Bei einem Brand im Sommer 2013 wurde die Fachklinik Berghof, die damals bereits seit einhalb Jahrzehnten leer stand, schwer beschädigt. Die Polizei sprach von Brandstiftung. | Foto: Bernhard Margull

Schwarzwaldhochstraße

Ist die Berghof-Ruine ein Risiko?

Hundseck ist der GAU an der Schwarzwaldhochstraße, der seit Jahren mit Recht im Fokus des öffentlichen Interesses steht. Wenige Kilometer nördlich gibt es aber ein ähnliches Problem, das erstaunlicherweise fast niemanden interessiert. In den frühen Morgenstunde des 26. Juni 2013 brannte die Fachklinik Berghof unmittelbar unterhalb des Kurhauses Sand völlig aus. Die Polizei entdeckte das Feuer gegen 3.30 Uhr. Das Haus stand zu diesem Zeitpunkt bereits seit 1997 leer und verkam, wie so viele frühere Prestigeobjekte im Nordschwarzwald, zum Spekulationsobjekt. Pläne für eine Hotelnutzung ließen sich in der ehemaligen Langzeiteinrichtung für drogenabhängige Frauen nicht realisieren.

Brandstiftung vermutet

Die Polizei ging damals von Brandstiftung aus. Das Feuer war an zwei Stellen des Gebäudes gleichzeitig ausgebrochen, ein technischer Defekt wurde von Staatsanwaltschaft und Polizei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Wie die BNN damals berichteten, war das Gebäude versichert.

Hotel wurde ausgebombt

Die Fachklinik Berghof, an deren Stelle sich zuvor das 1898 erbaute und bei einem Bombenangriff im März 1945 zerstörte „Luftkurhotel Bärenstein“ befand, wurde in den Jahren 1953 und 1954 von der Landesversicherungsanstalt als Kurheim mit dem Namen „Straßburger Hof“ neu errichtet. 1976 folgte die Umwandlung in eine Fachklinik.

Bulgarischer Investor

Im Grundbuchauszug, den das Grundbuchzentralarchiv in Kornwestheim den BNN auf Anfrage zuschickte, erscheint eine Auflassung vom 23. August 2012. Damals wurde die Baden-Badener Höhe-Hotel GmbH mit Sitz in Bühl ins Grundbuch eingetragen. Sie übernahm das Anwesen von der DBE Liegenschaften GmbH & Co IDB Projekt KG (München), die das Haus 2006 von der Dechow-Stiftung in Mosbach erworben hatte. Hinter dem aktuellen Eigentümer verbirgt sich nach Auskunft der Stadt ein bulgarischer Investor.

Bau aus Stahlbeton

„Mit diesem haben wir hin und wieder dezente Kontakte“, erklärte Corina Bergmaier, Leiterin der Baurechtsbehörde im Bühler Rathaus. Von einer Sanierung des ruinösen Gebäudes sei aber niemals die Rede gewesen. Die Architektin beurteilt den Fall Berghof anders als Hundseck. „Die ehemalige Fachklinik ist ein Stahlbetonbau“, sagte sie. „Es besteht keine Einsturzgefahr.“ Im Gegensatz zu Hundseck grenze die Ruine außerdem nicht an öffentliche Verkehrsflächen. „Mann kommt also nicht so einfach in das Gebäude rein“, meinte Bergmeier, macht sich aber keine Illusionen: „Wer rein will, schafft das natürlich. Schön ist der aktuelle Zustand jedenfalls nicht.“

Willig fordert Abriss

Hansjörg Willig, der Vorsitzende des Vereins Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße, sieht die Situation rund um den Berghof ausgesprochen kritisch. Die Absperrung der Ruine ist aus seiner Sicht nicht ausreichend. „Natürlich können da Unbefugte rein“, erklärte er. „Da muss etwas passieren.“

Engagement für Bühlerhöhe

Glücklicherweise liege die ehemalige Klinik nicht im „direkten Sichtfeld“ der Passanten und Wanderer. „Trotzdem drängt sich der Vergleich mit Hundseck auf“, meinte Willig. „Aus meiner Sicht ist der Abriss der Ruine die einzige Lösung. Man sollte das Gelände der Natur beziehungsweise dem Wald zurückgeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für die ausgebrannte Ruine eine sinnvolle Nutzung gibt. Außerdem gibt es an zentraleren Stellen der Schwarzwaldhochstraße wichtigere Projekte.“ Hansjörg Willig nannte Bühlerhöhe, Sand und Plättig.

Museale Nutzung am Sand

Der Vorsitzende wies darauf hin, dass die alte Post beim Sand zum Verkauf steht. „Dort könnte ich mir eine Geroldsauer Mühle im Kleinformat vorstellen“, meinte er. „Eine museale Nutzung und ein Infopunkt für den Naturpark könnten integriert werden. Schön wäre, wenn die Stadt mit Hilfe des Leader-Programms und eines privaten Investors dort tätig werden könnte.“