Die Burg Windeck oberhalb von Bühl hat einen neuen Besitzer. | Foto: Ulrich Coenen

Ruine oberhalb von Bühl

Erwin Junker kauft Burg Windeck

Anzeige

Die Windeck hat einen neuen Burgherrn. Der Unternehmer Erwin Junker hat die spätromanische Ruine, die sich auf einem Bergsporn 378 Meter hoch über Bühl erhebt, von der Familie Siedle gekauft. Dies bestätigte Wolfgang Peiffer, Geschäftsführer von Böhm Immobilien in Baden-Baden, auf Anfrage dieser Zeitung. Der notarielle Termin fand am Dienstag statt. „Das Gebäude war nicht lange auf dem Markt“, berichtete der Makler. „Wir haben es sehr diskret angeboten, wie das bei solchen Objekten sinnvoll ist.“ Vor einigen Jahren hat die kurstädtische Immobilienfirma bereits für Schloss Neuweier einen Käufer gefunden.

Oberbürgermeister Hubert Schnurr wurde von Junker bereits zu Beginn des Monats über seine Kaufabsichten informiert. „Er hat mit offenen Karten gespielt“, sagte der Rathauschef. „Für die Stadt ist wichtig, dass der öffentliche Zugang zum Bergfried gewährleistet bleibt. Außerdem legen wir natürlich großen Wert darauf, dass das Restaurant und das Hotel im Bereich der Vorburg bestehen bleiben. Schließlich ist die Burg ein Stück weit unser Wahrzeichen. Das weiß Herr Junker. Ich sehe die neue Entwicklung deshalb positiv.“

Erfolgreicher Unternehmer

Der 87-jährige Junker wohnt im Bühler Stadtteil Kappelwindeck wenige hundert Meter unterhalb des Baudenkmals. Junker ist Inhaber der Junker Maschinenfabrik in Nordrach (Ortenaukreis). Er gründete die Firma im Jahr 1962. Inzwischen beschäftigt sein Unternehmen an 14 Standorten weltweit rund 1500 Mitarbeiter und hat als „Junker Group“ einen Jahresumsatz von rund 240 Millionen Euro.

Buchautor Junker

Junker stellt 160 verschiedene Maschinen her, vor allem für die Automobil- und Zuliefererbranche. „Mit mehr als 80 Patenten, darunter viele bahnbrechende Erfindungen, beweist der Komplettanbieter eine nahezu konkurrenzlose Innovationskraft“, heißt es in einer Imagebroschüre des Unternehmens. Im Jahr 2010 hat Junker seine Autobiografie in Buchform vorgestellt. „Der Fabrikant“ lautet der Titel.

Familienbesitz

Burg Windeck befand sich jahrzehntelang im Besitz der Familie Fischer, die im frühen 20. Jahrhundert in Bühl Uhu gegründet hat. 1994 übernahm der Türsprechanlagenhersteller Horst Siedle das Kulturdenkmal.

Wie berichtet, gibt es aktuell einen Rechtsstreit zwischen der Stadt und dem bisherigen Burgeigentümer. 1990 hat die Stadt mit der Familie Fischer einen Pacht- und Gestattungsvertrag für die Burg abgeschlossen, der 1993 durch Siedle bestätigt wurde. Vor 28 Jahren teilten sich Stadt und Eigentümer die Kosten, um den jahrzehntelang geschlossenen Bergfried wieder als Aussichtsturm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Oberburg, für deren Verkehrssicherheit die Kommune seitdem zuständig ist, wurde in einem kleinen Plan mit einem breiten Filzstift markiert. Weil nicht zuletzt dies für Unklarheiten im Vertragswerk sorgt, landete der Fall jetzt vor der Zivilkammer des Landgerichts Baden-Baden.

Streit vor Gericht

Der Auslöser des Rechtstreits zwischen dem Eigentümer und der Stadt, der inzwischen nicht nur vor dem Zivilgericht, sondern auch vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe ausgetragen wird, liegt bereits vier Jahre zurück. Im Frühjahr 2014 berichtet, entfernte der städtische Bauhof nach einem entsprechenden Hinweis des ehrenamtlichen Burgführers Hermann Deschner an der mitteltalterlichen Ringmauer auf einer Länge von mehreren Dutzend Metern kräftigen Efeubewuchs. Dabei wurden große Schäden sichtbar. Juristisch soll nun geklärt werden, wer für die Sanierung aufkommen muss.

„Es gibt Anzeichen, dass dieser Rechtsstreit mit dem neuen Eigentümer nicht fortgesetzt wird“, erklärte OB Schnurr auf Anfrage dieser Zeitung. „Ich denke, wir werden eine Lösung finden.“

Neuer Burgherr äußert sich nur schriftlich

Der neue Burherr Erwin Junker äußerte sich auf Anfage dieser Zeitung nur schriftlich. Er sei nicht nur Fabrikant, sondern im Ortenaukreis seit vielen Jahren als voll erwerbstätiger Landwirt tätig und verfüge dort über rund 50 Hektar Wald und rund 30 Hektar landwirtschaftliche Flächen, heißt es in der Pressemitteilung. Zudem ist Junker nach eigener Aussage Eigentümer eines Hotels mit 220 Betten und verfügt auch über einen Gastronomiebetrieb. Mit dem Kauf der Burg Windeck betrete er deshalb kein Neuland.

„In guten Händen“

„Die Burg wurde Herrn Erwin Junker vor etwa vier Wochen zum Kauf angeboten“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Damit die Burg in guten Händen bleibt, hat er sich zum Kauf entschlossen. Selbstverständlich bleibt auf der Burg Windeck auch nach dem Eigentumswechsel alles so wie es jetzt ist. Lediglich der für die Öffentlichkeit zugängliche und begehbare Turm bereitet Herrn Junker etwas Sorge: Als Anwohner der Burganlage muss er häufiger mit ansehen, wie Touristen auf dem Turm herumklettern. Da Herrn Junker die Sicherheit sehr wichtig ist, wird er in Kürze den TÜV mit der Prüfung der Sicherheit des Turms beauftragen. Bis die Prüfung und Freigabe durch den TÜV stattgefunden hat, sollen Touristengruppen sicherheitshalber nur gemeinsam mit dem Burgführer den Turm betreten können. Sobald der TÜV grünes Licht gegeben hat, steht der Turm wieder uneingeschränkt zur Verfügung.“