ES GEHT AUCH OHNE KRONE: Die deutsche Weihnachtsbaumkönigin Vanessa Frank aus Karlsruhe auf dem elterlichen Christbaumhof. | Foto: pr

Ortenaukreis ist Hochburg

Die Weihnachts­baum-Nation

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Da ist der Super-Sommer mal nicht schuld: Die Nordmanntanne – des Deutschen liebster Christbaum – stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Mit ihrer ausgeprägten Pfahlwurzel kann sie die dort häufig vorkommenden Trockenzeiten im Sommer „extrem gut aushalten“, so Bernd Oelkers, Vorsitzender des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger mit Sitz in Bühl. Kein Dreh an der Preisschraube also infolge der Dürre: Oelkers geht davon aus, dass Christbäume nur geringfügig teurer werden, konkret um 0,50 bis einen Euro pro laufendem Meter. Das mache dann 18 bis 24 Euro pro laufendem Meter für eine Nordmanntanne in A-Qualität.

Die diesjährige Christbaumsaison startet am Donnerstag im Sauerland eine Karlsruherin: Weihnachtsbaumkönigin Vanessa Frank. Die Krone haben die Deutschen in dem Geschäft ohnehin
auf. „Deutschland hat weltweit gesehen – bezogen auf die Bevölkerungszahl – die größte Nachfrage nach Weihnachtsbäumen“, sagt Martin Rometsch, Geschäftsführer des Christbaumverbandes Baden-Württemberg (Bühl). Dieser setzt sich für frische Bäume aus der Region in den hiesigen Wohnzimmern ein. Geschätzte 2,5 Millionen Weihnachtsbäume werden demnach Jahr für Jahr im Südwesten nachgefragt. Nur die Hälfte komme aber aus baden-württembergischer Produktion.

SIE SCHLEPPEN WIEDER: Deutschland ist eine Weihnachtsbaum-Nation. 29,5 Millionen Exemplare wurden im vergangenen Jahr gekauft. | Foto: dpa

Dass im eigentlich waldreichen Südwesten so wenige Weihnachtsbäume geschlagen werden, habe historische Gründe. Hinzu kämen die relativ restriktiven Genehmigungsverfahren. „Die haben die Anbauflächen schon immer stark begrenzt“, so Rometsch. Denn wirtschaftlich interessant sei das Kultivieren von Weihnachtsbäumen durchaus.

Und wo kommen die Christbäume für den deutschen Markt her? Laut Ursula Geismann vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH/Bad Honnef) wurden 2017 in Deutschland wie im Vorjahr 29,5 Millionen Weihnachtsbäume gekauft. 70 Prozent stammten aus der Bundesrepublik, vor allem aus dem Sauerland, „dem wichtigsten Anbaugebiet Europas“. Der erzielte Umsatz: 700 Millionen Euro.

Deutlich weniger Weihnachtsbäume aus Dänemark

Rometsch vom Christbaumverband verweist darauf, dass es nur Schätzungen zum Absatz gebe. Eklatant ist aus seiner Sicht, dass dänische Weihnachtsbäume vor zehn Jahren in Deutschland noch einen Marktanteil von 25 Prozent gehabt hätten. Jetzt seien es geschätzt nur noch zehn Prozent. „Auch Baumärkte und Discounter verramschen nicht mehr so viel C-Ware aus Dänemark wie früher.“

Für den Endkunden ist es nach Rometschs Worten preislich „praktisch kein Unterschied“, ob er einen Baum aus dem Südwesten, aus den anderen Teilen Deutschlands oder aus Dänemark kauft. Entscheidend für den Preis sei die Qualität des Weihnachtsbaumes.

WEIHNACHTSBAUM-HOCHBURG: Im Ortenaukreis gibt es über 70 Erzeuger. | Foto: Martin Rometsch

In Baden-Württemberg sind der Rhein-Neckar-Kreis mit über 30 Erzeugern und der Ortenaukreis mit gut 70 Erzeugern Zentren für Weihnachtsbaumkulturen. Es dauert rund zehn Jahre, bis ein stattlicher Christbaum in Wohnzimmergröße gewachsen ist. Entsprechend groß ist der Flächenbedarf.

85 Prozent der 172 Mitglieder des Christbaumverbandes verfügen laut Rometsch über eine Fläche von weniger als zehn Hektar. Sie verkaufen ihre Bäume am eigenen Stand – ideales Marketing. Die anderen Mitglieder nutzten die rote Banderole als Herkunfts- und Qualitätszeichen für einen Christbaum aus Baden-Württemberg. Zu den Kriterien für die Vergabe zählt auch, dass der Stamm erst nach dem 24. November geschlagen werden darf – ein frischer Baum also fürs Fest.

Der Export von deutschen Weihnachtsbäumen ist nach HDH-Angaben übrigens eine Nische. Einige würden auch per Flugzeug in die Vereinigten Arabischen Emirate zu den internationalen Hotels geflogen, so Geismann.

Ein Durchschnittsbaum hat 200 000 Tannennadeln

Die Sprecherin hat noch zwei Zahlen parat: Ein Durchschnittsbaum hat 200 000 Tannennadeln. Bei allen in Deutschland verkauften Exemplaren kommen so 5,8 Billionen Nadeln zusammen. „Eine unvorstellbar große Summe.“

Ihre Majestät kann auch Traktor fahren: Vanessa Frank (23) ist auf dem elterlichen Christbaumhof Frank groß geworden. Am Donnerstag eröffnet die deutsche Weihnachtsbaumkönigin im Sauerland offiziell die Saison. Die Hotelfachfrau hat pro Jahr zehn bis 15 Termine rund um Nordmanntanne, Blaufichte & Co. „Da ich in ganz Deutschland unterwegs bin, wird aus einem Termin schon mal ein Zwei-Tages-Trip.“ Reisen mag sie. Nach dem Abitur war Vanessa Frank ein halbes Jahr in Lateinamerika. Danach betreute sie für ein halbes Jahr in einer Sonderschule ein Kind mit Downsyndrom.
Ihr Lieblingsweihnachtsbaum? „Ich variiere von Jahr zu Jahr“, sagt die Karlsruherin. Ihr gefalle die Coloradotanne sehr gut, „da sie im Wohnzimmer einen sehr angenehmen, weihnachtlichen Geruch verbreitet“. Deren Tannen seien genauso weich wie die der Nordmanntanne, von der Farbe aber eher hellgrau.
Gefragt nach dem perfekten Weihnachtsbaum, betont Vanessa Frank, dass jeder Baum als Naturprodukt etwas Besonderes sei. „Für mich sollte der Baum zwischen 1,70 und 1,80 Meter groß sein, nicht zu breit und trotzdem dicht gewachsen. Eine Spitze darf natürlich nicht fehlen.“