Pilotprojekt im Visier: (von links): Michael Hug (ILN), Martin Damm, OB Hubert Schnurr, Revierleiter Martin Damm (mit Hund Rufus), Manfred Ruf und Thomas Westermann (Trainee Forstingenieur). | Foto: Antje Rupprecht

Bühl sammelt Ökopunkte

Blick auf freistehende Felsen

Im August kam die Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde – im Oktober soll bereits mit der Arbeit begonnen werden: Die Stadt Bühl wird im Bereich des Falkenfelsens Aufwertungsmaßnahmen umsetzen – und damit ein naturschutzrechtliches Ökokonto aufbauen. „Jetzt sind wir Ökopunktemillionäre“ freuten sich gestern Revierleiter Martin Damm und Oberbürgermeister Hubert Schnurr, die gemeinsam mit Michael Hug vom Bühler Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) sowie Revierleiter Manfred Ruf (Leiter der Forstbetriebe) das Pilotprojekt vorstellten. Eine Fläche von 77 934 Quadratmetern wird nach naturschutzfachlichen Kriterien aufgewertet, für Bühl bringt das genau 1 039 430 Ökopunkte, die zu einem späteren Zeitpunkt als Kompensation für einen Eingriff in die Natur dienen kann – beispielsweise für die Ausweisung eines Gewerbegebiets.
„Ökopunkte kann man nur durch die gute Tat generieren“, machte Martin Damm deutlich. Zuerst ging es um die Ermittlung des Status quo – im Januar 2015 wurde deshalb das ILN mit der Untersuchung der Fläche beauftragt (siehe auch Hintergrund). Nach einem festgelegten Katalog, der Verbesserungen genau bewertet, werden dann die Ökopunkte ermittelt, fügt Michael Hug hinzu und nennt als Beispiel, dass der naturferne Nadelholzforst entfernt und durch naturnahe Traubeneichen oder Buchen ersetzt wird. Im Bereich der Falkenfelsen soll also ein Großteil des Gebiets mit Nadelbaum-Beständen auf Block- und Felshängen in einen Hainsimsen-Traubeneichenwald umgewandelt werden, der die geeignetste Waldgesellschaft für die bergige, versauerte Lage ist. Nach Entnahme der Nadelbaumarten sollen alle Pionierbaumarten (Birke, Eberesche, Kiefer) und weitere Laubbegleitarten möglichst aus natürlicher Verjüngung entstehen; Traubeneiche soll auf unbestockten Flächen über weitständige Pflanzung ergänzt werden. Soweit Laubbäume vorhanden sind, werden diese als Samenbäume und Biotopbäume sowie zum Schutz des Bodens erhalten. Auf Teilflächen mit „natürlicher offener Felsbildung“ werden Douglasien und Fichten gefällt, um die Besonnung zu erhöhen. Zudem wird angestrebt, im Bereich der mäßig trockenen Block-und Felshänge einen Biotopschutzwald zu begründen. Die Freistellung der Felsen, wie auch der Waldumbau sollen zudem positive Wirkungen auf die gefährdeten Reptilien- und Vogelarten haben. „Wir erhoffen uns, dass sich beispielsweise der Uhu, Wanderfalke und Kolkrabe hier dauerhaft wieder ansiedeln und der Lebensraum von beispielsweise Mauereidechsen sowie Schlingnattern erweitert wird“, so Hug, der zudem erläuterte, dass der Maßnahmenkatalog nicht nur positive Auswirkungen auf Flora und Fauna haben werde, sondern – mit Blick auf Kletterer – mit Sicherheit auch touristische Effekte. „Da muss möglicherweise nachgesteuert werden, damit beide Seiten zu ihrem Recht kommen“.
Die Stadt Bühl ist mit diesem Projekt im Landkreis im Augenblick Spitzenreiter, es gibt nur noch eine Maßnahme in Elchesheim-Illingen mit 198 071 Ökopunkten. Doch es geht eben nicht nur um Ökopunkte, sondern auch darum, „unsere Naturlandschaft in einen Zustand zu bringen, wie wir ihn früher erleben durften“, sagte Manfred Ruf – und Hubert Schnurr bekräftigte, „wir haben hier das Ziel eines Landschaftsbildes mit frei stehenden Felsen“.
Dass das Pilotprojekt ein riesiger Kraftakt wird, wurde gestern deutlich. Nicht nur der rein technische Ablauf – unter anderem mit Seilkraftanlage am Hang – sondern auch der Zeitablauf weist darauf hin. Auf den Flächen finden die Fällungen jeweils in zwei bis drei Durchgängen statt, nach etwa fünf bis sieben Jahre folgt jeweils ein weiterer Durchgang. Flankierend zu den Nadelholzfällungen gibt es kontinuierlich Pflegemaßnahmen zur Vermeidung natürlicher Douglasien- und Fichtensukzession. Zudem werden Traubeneichen ergänzt. Als Gesamtzeitraum sind etwa 21 Jahre vorgesehen.