Als Filetstück bezeichnet Bürgermeister Pfetzer den Sonnenplatz (graue Brachfläche). Nun gibt es Überlegungen für den Bau eines Pflegeheims durch das Klinikum Mittelbaden. | Foto: Hertweck

Pläne für neues Pflegeheim

Eine Lösung mitten in Ottersweier

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Nach langer Standortsuche ist das Klinikum Mittelbaden fündig geworden: Auf dem Sonnenplatz in Ottersweier soll ein weiteres Pflegeheim mit 75 bis 90 Plätzen entstehen. Das Gelände befindet sich im Besitz der Gemeinde. Jetzt können die Verhandlungen beginnen.

Das Klinikum Mittelbaden ist auf der Suche nach einem weiteren Standort für ein Pflegeheim im südlichen Rastatt fündig geworden: Es soll auf dem Sonnenplatz in der Ottersweierer Ortsmitte entstehen. Das Grundstück ist im Besitz der Gemeinde; am vergangenen Montag hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung Bürgermeister Jürgen Pfetzer einstimmig das Mandat erteilt, in Verhandlungen mit dem Klinikum einzutreten. Die Gemeinde favorisiert ein Erbpachtmodell, keinen Verkauf des Grundstücks.

Konsequenzen aus Landesheimbauverordnung

Bei einem Pressegespräch am Freitagnachmittag berichtete Klinikum-Geschäftsführer Jürgen Jung von den jahrelangen Bemühungen um neue Pflegeplätze. Die Landesheimbauverordnung führt, wie mehrfach berichtet, zu einer deutlichen Reduzierung der Bettenzahlen in den bestehenden Einrichtungen sowohl in der Hub als auch in Bühl. Eine Konsequenz daraus ist der Abbruch des früheren Schwesternwohnheims beim Bühler Krankenhaus. Dort soll ein Pflegeheim mit 90 Plätzen entstehen; Jung hofft, nach der nächsten Sitzung des Bühler Gemeinderats in das konkrete Bauantragsverfahren eintreten zu können. Neben den Bühler Planungen wurde in den vergangenen Jahren auch in Ottersweier nach einem geeigneten Grundstück gefahndet; mehrere seien in Betracht gekommen, doch es habe zu viele nicht überspringbare Hürden gegeben, so Jung. „Dann sind wir auf die Gemeinde zugegangen und haben gefragt, ob der Sonnenplatz vorstellbar sei.“ Aus dem Rathaus kam ein „Ja, wenn“: Der Neubau muss in die Umgebungsbebauung passen, baurechtlichen Vorschriften genügen, die Nachbarn müssen eingebunden werden, und die Gemeinde wünscht sich ergänzende Angebote, die auch den Menschen im Ort nutzen. Dazu zählte Bürgermeister Jürgen Pfetzer Tagespflege, eine Arzt- und eine Physiotherapiepraxis: „Das wäre ein Riesengewinn für den Ort.“ Die baurechtlichen Fragen sollen über einen qualifizierten Bebauungsplan geklärt werden; das bedeutet für Pfetzer keinen Zeitverlust, vielmehr den Vorteil, dass „die Dinge dann klar festgeschrieben sind“.

Nach einer Nutzung für den Sonnenplatz wird seit vielen Jahren gesucht. Foto: Lienhard

Synergieeffekte mit Gemeindezentrum

Pfetzer sieht in einem möglichen Pflegeheim eine hervorragende Nutzung des Sonnenplatzes. Seit er vor 20 Jahren ins Amt gekommen sei, habe es ein halbes Dutzend vergeblicher Anläufe gegeben, den als „Filetstück“ bezeichneten Platz zu nutzen. „Wohnbebauung wäre die einfachste Lösung, doch wäre das Verwaltung und Gemeinderat zu kurz gesprungen“, sagte Pfetzer. „Wir wollten immer eine soziale Nutzung.“ Mit dem Klinikum sei die Gemeinde in regelmäßigem Austausch, schließlich sei die seit 1873 als Pflegeeinrichtung dienende Hub ein integraler Bestandteil des Dorfs. So sei auch der sich aus der Landesheimbauverordnung ergebende Druck bekannt. Deshalb sei man schon seit mehr als zwei Jahren im Gespräch; nicht zuletzt weil die Hub auch ein großer Arbeitgeber sei, eine sehr gute Partnerschaft bestehe und auch die Heimplätze am Ort bleiben sollten, habe man sich an der Suche nach einem Standort beteiligt. Nachdem sich private Lösungen zerschlagen hätten, sei der Sonnenplatz ins Spiel gekommen – und der sei geradezu ideal, sagte Pfetzer auch mit Blick auf das nahe Gemeindezentrum St. Johannes: „Das kann tolle Synergieeffekte geben.“

Zeit bis 2025

Die geltenden Vorschriften lassen dem Klinikum Zeit bis 2025, berichtete Jürgen Jung. „Dann muss der Neubau stehen.“ Geplant ist ein Heim mit 75 bis 90 Betten, die Kosten beziffert Jung wie in Bühl auf etwa 13 Millionen Euro. Auf dem weiteren Weg will Jürgen Pfetzer als ersten Schritt einen Austausch mit den Angrenzern, dazu brauche es aber erste Planungsdetails. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, machte er deutlich.

Die Landesheimbauverordnung erfordert immer weitere Maßnahmen in der Hub, wie Klinikum-Geschäftsführer Jürgen Jung und Heimleiterin Lilian Heck berichteten. Dabei sei schon einiges gemacht worden. Gemeinsam mit der Stiftung Hub und der Scherer-Stiftung seien das Weinbrennergebäude und das Haus am Park, beide denkmalgeschützt, für mehr als zehn Millionen Euro umgebaut worden. Dort stehen jetzt überwiegend Einzelzimmer zur Verfügung, die alle mindestens den neuen Vorschriften entsprechen, zumeist aber größer sind als der geforderte Standard; einige Doppelzimmer im zweiten Obergeschoss des Weinbrennergebäudes konnten aufgrund ihrer Größe erhalten werden und stehen bis 2034 zur Verfügung. Zusammen waren die beiden Gebäude 2006 noch mit 230 Bewohnern belegt; heute stehen rund 75 Plätze für Pflegegäste und zehn Palliativzimmer zur Verfügung. Die kleineren Gebäude (Haus Fichtenmaier, Beamtenhaus und Ochsenhof) können nach erfolgreichen Sanierungen als Wohngemeinschaften weitergeführt werden. Das Haus Augusta Sybilla mit ehemals 70 Bewohnern wurde an die Gemeinde vermietet; Anfang Mai sind hier die ersten zehn Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung eingezogen. „Vieles ist auf den Weg gebracht, aber noch nicht genug“, sagte Jung. Das Haus Hornisgrinde und speziell das Haus Muhrbach brächten große Aufgaben mit sich. Dazu komme der zu sanierende Altbaubereich des Erich-Burger-Heims in Bühl. Insgesamt seien bauliche Alternativen für gut 200 Pflegegäste und Menschen mit Behinderungen noch zu schaffen. Mit der Heimaufsicht sei man in guten Gespräche, die einen Weiterbetrieb des Hauses Muhrbach und des Hauses Hornisgrinde sichern, bis die geplanten Neubauten erstellt sind.