Rund 60 Feuerwehrleute aus drei Bühler Stadtteilen nahmen am Mittwochabend das neue Feuerwehrgerätehaus in Balzhofen in Besitz. | Foto: Ulrich Coenen

Bühler Feuerwehr zieht um

Floriansjünger packen mit lachendem und weinendem Auge

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Drei Bühler Feuerwehrabteilungen ziehen in das neue Feuerwehrgerätehaus West im Stadtteil Balzhofen um. Das ist modern und bietet für die ehrenamtlichen Floriansjünger optimale Arbeitsbedingen. Dennoch verlassen sie ihre bisherigen Feuerwehrhäuser, die ein Stück weit an Garagen erinnern, auch mit Wehmut. Die Zentralisierung in Balzhofen zwingt sie, das eigene Dorf zu verlassen und ein Stück Selbstständigkeit aufzugeben. Der BNN-Reporter war beim Umzug dabei. 

Extrem langsam lässt Andreas Ott das 38 Jahre alte LF8 aus der Einfahrt des Feuerwehrhauses rollen. Die ist sehr eng, und abgesprungener Putz an dem Seiten erinnert daran, dass es bei Einsätzen schneller gehen musste. Eigentlich ist das Feuerwehrhaus in Oberweier kein richtiges Feuerwehrhaus, sondern nur ein Garagenanbau an der Rückseite des Rathauses. Entsprechend spartanisch geht es im Inneren zu. Die elf Feuerwehrleute der Abteilung müssen sich neben dem Fahrzeug umziehen.

Eine zweischneidige Sache

Damit ist jetzt Schluss. Es ist Mittwochabend. Kommandant Ott und seine zehn Kameraden räumen aus. Heute ziehen sie ins neue Feuerwehrgerätehaus West in Balzhofen um. „Dort proben die drei Abteilungen Oberweier, Vimbuch und Balzhofen bereits seit Jahresbeginn gemeinsam“, berichtet Günter Dußmann, Kommandant der Bühler Gesamtwehr. Er schaut kurz vorbei, ob beim Ausräumen alles nach Plan läuft. In Balzhofen ist alles größer, schöner und moderner. Dort finden die drei Abteilungen optimale Bedingungen für ihre Arbeit. „Dennoch ist es eine zweischneidige Sache“, meint Ott. „Natürlich ist das ein tolles neues Haus und die gemeinsame Unterbringung der drei Abteilungen hat einsatztaktische Vorteile. Aber wir gehen mit einer Träne im Auge.“

Die Oberweierer Feuerwehr musste bislang in sehr beengten Verhältnissen arbeiten. | Foto: Ulrich Coenen

Befindlichkeiten in den Stadtteilen

Günter Dußmann weiß um die Befindlichkeiten der betroffenen Abteilungen. Die Feuerwehrhäuser in allen drei Stadtteilen sind in die Jahre gekommen und längst nicht mehr zeitgemäß. „Drei kleine Neubauten hätten einsatztaktisch keine Verbesserung gebracht“, sagt Dußmann. „In Zukunft können wir im Feuerwehrgerätehaus West in Balzhofen auf einen Pool mit rund 60 Kameraden zurückgreifen. Die Eigenständigkeit der drei Abteilungen mit jeweils einem eigenem Kommandanten bleibt aber dort erhalten. Nur die Einsatztaktik ändert sich.“ Seit Mittwochabend gibt es drei Alarmschleifen gemeinsam für alle drei Abteilungen, die sich nicht mehr an der Herkunft der Feuerwehrleute, sondern ausschließlich an deren beruflich bedingter Verfügbarkeit orientieren. Kleine Einsätze können nun ohne die Bühler Zentrale erledigt werden.

Die Feuerwehrleute in Vimbuch räumen ihre alten Spinde aus. | Foto: Ulrich Coenen

Es wird ausgeräumt

Im Feuerwehrhaus in Vimbuch wird an diesem Abend ebenfalls ausgeräumt. Hier ist alles ein wenig größer als in Oberweier, doch auch die 1954 erbauten Räumlichkeiten neben dem ehemaligen kommunalen Bauhof gleichen mehr einer Garage als einem professionellen Feuerwehrhaus. Die Umkleiden befinden sich direkt neben Tragkraftspritzenfahrzeug (TSFW). Es ist übrigens das einzige, das in das neue Feuerwehrgerätehaus West umziehen wird. Die in die Jahre gekommenen Autos aus Oberweier und Balzhofen werden ersetzt.

Mit Wehmut

Kommandant Jürgen Friedmann ist ebenfalls zwiegespalten. „Wir gehen mit Freude, aber auch mit Wehmut“, meint er und spricht damit für seine 22 Kameraden, die in den schlichten Bau in Vimbuch viel Arbeitszeit investiert und dort beispielsweise eine komplette Küche eingebaut haben. Dann ist da noch die Frage nach der Zukunft des ältesten Bühler Feuerwehrfahrzeugs, der originalen Spritze der Vimbucher Bürgerwehr von 1872, die hier abgestellt ist. Das Fahrzeug aus Holz wird von Feuerwehrmann Konrad Lienhart vorbildlich gepflegt. Der ist Schreiner und kennt sich mit dem Material des antiken Stücks bestens aus.

Bühls ältestes Feuerwehrfahrzeug stammt aus dem Jahr 1872 und steht im alten Feuerwehrgerätehaus in Vimbuch. | Foto: Ulrich Coenen

Gemeinsame Proben

Die einzigen, die keine Wehmut verspüren, sind die Balzhofener Feuerwehrleute. Mit 28 Kameraden stellen sie die größte Abteilung und müssen nur von einem Ende des Dorfes zum anderen umziehen. Dem Balzhofener Kommandanten Matthias Krampfert ist am Mittwochabend beim Einzug in den Neubau die Freude deutlich anzusehen. Er sieht für die Zukunft keine Probleme. „Die drei Abteilungen proben seit zehn Jahren regelmäßig gemeinsam“, berichtet er.

Im neuen Feuerwehrgerätehaus in Balzhofen gib es Spinde nach dem Schwarz-weiß-Modell. Im Raum mit den roten Spinden hängt die Einsatzkleidung, im Raum mit den blauen die Straßenkleidung. | Foto: Ulrich Coenen

Eine gewisse Anspannung

Kommandant Günter Dußmann ist bei aller Freude über den gelungenen Neubau, durch den er die Presse mit Stolz führt, eine gewisse Anspannung anzumerken. Er weiß, dass es vor allem den älteren Feuerwehrleuten nicht leicht fällt, ihr Heimatdorf zu verlassen und ehrenamtlich Dienst in Balzhofen zu tun. Beim Rundgang durch das neue Haus betont er immer wieder, dass die Selbstständigkeit der drei Abteilungen nicht in Frage gestellt wird. Diese erleben mit dem Umzug einen Quantensprung, denn das Feuerwehrgerätehaus West lässt praktisch keine Wünsche offen, ist in vielen Details sogar dem zentralen Feuerwehrgerätehaus in der Kernstadt überlegen. „Es ist für die Zukunft geplant“, sagt Dußmann. So gibt es beispielsweise Umkleiden und Sanitäranlagen für Frauen, obwohl die drei Abteilungen noch kein einziges weibliches Mitglied haben.

Für die Zukunft gerüstet

Stolz öffnet Dußmann die Tür zum zukünftigen Raum der Jugendwehr im Obergeschoss mit einem herrlichen Blick auf die Schwarzwaldberge. „Da wird man fast neidisch“, scherzt er. Der Bühler Feuerwehrchef wagt kaum zu hoffen, dass die drei Abteilungen in den westlichen Stadtteilen durch den optimalen Neubau nun einen riesigen Zulauf erleben. „Ich gehe aber davon aus, dass wir unsere Leute jetzt einfacher halten können“, meint er.

Geselliger Start

Der erste Schritt in die Zukunft ist getan. Seit Mittwochabend geht der Alarm für alle drei Abteilungen in Balzhofen ein. Den Start in die Zukunft erleben die Kameraden nach dem Einräumen aber in geselliger Runde. In der Fahrzeughalle werden Tische und Bänke aufgebaut. Körbe mit Brezeln stehen bereit. Ein guter Start, wenn man zusammenwachsen will.