosterteufel, die Hohlerwald Dämonen, die Rhing Daifle Stollhofe und die Stollhofener Altrheindämone. Verspätet hatten sich die Schwarzacher Strossekracher. Neugierig verfolgt wurde das bunte Treiben vor dem Rathaus vom Storchenpaar, das sich bereits auf dem Dach des Nachbargebäudes niedergelassen hatte.

Nicht nur auf den Rathausschlüssel hatten es die Narren abgesehen. Das Volk wollte seinen Fürst im Wettstreit gegen einen Untertanen kämpfen sehen. Mit verbundenen Augen mussten er und Standesbeamtin Lisa Fichtner die nackten Waden einiger Fastnachter erkennen. Natürlich war das Glück wieder einmal auf Seite von Lisa. Viel zu lachen gab es beim Marionettenspiel und dem nur mit großem Geschick zu greifenden Glas.

Der schwarze Abt vom Münster Schwarzach, Pfarrer Manfred Woschek, und seine Kirchenmäuse konnten da nur noch himmelhochjauchzend „Halle-Luja“ ausrufen. Es war bereits das zweite Jahr, dass die Seelsorgeeinheit bei der Rathausstürmung mitmischt und kräftig zum Mitsingen einlädt. „Im Münster gibt es genug Mäuse, doch diese fehlen dem Bürgermeister in der Kasse“, frotzelte der Pfarrer und stimmte in das Lied „Die Galle“ ein.

Her mit dem Schlüssel – mit dieser Forderung war in Sinzheim Erik Ernst konfrontiert. Foto: Huck

4. Sinzheim: Gegen den Lärmpegel

Nur der Musikverein Sinzheim hatte eine Chance, bei der Rathausstürmung dem Lärmpegel der Gäste im brechend vollen Bürgersaal Paroli zu bieten um Bürgermeister Erik Ernst Gehör zu verschaffen. „Ihr seid gekommen um mich zu entmachten und mir den Rathausschlüssel zu entreißen, doch dabei werdet ihr euch die Zähne ausbeißen“, prophezeite der Schultes.

Harald Liß, Präsident des Narrenclubs Sinzheim-Winden präsentierte dem Narrenvolk einige Verfehlungen der stabsgemeindlichen Obrigkeit. So hatte Erik Ernst beim Überbringen von Geburtstagswünschen die Adresse verwechselt und wollte einem Nachbar des Jubilars gratulieren, der in derselben Woche einen runden Geburtstag feierte. Im elften Jahr seiner „Regierungszeit“ wurde der Bürgermeister von „Ordensminister“ Dieter Falk mit einem NCW-Orden behängt und die Altenburg-Hexen schmückten ihn ebenfalls mit ihrem Jahresorden.

Rathausschlüssel war verschwunden

Erik Ernst hatte den Rathausschlüssel die ganze Zeit mit sich herumgeschleppt, doch in einem unbedachten Augenblick war er doch verschwunden. Erst nach einigen Minuten verzweifelter Suche rückte ihn der Langfinger wieder heraus.

Nach heftigen Kämpfen ergatterte ihn der Prinz des Kartunger Narrenclubs (KNC) und freute sich über die Trophäe, die er im Jubiläumsjahr des KNC ergattert hatte. Mit fetziger Stimmungsmusik heizte der Musikverein Sinzheim den Gästen nochmals richtig ein, bevor sich alle begleitet von Marschmusik in einem fröhlichen Umzug zur Fremersberghalle marschierten.

Im Musentempel hatten die zahlreichen Helferinnen und Helfer des Narrenclub Sinzheim-Winden ein buntes Programm organsiert. Die Showband „Park & Ride“ sorgte bis tief in die Nacht für beste Stimmung und Tanzrunden. Zahlreiche Auftritte von Tanzgarden und Maskengruppen bereicherten das Programm