Ein Zwetschgenfest der Superlative hatte in den Nächten auch mit Problemen zu kämpfen. Bei herrlichem Spätsommerwetter reichte der Blick übers Festgelände bis zum Straßburger Münster. | Foto: Evi Seeger

Zwetschgenfest Bühl

Fliegende Fäuste trüben die tolle Stimmung

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Das Zwetschgenfest der Superlative wurde ein Stück weit Opfer seines Erfolgs. Beim Resümee verwies Oberbürgermeister Hubert Schnurr auf die rekordverdächtige Besucherzahl. „Das beste Fest der vergangenen zehn Jahre“, meinte er. Dabei spielte das traumhafte Wetter über alle fünf Festtage eine entscheidende Rolle. Doch nicht alle wollten friedlich feiern. Der Polizeibericht zum Zwetschgenfest war selten so lang wie in diesem Jahr (wir berichteten). Gleich mehrfach flogen in der Nacht zum Sonntag die Fäuste. In einem Fall rotteten sich in der Nachbarschaft des „Kaufland“ mehrere Dutzend Jugendliche zusammen. Dabei wurde der Container eines Schaustellers beschädigt. Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbuchs.

„Schlimmeres gewohnt“

Andreas Bohnert, der Leiter des städtischen Ordnungsamtes, relativierte auf einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen diese Vorfälle. „Unsere Schausteller sind aus anderen Städten Schlimmeres gewohnt“, meinte er. „Sie loben das friedliche Bühler Publikum.“ Bohnert räumte ein, dass es vor allem am Rande des Vergnügungsparks und nach dessen Schließung um 1 Uhr in der Nacht Probleme gab. „Es waren aber keine gefährlichen Vorfälle mit Körperverletzung“, stellte er. „Die Polizei hat in Zusammenarbeit mit dem von der Stadt engagierten Sicherheitsdienst entschlossen und besonnen reagiert. Die Zusammenarbeit hat hervorragend geklappt.“ Für die Kommune waren zwölf Sicherheitsmitarbeiter bis sieben Uhr am Morgen auf dem Zwetschgenfest-Gelände unterwegs.

Festzelt war dicht

Festwirt Jürgen Kohler hatte sein Sicherheitspersonal in diesem Jahr ebenfalls auf zwölf erhöht (wir berichteten). Wie groß der Besucheransturm war, verdeutlicht die Tatsache, dass er sein 1000 Besucher fassendes Zelt wegen Überfüllung gleich zweimal vorübergehend für neue Gäste schließen musste. Die Konsequenz: Nur wenn Besucher gingen, durften andere rein.

Schlangen am Karussell

Weil es so voll war, verlor offensichtlich der eine oder andere während der längeren Wartezeiten an den Fahrgeschäften die Geduld und die Nerven. An einem Karussell soll laut Polizeibericht am Samstag gegen 22 Uhr eine unbekannte etwa 25-jährige Frau eine 19-Jährige getreten und dabei leicht verletzt haben. „Leute, die eine Runde mehr warten mussten als üblich, haben sich offensichtlich am Breakdance gekloppt“, bedauerte Bohnert. An den nächtlichen Schlägereien außerhalb des Festgeländes waren nach seinen Erkenntnissen auch einschlägig bekannte Personen beteiligt. Fast immer war bei diesen Auseinandersetzungen Alkohol im Spiel.

Zu viel Alkohol

Dass einige Festbesucher deutlich mehr getrunken hatten, als gut für sie war, zeigt sich auch an der Bilanz des Roten Kreuzes, das für den Sanitätswachdienst verantwortlich war. Die 58 Helfer waren 700 Stunden im Einsatz. 98 mal mussten sie eingreifen. Gleich zehn Besucher benötigten einen Transport in eine Klinik. Vor allem am Sonntag hatten Gäste wegen der hohen Temperaturen Herz-.Kreislauf-Probleme. Daneben gab es neben den üblichen Wehwehchen wie Prellungen oder Schnittwunden auch Opfer von übermäßigem Alkoholgenuss zu betreuen. Bohnert berichtet von neun Fällen, ein Junge war erst 15 Jahre alt. Der hatte aber besonders tief ins Glas geschaut. Die Polizei berichtet von einem Blutalkoholwert von mehr als 1,5 Promille. Mit Verdacht auf eine Alkoholvergiftung wurde er in eine Klinik gebracht. „Einige Jugendliche waren uneinsichtig, dass sie aus dem Verkehr gezogen wurden“, erklärte Bohnert. „Deshalb mussten die Helfer die Polizei holen. Insgesamt gab es für ein Volksfest dieser Größenordnung aber relativ wenig Probleme mit Alkohol.“

Bilanz ist positiv

Im Rathaus ist man trotzdem rundum zufrieden mit dem 71. Zwetschgenfest. „Ich habe eine Mail von einem Gast erhalten, der noch nie ein so schönes Volksfest erlebt hat“, berichtete Hubert Schnurr auf der Pressekonferenz am Dienstagmorgen mit sichtlichem Stolz. „Trotz einiger Störungen herrschte insgesamt in der Stadt über die fünf Festtage eine tolle Stimmung.“

Breit aufgestellt

Bürgermeister Wolfgang Jokerst freute sich, dass sich das Zwetschgenfest mit jeder Auflage ein Stück weiterentwickelt. „Wir bedienen mit unserem Programm nicht nur ein Klientel, sondern sind breit aufgestellt“, meinte er. Damit spielte der Erste Beigeordnete auf die verschiedenen

Grandioses Wetter

Programmschwerpunkte an, die vom klassischen Rummel über den Festumzug und das Weindorf bis zum Kulturangebot im Stadtgarten reichen. „Wir schaffen es auch, das Zwetschgenfest in jedem Jahr mit gesellschaftlich wichtigen Themen zu verbinden“, betonte Jokerst. „Erfreulich war, wie das Eine-Welt-Motto im Umzug aufgegriffen wurde.“ Zu den Höhepunkten gehörte die Premiere der Bühler Kochshow. „Es wird nicht die letzte gewesen sein“, versprach Organisatorin Martina Rumpf. „Das grandiose Wetter hat uns natürlich in die Karten gespielt“, räumte Petra Ewert, Abteilungsleiterin Kultur, Schule und Sport im Rathaus, ein.

Pflaster verschmutzt

Das neue Pflaster des Markt- und Kirchplatzes hat mit dem Zwetschgenfest seine Feuertaufe bestanden. Allerdings sieht der helle Belag nicht mehr ganz so frisch aus wie noch vor einer Woche. „Natürlich wird der Platz mit der Zeit Patina bekommen“, erklärte Schnurr. „Er ist kein reines Vorzeigeobjekt, sondern soll auch mit Leben erfüllt werden.“ Vor einer übermäßigen Verschmutzung des Platzes hat der Bühler Oberbürgermeister aber keine Angst. „Wir haben bewusst ein speziell imprägniertes Pflaster mit Selbstreinigungseigenschaften ausgewählt“, sagte er. „Nach einigen Regenschauern wird die Sache wieder sehr viel besser aussehen.“