Burg Windeck vor derm Kadi: Das Amtsgericht Bühl entscheidet über das Windecker Reiterlein, zwei Säulenbasen und zwei Schlusssteine. | Foto: Ulrich Coenen

Amtsgericht Bühl

Fronten um „Windecker Reiterlein“ sind verhärtet

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Wem gehören das Windecker Reiterlein, zwei Gewölbeschlusssteine und zwei Säulenfragmente aus der Burg Windeck? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Amtsgericht Bühl. Eine gütliche Einigung zwischen der Vorbesitzerin der Burg und der Stadt Bühl, die die musealen Gegenstände aktuell im Magazin des Stadtgeschichtlichen Instituts in Neusatz aufbewahrt, erwies sich im Laufe der Verhandlung als unmöglich.
Richterin Alexandra Schneider wird am 1. März das Urteil verkünden. Damit betritt sie offensichtlich juristisches Neuland. Schneider konstatierte, dass es in der deutschen Rechtsprechung bislang keinen vergleichbaren Fall gebe. Allerdings deutet sich bereits jetzt an, dass die unterlegene Partei das Urteil nicht akzeptieren wird und die Sache in zweiter Instanz vor dem Landgericht Baden-Baden landen wird.

Kleine Tonfigur

Das Windecker Reiterlein ist das wertvollste der fünf mittelalterlichen Objekte. Die kleine, fragmentarisch erhaltene Tonfigur stammt (wie berichtet) aus dem 14. bis 15. Jahrhundert. Bei den Schlusssteinen und Säulenfragmenten handelt es sich unstrittig um ehemalige Bauteile der Burg. Die Säulenfragmente wurden früher im 1960 fertiggestellten Restaurant der Burg aufbewahrt, die Schlusssteine waren in der Außenwand des Restaurants und im Bergfried eingemauert. Um sie vor Umwelteinflüssen zu schützen, wurden sie entfernt und vor elf Jahren gemeinsam mit dem Windecker Reiterlein in die Obhut des Stadtmuseums gegeben, das mit dem Stadtgeschichtlichen Institut in Neusatz eine organisatorische Einheit bildet.
Das Reiterlein wurde 1958 bei den Bauarbeiten für das Restaurant auf dem Gelände der Vorburg entdeckt. Für alle fünf Stücke wurde vor elf Jahren zwischen der damaligen Eigentümerin und der Stadt Bühl ein Leihvertrag geschlossen.

Das „Windecker Reiterlein“ stammt aus dem 14. bis 15. Jahrhundert. | Foto: Stadtgeschichtliches Institut Bühl

Verkauf der Burg an Erwin Junker

Im vergangenen Jahr hat diese frühere Eigentümerin die Burg an den Unternehmer Erwin Junker verkauft. Später hat sie den Leihvertrag mit der Stadt gekündigt und verlangt nun von der Kommune die Herausgabe der fünf umstrittenen Objekte, die sie nun vor dem Amtsgericht durchsetzen will. Die Stadt und Junker bilden in diesem Prozess eine Allianz.

Offene juristische Fragen

Richterin Schneider formulierte zum Auftakt der mündlichen Verhandlung die offenen Fragen. Gingen die ausgelagerten Objekte mit dem Verkauf der Burg in den Besitz von Erwin Junker über? Handelt es sich bei diesem Stücken um sogenanntes Zubehör der Burg? Das wäre nämlich die juristische Voraussetzung für den Übergang des Eigentums. Unabhängig von diesem Eigentum ist der gekündigte Leihvertrag zwischen der Stadt und der früheren Eigentümerin. Meist deuten Zivilrichter zu Beginn der Verhandlung eine Tendenz an. Schneider betonte aber ausdrücklich, dass sie sich noch nicht entschieden habe.

Frühere Burgerherrin will das Reiterlein

Die Fronten sind verhärtet. Die frühere Burgherrin, die persönlich vor dem Amtsgericht erschienen war, betonte, dass sie die Stücke (insbesondere das Reiterlein) unbedingt zurückhaben wolle, um sie wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Stadt warf sie vor, die Gegenstände ohne ihr Wissen aus dem Stadtmuseum entfernt und ins Magazin ausgelagert zu haben. Ihr Anwalt Hubertus de Vries berichtete von einem Kaufangebot der Stadt, die die fünf Objekte aus dem Besitz seiner Mandantin habe erwerben wolle. Damit habe die Kommune anerkannt, dass diese und nicht Erwin Junker die rechtmäßige Eigentümerin sei.
Frank Wolz, der Anwalt der Stadt, bestätigte das Kaufangebot, das aber keineswegs mit einer Anerkennung des Eigentums verbunden gewesen sei. Vielmehr habe man einen Rechtsstreit vermeiden wollen. Erwin Junker ist der Stadt in diesem Verfahren als Streithelfer zur Seite gesprungen.

Mehrfacher Besitzerwechsel

Erwin Junker wurde vor dem Amtsgericht durch Rechtsanwalt Walter Schubert vertreten. Der betonte, dass die Burg mit dem Restaurant in den vergangenen sechs Jahrzehnten durch Verkauf und Erbe mehrfach den Besitzer gewechselt hätte, immer aber seien die jetzt umstrittenen fünf Objekte an den neuen Eigentümer weitergegeben worden. Karsten Schaumann, der Syndikus der Firma von Erwin Junker, betonte, dass im Kaufvertrag der Burg, das Zubehör ausdrücklich erwähnt sei. Schubert stellte fest: „Die Steine sind untrennbar mit der Geschichte und der kulturellen Bedeutung der Burg verbunden.“ Hätte man beim Abschluss des Kaufvertrags von deren Existenz gewusst, hätte man diese bewusst in den Kauf eingeschlossen. Erwin Junker wolle, dass die Objekte im Stadtmuseum bleiben. Die Stadt hat sie mit Beginn des Rechtsstreits aus der Ausstellung genommen und ins Magazin ausgelagert.

Stadt nennt keine Summe

Matthias Buschert, der Pressesprecher der Stadt Bühl, bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung das Kaufangebot der Stadt an die frühere Eigentümerin der Burg. Zur Höhe der Summe wollte er sich im Hinblick auf das laufende Verfahren nicht äußern.