Das Gründerzentrum Bits im Bühler Froschbächel bleibt eine gefragte Adresse. Um diese Position zu behaupten, wird über eine Satzungsänderung nachgedacht. | Foto: Bernhard Margull

Bühler Gründerzentrum

Es müssen nicht nur „Anfänger“ sein

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Auch wenn die Belegung des Gründerzentrums Bühler Innovations- und TechnologieStartUps GmbH (Bits) weiter gut ist, so denkt der ehrenamtliche Geschäftsführer Jürgen Braun doch über eine Satzungsänderung nach. Aktuell stehen zwei Räume leer; das ist aber nicht mehr als eine Momentaufnahme: „Ab November sind wir wieder voll ausgebucht“, sagte Braun im Gemeinderat bei der Vorstellung des Wirtschaftsplans für das kommende Jahr. Das sei keine Selbstverständlichkeit, wie der Geschäftsführer deutlich machte. Die Nachfrage sei mit einer oder zwei Anfragen pro Monat – von denen in der Regel eine interessant sei – auf gleichbleibend niedrigem Niveau. Wohl vor dem Hintergrund großer Firmen in der Region scheine das Interesse, sich selbstständig zu machen, in Baden nicht allzu ausgeprägt zu sein.

Satzungsänderung angeregt

Um die Auslastung im Bits auch künftig hoch zu halten, brachte Braun eine Satzungsänderung ins Spiel. Deren Zweck wäre es, im Bits auch bereits gegründete, aber noch junge, maximal fünf Jahre alte Unternehmen aufnehmen zu können, die von außerhalb der Stadt kommen. Es habe dieses Jahr bereits einige Anfragen solcher Firmen gegeben, informierte Braun. Einen Vorteil – außer der Möglichkeit, das Bits weiter gut belegen zu können – sah der Geschäftsführer in einem reduzierten Risiko: „Bereits gegründete Firmen sind besser einzuschätzen als Neugründungen.“

„Alles besser als Leerstand“

Die Sprecher der Gemeinderatsfraktionen konnten sich eine Satzungsänderung gut vorstellen. „Bedenkenswert“ nannte sie etwa Karl Ehinger (FW), der auf einen gewissen Optimismus im Wirtschaftsplan verwies: Einige Firmen müssten im kommenden Jahr satzungsgemäß wohl ausziehen, im Wirtschaftsplan werde aber weiter mit einer hohen Auslastung gerechnet. Pit Hirn (SPD) zeigte sich für eine Satzungsänderung ebenfalls offen: „Alles ist besser als ein Leerstand.“ Auch wenn bei rückläufigen Gründerzahlen das Bits noch voll belegt sei, könne über eine Satzungsänderung nachgedacht werden, meinte Margret Burget-Behm (CDU): „Wir können Firmen in der Gründungsphase Räume bieten.“ Lutz Jäckel (FDP) sah in der Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsregionen oder der Vergabe eines Bühler Gründerpreises gute Möglichkeiten, Gründer zu gewinnen. Auch die von Jürgen Braun vorgeschlagene Satzungsänderung  begrüßte er: „Das würden wir mittragen. Junge Unternehmen brauchen Zeit, und fünf Jahre sind für Unternehmen kein Alter.“ Und auch Peter Teichmann (GAL) hielt die mögliche Satzungsänderung für gut; dazu sollte auch die Präsenz in den Sozialen Medien ausgebaut werden.

Zustimmung zu Wirtschaftsplan

Dem Wirtschaftsplan hat der Gemeinderat einstimmig zugestimmt; für Jürgen Braun gab es viel Lob: „Es ist aller Ehren wert, dass der Geschäftsführer ehrenamtlich arbeitet. Das spart der Stadt Kosten“, sagte beispielsweise Karl Ehinger, und Pit Hirn ergänzte: „Wir sind froh, dass wir Jürgen Braun als Geschäftsführer gewinnen konnten.“ Der Wirtschaftsplan sieht im Erfolgsplan einen Jahresfehlbetrag von 89 200 Euro vor, den die Stadt übernimmt; im Vermögensplan sind Einnahmen und Ausgaben auf 90 000 Euro festgesetzt.
Bei den durch Risse an der Südostseite des Gebäudes notwendig gewordenen Sanierungsarbeiten könnte das Bits deutlich besser wegkommen als zunächst befürchtet: Die Kostenschätzung wurde mittlerweile von 45 000 Euro auf 15 000 Euro reduziert. Klarheit bringen aber erst die Ergebnisse der Ausschreibung.

Großes Interesse an Hütte

Auf großes Interesse stößt derweil die Heidelberger Hütte. Das Bits hatte die in den 1930er Jahren unterhalb vom Sand gebaute Hütte für 10 000 Euro gekauft und will sie zur Event-Location umwandeln und für Teambuilding-Maßnahmen und Kundenveranstaltungen von Unternehmen zur Verfügung stellen. Nach einem studentischen Wettbewerb am Fachgebiet Baukonstruktion des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) werden die Entwürfe der Preisträger einer Machbarkeitsstudie unterzogen.

Kosten noch unklar

„Aktuell läuft die Bestandsaufnahme des Gebäudes“, sagte Jürgen Braun. Hinzu komme die Evaluierung der Infrastruktur. Wie hoch die Kosten für die Umgestaltung ausfallen werden, müssen genaue Untersuchungen ergeben; im Wirtschaftsplan für 2019 sind 60 000 Euro eingestellt; für 2020 liegt dieser Betrag bei 250 000 Euro. Liegen konkrete Zahlen vor, könne auch über die Höhe der Miete gesprochen werden, sagte Braun; in vergleichbaren Objekten seien Tagessätze von 750 bis 1 000 Euro üblich.

Kein Denkmalschutz

Karl Ehinger (FW) berichtete von Diskussionen in seiner Fraktion und wollte wissen, ob die Hütte unter Denkmalschutz stehe und ob, falls dem nicht so sei, Abbruch und Neubau nicht günstiger kämen. Denkmalschutz genießt die Hütte nicht, ein Abbruch fand gleichwohl keine Befürworter, weil der „Charme der Hütte“ ein wesentlicher Aspekt des Projekts sei, wie OB Hubert Schnurr sagte; da die Hütte im Außenbereich liege, sei ein Neubau kein Thema, ergänzte Corina Bergmaier, die Leiterin der Baurechtsabteilung.

„Einmalige Chance“

Auch für Pit Hirn (SPD) lebt die Hütte und damit das Projekt vom Bestand, „aber natürlich kostet das Geld“. Von einer guten Idee, die positive Auswirkungen haben könne, sprach Margret Burget-Behm (CDU). Auf die Frage nach möglichen Mietern berichtete Braun von Signalen, wonach es Absichtserklärungen großer Firmen gebe, feste Kontingente abzunehmen. „Andere Wirtschaftsförderer wären glücklich, die Heidelberger Hütte zu haben“, urteilte Lutz Jäckel (FDP). „Das ist eine einmalige Chance, an der wir unbedingt festhalten sollten.“ Peter Teichmann (GAL) betonte ebenfalls die sich bietenden Chancen: „Das kann sich amortisieren“, sagte er auch mit Blick auf Mieteinnahmen.