Das Graue Langohr ist eine Fledermaus. Die Tiere haben dem Investor und seinem Konzept für ein Demenzzentrum im Kloster Neusatzeck bei Bühl einen Strich durch die Rechnung gemacht. | Foto: pr

Demenzzentrum in Bühl geplant

Fledermäuse stoppen den Klosterabriss

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Artengeschützte Fledermäuse verhindern den Abriss des Mutterhauses des Klosters Neusatzeck bei Bühl. Dort soll ein Demenzzentrum entstehen. Bei der Voruntersuchung, die für dieses Projekt im Außenbereich und an der Grenze zu einem Landschaftsschutzgebiet vorgeschrieben ist, wurde die „Wochenstube“ des Grauen Langohrs im Dachstuhl des Hauses entdeckt. Jetzt wird neu geplant.

Es ist eine mehr als überraschende Wende. Das Mutterhaus des Klosters Neusatzeck sollte (so hat es der Gemeinderat im März genehmigt) eigentlich abgerissen werden. Doch bei der ersten Stufe der zweistufigen Voruntersuchungen, die für dieses Projekt im Außenbereich und an der Grenze zu einem Landschaftsschutzgebiet vorgeschrieben sind, wurde die „Wochenstube“ des Grauen Langohr im Dachstuhl des Hauses entdeckt. Das ist eine artengeschützte Fledermaus.

Investor muss neu planen

„Der Investor wird nun umplanen“, erklärte Oberbürgermeister Hubert Schnurr auf Anfrage dieser Zeitung. „Das Mutterhaus wird nicht abgebrochen, sondern saniert, stattdessen wird das benachbarte Ökonomiegebäude, das eigentlich erhalten bleiben sollte, abgerissen.“ Nach wie vor ist aber ein Seniorenzentrum für Demenzerkrankte geplant.

Fast unendliche Hängepartie

Durch die neueste Entwicklung findet eine fast schon unendliche Hängepartie ihre Fortsetzung. Das fünfgeschossige Mutterhaus Neusatzeck wurde seit 2010 jahrelang vergeblich zum Kauf angeboten (wir berichteten). Der schrumpfende Orden der Dominikanerinnen konzentriert sich inzwischen auf das denkmalgeschützte Kloster auf der anderen Straßenseite. Das leer stehende Mutterhaus ist in drei Bauabschnitten zwischen 1928 und 1981 entstanden. Mit seinen 89 Zimmern bietet es eine Wohnfläche von 6370 Quadratmetern.

Nach neuesten Plänen wird das Mutterhaus Neusatzeck (rechts) nicht abgerissen, sondern saniert. Stattdessen muss das Ökonomiegebäude (links) dem Bagger weichen. | Foto: Bernhard Margull

Sanierung eigentlich unwirtschaftlich

Nach ersten Erkenntnissen des Investors war eine Sanierung des gewaltigen Baukörpers im Seitental des Schwarzwalds nicht wirtschaftlich. Laut Verwaltungsvorlage zur Gemeinderatssitzung im März können im Bestandsgebäude „die rechtlichen Vorgaben zu Brandschutz, Flurbreiten etc. nicht mehr erfüllt werden“. Die Sanierung des Gebäudes, das auf einer Internet-Plattform für 2,5 Millionen Euro zum Kauf angeboten wurde, wäre laut Stadtverwaltung wirtschaftlich nicht tragbar.

Jetzt wird das Ökonomiegebäude abgerissen

Das ist nun alles Makulatur, ebenso die im März vom Gemeinderat unter anderen Voraussetzungen in die Wege geleitete Bebauungsplanänderung für das 1,36 Hektar große Gelände. „Der Investor hält an seinen Plänen fest, plant aber völlig um“, berichtete Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtplanung, Hochbau und Klimaschutz im Rathaus. „Es wird weniger neu gebaut und mehr saniert.“ Um das umfangreiche Raumprogramm für das Seniorenzentrum zu realisieren, muss aber das Ökonomiegebäude fallen. Dort waren eigentlich ein Hofladen, ein Arzt- und Physiotherapie-Praxis sowie ein Friseurgeschäft geplant.

Das Graue Langohr ist eine geschützte Fledermaus. | Foto: Fredrik von Erichsen

„Wochenstube“ nur 20 Mal in Deutschland

Die Fledermäuse wurden bei der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen artenschutzrechtlichen Untersuchung entdeckt. Zwar gibt es sie auch im Ökonomiegebäude, die seltene „Wochenstube“, in der die Tiere nisten, fand sich aber nur im Dachstuhl des Mutterhauses. „So etwas gibt nur 20 Mal in Deutschland“, erklärte Thévenot. „Das ist schon eine Besonderheit.“

Bisher keine offizielle Bauvoranfrage

Eine offizielle Bauvoranfrage für das komplett überarbeitete Projekt liegt im Rathaus noch nicht vor. Thévenot ist aber sicher, dass der Investor und sein „innovativer Architekt“ in der Lage sind, das gewünschte Raumprogramm im Bestandsgebäude trotz der bekannten Probleme mit dem Brandschutz und den Flurbreiten umzusetzen.

Gemeinderat entscheidet bald

Das Thema soll im November erneut zunächst nichtöffentlich den Technischen Ausschuss beschäftigen und anschließend im Dezember, spätestens im Januar den Gemeinderat. Dort hat sich die Begeisterung bereits bei der ersten Vorstellung im März in Grenzen gehalten, was an sieben Enthaltungen deutlich wurde. Die Apartments des Pflegeheims sollen an Privatleute verkauft werden. Ein Träger für das Heim wurde damals noch gesucht.

Begeisterung hielt sich in Grenzen

Margret Burget-Behm (CDU) sprach mit ihren skeptischen Äußerungen fraktionsübergreifend für viele Kollegen. Sie hatte Zweifel im Hinblick auf die vom Investor versprochene Rendite in Höhe von 4,25 Prozent, die sie für unrealistisch hielt. Außerdem gebe es im Pflegebedarfsplan des Landkreises mittelfristig keinen Bedarf für weitere Pflegeplätze. „Die Kunden für die Apartments werden nicht sprudeln“, befürchtete sie.