Vorbereitung auf eine ganz besondere Reise: Thomas Fritz hilft dabei, zwei Häuser im Erdbebengebiet von Nepal zu bauen. | Foto: Mahler

Reise ins Erdbebengebiet

Forbacher Lehrer hilft beim Wiederaufbau in Nepal

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„Der Reiz des Unbekannten begeistert mich genauso wie der Gedanke, anderen Menschen etwas von meinem Glück abzugeben“, erklärt der Lehrer und Erlebnispädagoge Thomas Fritz (49). Der Hundsbacher liebe es, Visionen umzusetzen, zu werkeln und aktiv zu sein. Schon in seiner Kindheit habe er seinem Vater über die Schulter geschaut und eine Affinität zum Handwerk entwickelt. Sein Haus, seine Werkstatt und sein Ferienhaus hat der Pädagoge selbst gebaut. Solches Glück sei den Menschen in Nepal verwehrt. Im ärmsten Land Südasiens wütete 2015 das verheerendste Erdbeben seit 80 Jahren. Dort will er jetzt helfen. 

Fast 8.800 Menschen starben und 750.000 Häuser wurden bei dem Erdbeben zerstört. Deshalb sind dort nach Schätzungen der UN immer noch 2,8 Millionen Menschen obdachlos und leiden auch Jahre nach dem Unglück immer noch unter den Folgen. An dieser Stelle kommt „Habitat for Humanity“ (HfH) ins Spiel.

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) setzt sich in mehr als 70 Ländern für den Bau nachhaltiger Häuser ein. „Sie verfolgt dabei den Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe der Einheimischen mit Unterstützung durch Freiwillige. Mit 20 weiteren Deutschen helfe ich im April in der Region Kavre in Nepal acht Tage lang bei dem Bau von zwei erdbebensicheren Gebäuden. Wir haben eine Altersspanne von 20 bis 65 Jahren,“ betont der Hundsbacher.

„Andere Dimension“

Im Vorfeld habe sich das Team bereits in Frankfurt getroffen und kennengelernt. Es stammt aus ganz Deutschland – von München bis Hamburg sei alles dabei. Flug- und Übernachtungskosten für die Reise nach Asien übernehmen die Reisenden selbst. Nach der Landung in der Hauptstadt Kathmandu verläuft der restliche Weg auf vier Rädern. Mit Jeeps komme die Mannschaft auf einer etwa sechsstündigen Fahrt in das östlich von Kathmandu gelegene Kavre-Gebiet. „In Hundsbach klagen wir schon teils über enge Straßen. Dort wird das ganze nochmal eine andere Dimension haben“, betont Fritz.

„Habitat for Humanity“: kein Wellnessurlaub

Der traditionelle Baustil in Nepal ist maßgeblich durch den Einsatz von Ziegeln bestimmt. Für den erdbebensicheren Wiederaufbau setze HfH deshalb auf ergänzende Eisenarmierungen und Betonböden. Täglich sind zehn Stunden Arbeitszeit ab acht Uhr vorgesehen. Für die Unterbringung steht ein Hotel zur Verfügung, Wellnessurlaub könne aber nicht erwartet werden.

Achtsamkeit für Kultur

So sollten die Teilnehmer eine gewisse Unempfindlichkeit mitbringen und vor allem gesund sein. Nach der Bewerbung per E-Mail telefonierte Fritz eine ganze Stunde lang mit seinem Teamleiter von HfH. „Dieser schaute vor allen Dingen, wie teamfähig man ist – Egomanen werden so herausgefiltert. Außerdem muss man auch eine gewisse Achtsamkeit für die fremde Kultur und die Menschen mitbringen.“ Fritz freut sich vor allem auf die Berührungspunkte mit dem nepalesischen Weltbild.

Schulklassenprojekte geplant

Seine Reise generiere Erfahrungen, die unbezahlbar seien und die eigene Sicht erneuerten. Dennoch sieht sich der Pädagoge auch als Familienmensch. Deshalb wird seine Tochter ab dem 25. März zusammen mit ihm drei Wochen lang das Land des Himalaya bereisen. Im Anschluss plant Fritz einen jeweils einwöchigen Aufenthalt in Butan und einem nepalesischen Kloster, dann beginnt seine Arbeit. Dennoch soll das noch nicht alles gewesen sein. „Da mit HfH auch Schulklassenprojekte in Europa, etwa in Portugal oder Rumänien, organisiert werden, möchte ich gern ein solches Projekt mit einer Schule der Region antreten. Die Schüler müssen mindestens 16 sein, weshalb bevorzugt Berufsschulen oder Gymnasien denkbar wären.“

Für Sabbatjahr gespart

Der Hundsbacher war jahrelang Konrektor in der Grundschule Bühlertal und ist seit drei Jahren auch als Erlebnispädagoge im Nationalpark Schwarzwald tätig. Deshalb zähle nicht nur die eigene Erfahrung, sondern diese auch an andere Menschen weiterzugeben. Fritz befindet sich momentan in einem Sabbatjahr und verzichtete sieben Jahre lang auf einen Teil seines Gehaltes, um das achte Jahr komplett frei zu haben.

Insgesamt sieht er darin ein „wunderbares Geschenk“, um innezuhalten und das bisherige Leben zu reflektieren.

Spendenaktion zum 50. Geburtstag

Zusätzlich hat der Lehrer im Vorfeld seiner Reise noch eine Spendenaktion eingerichtet. „In wenigen Tagen werde ich 50 und sammle statt Geschenken etwas Geld für die Hilfe vor Ort im Krisengebiet.“ So trage die geplante Spende von 1.000 Euro unter anderem zur Beschaffung von Baumaterial bei.

Als Fritz bereits 1995 zum ersten Male mit HfH Kontakt aufnahm, wurde er erst einmal zurückgewiesen. Zum damaligen Zeitpunkt habe es schlichtweg noch keinen Standort in Deutschland gegeben. Denn ursprünglich stammt die Organisation aus den USA und wurde 1976 gegründet. So schließt sich für den Pädagogen nun ein großer Kreis.