Das Erfolgsteam schlechthin: 1983 räumten die Damen des VfB Unzhurst mit ihrem Trainer Hermann Neuburger alle Titel ab, die in Südbaden zu vergeben waren. | Foto: pr

50 Jahre Frauenfußball beim VfB Unzhurst

„Die Zeit war einfach reif dafür“

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Es ist erst wenige Tage her, da stand Hermann Neuburger, der langjährige Vorsitzende des VfB Unzhurst, einer Freiburger Studentin Rede und Antwort. Für ihre Examensarbeit über die Geschichte des Frauenfußballs in Südbaden konnte es vielleicht nirgendwo kompetentere Interviewpartner geben als in Unzhurst. Denn der VfB ist der vielleicht einzige Verein in Südbaden, in dem seit fünf Jahrzehnten ununterbrochen der Frauenfußball gepflegt wird. Am Samstag, 21. Juli, feiert der VfB dieses Jubiläum – zu dem die Unzhurster Frauen sich selbst mit der Meisterschaft in der Landesliga und dem damit verbundenen Aufstieg in die Verbandsliga beschenkt haben.

Viele Widerstände

Neuburger war 1968 seit einem Jahr in Unzhurst, er trainierte beim VfB bereits zwei Jugendmannschaften, als einige Frauen ihn fragten, ob er sie auch trainieren würde. Er sagte ja – und fast drei Jahrzehnte sollte er der Trainer der VfB-Damen bleiben. Den Stellenwert, den der Frauenfußball heute hat, hätte er sich vor einem halben Jahrhundert kaum vorstellen können. „Wir haben so etwas vielleicht gehofft, aber zu befürchten war, dass es bald wieder vorbei sein würde.“ Denn die Widerstände waren beträchtlich und zeigten sich in vielfältiger Weise; medizinische Vorbehalte wurden geäußert, Journalisten schürten Vorurteile, mancher junger Frau wurde in der Familie der Fußball verboten. Und auch der gewaltige Zuschauerzuspruch, den die ersten Spiele hatten, war ein trügerisches Zeichen. Ende der 60er Jahre habe es kaum ein Sportfest ohne die „Sensation“ Fußball spielender Frauen gegeben, und die Zuschauerzahlen seien hoch gewesen, sagt Neuburger. Doch je besser die Teams geworden seien, desto mehr habe der Zuspruch nachgelassen – es war schwieriger geworden, die Spiele aus einer überheblichen (Männer-)Warte zu verfolgen. Trotz allem: Die Zeit sei damals einfach reif gewesen für diesen Aufbruch, und die gesellschaftlichen Veränderungen hätten sicher ihren Teil dazu beigetragen. „Es gab damals viele Frauenmannschaften in der Region. Die meisten sind aber schnell wieder verschwunden“, erinnert sich Neuburger.

Die Unzhurster Damenmannnschaft im Jahr 1971. Foto: pr

Zahlreiche Titel

Dass dies in Unzhurst anders kam, hatte einen wesentlichen Grund auch in den Erfolgen der VfB-Frauen. Und Erfolge feierte der VfB zahlreiche, in den 70er Jahren war er Serienmeister im Bezirk Baden-Baden; 1978 war er dabei, als die Verbandsliga der Damen etabliert wurde. 1983 schließlich war das Jahr schlechthin: Der VfB gewann bei den Frauen sämtliche Titel, die in Südbaden zu holen waren, und spielte sowohl um den DFB-Pokal als auch um die deutsche Meisterschaft. Dass jeweils in der ersten Runde das Aus kam (im Pokal gegen Bad Neuenahr, in der Meisterschaft gegen Rendsburg) schmälert das Erlebnis nicht: „Es war fantastisch“, blickt Neuburger zurück. Schritt für Schritt wurden die Bedingungen verbessert, wobei auch im Fußballverband einige Überzeugungsarbeit habe geleistet werden müssen. So sei es bei der Einführung der Verbandsliga versäumt worden, einen adäquaten Unterbau zu schaffen: „Der Sprung von der Bezirksliga in die Verbandsliga war viel zu groß“, sagt Neuburger, der sich deshalb intensiv um die Einführung einer Landesliga bemühte, die nach etlichen Jahren auch kam.

Gute Perspektiven

Diese war zuletzt die sportliche Heimat der VfB-Frauen (die zweite Mannschaft spielt in der Bezirksliga); 1992 war die Elf aus der Verbandsliga abgestiegen und später auch in die Bezirksliga abgesackt. Nach einer Saison ohne Niederlage feierte der VfB nun die Rückkehr in die Verbandsliga. Die neue Aufgabe geht das Team selbstbewusst an. Kim Föll, die sich seit Jahren in vielfältiger Weise für den Unzhurster Frauenfußball einsetzt und auch zum Organisationsteam des Jubiläumstags zählt, nennt als Saisonziel einen Platz unter den ersten drei. Trainer Michael Stöckel sehe gute Perspektiven für die junge Mannschaft, die von einer guten Jugendarbeit profitiere: „Viele Spielerinnen sind zuletzt aus der Jugend nachgerückt.“ Schon 1978 hatte der VfB mit dem Mädchenfußball begonnen: „Uns war damals klar, dass wir auf Dauer nur mit einem guten Unterbau Erfolg haben würden“, blickt Neuburger zurück.

Die gute Jugendarbeit zeigt sich heute in gleich vier Juniorinnen-Mannschaften, unter anderem mit der Kooperation Schule-Verein bastelt der VfB an künftigen Teams. Um den Nachwuchs müssten sich die Frauen des VfB also keine Sorgen machen, meint auch Kim Föll – die Basis für weitere Jahrzehnte des Frauenfußballs in Unzhurst ist gelegt.

50 Jahre Frauenfußball beim VfB Unzhurst: Das will gefeiert sein. Der Verein tut dies mit einem Jubiläumstag am Samstag, 21. Juli. Die VfB-Elf tritt als künftiger Verbandsligist um 13.15 Uhr gegen die U 15 des SC Freiburg an, und um 16 Uhr treffen zwei Erstligisten aufeinander: Der SC Freiburg, Dritter der abgelaufenen Saison, spielt gegen den schweizerischen Vizemeister FC Basel. Zwischen den beiden Partien, um 15.30 Uhr, zeichnet der Ottersweierer Bürgermeister Jürgen Pfetzer die Unzhurster Meistermannschaft aus. Ab 18 Uhr steigt ein großes Elfmeterturnier, ab 20.30 Uhr Players Night mit DJAlpha. Auch ein Food Truck ist vor Ort.