Hans-Wilhelm Juchem (Bildmitte mit Plan) will Ortsvorsteher im Bühler Stadtteil Neusatz werden. Das Foto zeigt ihn bei einer Ortsbegehung am Kloster Neusatzeck. | Foto: Ulrich Coenen

CDU-Chef Juchem soll ran

Freie Wähler in Neusatz mit absoluter Mehrheit, aber ohne Kandidaten für Ortsvorsteher

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Hans-Wilhelm Juchem ist der einzige Kandidat für das Amt des Ortsvorstehers im Bühler Stadtteil Neusatz. Am Dienstag, 9. Juli, wird der Ortschaftsrat den Nachfolger von Wolfgang Bohnert (FW) wählen, der nicht mehr antritt. Pikant erscheint an dieser Sache, dass Juchem CDU-Vorsitzender in Neusatz ist. Die Freien Wähler haben bei der Kommunalwahl am 26. Mai die absolute Mehrheit im Ortschaftsrat gewonnen. Dennoch wird nun auf einen Freien Wähler vermutlich ein Christdemokrat auf dem Chefsessel im Neusatzer Rathaus folgen.

Freie Wähler haben Vorschlagsrecht

Komplett in trockenen Tüchern ist die Angelegenheit allerdings noch nicht. Am Mittwochabend wird sich Juchem mit allen neu gewählten Ortschaftsräten treffen. „Das Amt ist eine Herausforderung, weil wichtige Aufgaben anstehen“, erklärte Juchem gegenüber dieser Zeitung. „Ich werde den Ortschaftsräten meine Vorstellungen erläutern. Klar ist, dass meine Partei nicht die Mehrheit hat. Die Freien Wähler haben das Vorschlagsrecht.“

Parteizugehörigkeit kein Hindernis

Franz Fallert, Stadtrat der Freien Wähler und gerade in den Neusatzer Ortschaftsrat gewählt, sieht in der Parteizugehörigkeit Juchems kein Hindernis. „Natürlich ist es ein Wermutstropfen, dass wir keinen eigenen Kandidaten haben, aber es geht ums Dorf“, meinte er. „Parteipolitik spielt im Ortschaftsrat nur in seltenen Fällen eine Rolle.“

Zeitaufwändige Aufgabe

Fallert betonte, dass die Aufgabe eines ehrenamtlichen Ortsvorstehers mit rund 20 Wochenstunden sehr zeitaufwendig ist. „Im Gegensatz zu einem hauptamtlichen Ortsvorsteher muss der ehrenamtliche in Neusatz wohnen“, sagte Fallert. „Das schränkt die Auswahl erheblich ein. Wir wollen keinen Ortsvorsteher, der beruflich bedingt eigentlich keine Zeit für diese Aufgabe hat, sondern einen, der sich kümmert.“

Erfahrener Kommunalpolitiker

Vor diesem Hintergrund scheint der 66-jährige Hans-Wilhelm Juchem der geeignete Mann. Der pensionierte Telekom-Beamte verfügt aus seinem früheren Wohnort Sinzheim über umfangreiche kommunalpolitische Erfahrung. Er war Gemeinderat und stellvertretender Ortsvorsteher in Leiberstung. Seit 2008 ist Juchem Vorsitzender der CDU in Neusatz. Er hat im Mai für Ortschaftsrat und Gemeinderat kandidiert, war aber in beiden Fällen nicht erfolgreich. Das hängt auch mit den schlechten Wahlergebnissen für seine Partei allgemein zusammen. Der ehrenamtliche Ortsvorsteher muss aber kein Ortschaftsrat sein.

OB Schnurr: „Nicht der Wählerwillen“

OB Hubert Schnurr (FW) kennt die Pläne in Neusatz. „Es ist nicht unbedingt der Wählerwillen, aber wenn die Freien Wähler in Neusatz mit Hans-Wilhelm Juchem leben können, kann ich es auch“, erklärte er. „Sie haben keinen eigenen Kandidaten gefunden. Wenn alle Stricke gerissen wären, hätte ich mir auch einen hauptamtlichen Ortsvorsteher in Neusatz vorstellen können. Die Lösung mit dem ehrenamtlichen ist mir aber deutlich lieber.“

Sitzung am 9. Juli

In der Sitzung am 9. Juli wird um 20 Uhr im Vereinsraum der Schlossberghalle zunächst der alte Ortschafsrat verabschiedet. Anschließend tritt um 20.30 Uhr der neue Ortschaftsrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen und wählt den neuen Ortsvorsteher.