Ein ABB-Leser brachte einen der ersten Maikäfer der Saison in die Redaktion. Eine Plage erwarten Experten allerdings in diesem Jahr nicht. | Foto: Ulrich Coenen

Im April unterwegs

Früher Maikäfer beunruhigt Förster nicht

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Maikäfer flieg! Die Redaktion staunte nicht schlecht. Gestern Morgen stellte ABB-Leser Rudi Nowinski einen Maikäfer, fest verschlossen in einer Plastikdose, auf einen Schreibtisch. Den hatte der Bühler, als er ins Auto steigen wollte, an der Hauswand entdeckt. Ein Foto vom Krabbeltier war schnell gemacht und an Martin Klatt, Referent für Arten- und Biotopschutz beim Nabu in Rastatt, gemailt. Der Biologe bestätigte die laienhafte Einschätzung der Journalisten: ein Maikäfer. „Wohl ein Weibchen, die nicht die ganz großen Lamellenfühler haben“, urteilte Klatt aufgrund des Bildes.

Am 10. April unterwegs

Nun ist der Maikäfer, der am 10. April auf einer Bühler Hauswand krabbelt, zwar relativ früh, eine zoologische Sensation stellt er deshalb aber nicht dar. Bereits Ende der vergangenen Woche wurde ein solches Insekt von einer Leserin bei einem Spaziergang auf dem Murgdamm in Rastatt gesichtet. „Die Tier heißen zwar Maikäfer, das heißt aber nicht, dass sie ausschließlich im Mai unterwegs sind“, meinte Klatt. „Zwar reden alle vom Klimawandel, aber ein Maikäfer um den 10. April herum gehört zum Schwankungsbereich des Normalen. Ich persönlich habe aber in diesem Jahr noch keinen gesehen.“
Forstdirektor Heinz Wicht vom Kreisforstamt in Rastatt bleibt angesichts der beiden Maikäfer in den Lokalredaktionen dieser Zeitung gelassen. Eine Invasion der Insekten erwartet er in diesem Frühjahr nicht. Das Forstamt arbeitet, wie die übrigen Forstämter im Land auch, mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg zusammen. Dort ist die Abteilung Waldschutz für die Maikäfer zuständig.

Probegrabungen im Herbst

„Es gibt seit Jahrzehnten in jedem Herbst ein groß angelegtes Monitoring“, berichtet Heinz Wicht. Die Prognosegrabungen im Oktober geben den Förstern Auskunft, wie viele Maikäfer im nächsten Frühling auschwärmen. Diese Grabungen gaben zumindest für den Landkreis Rastatt keinen Anlass zur Sorge.
Beliebt sind die Maikäfer bei den Förstern natürlich nicht, denn vor allem ihre Larven gelten als große Schädlinge. „Von den vier Jahren seines Entwicklungszyklus lebt der Käfer drei Jahre als Engerling im Boden“, sagt Heinz Wicht. In dieser langen Zeit frisst er sich an Wurzeln fett.
Während der noch kleine Engerling sich im ersten Lebensjahr mit den zarten Wurzeln von Gräsern begnügt, knabbert er ab dem zweiten Jahr Baumwurzeln an. „Der Wurzelfraß kann schlimme Folgen haben“, berichtet der Forstdirektor. „In letzter Konsequenz können die Bäume vertrocknen. Das ist fast so schlimm wie bei der Wühlmaus.“

Hubschrauber gegen Käfer

Vor einigen Jahren wurde der Maikäfer im Landkreis Rastatt letztmalig mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft. Dabei wurde „Perfekthion“ vom Hubschrauber aus auf die betroffenen Waldgebiete versprüht. Das Insektizid aus dem Hause BASF ist bis heute im Einsatz, aber nicht mehr für den Hubschraubereinsatz zugelassen. „Der Maikäferbefall im Forstbereich ist ein kleiner Markt, da erschien es dem Hersteller offensichtlich nicht lohnend, eine Verlängerung zu beantragen“, meinte Wicht. Aus diesem Grund steht dem Forstamt aktuell kein wirksames Pflanzenschutzmittel gegen Maikäfer zur Verfügung.

Gefahr für andere Insekten

Martin Klatt ist darüber nicht unbedingt traurig. „Diese vom Hubschrauber aus versprühten Insektizide haben den großen Nachteil, dass sie auch alle anderen Insekten töten“, erklärte er. Forstdirektor Wicht sieht dies anders. „Der Maikäfer ist einer der frühesten Käferarten im Jahr“, sagte er. „Die meisten anderen Käfer sind zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht unterwegs. Außerdem setzten wir das Insektizid sehr gezielt im Kronebereich ein, so dass es den Boden gar nicht erreicht. Natürlich weiß ich, dass solche Einsätze in der Öffentlichkeit sehr umstritten und schwer zu vermitteln sind.“

Keine Plage

Die Frage stellt sich in diesem Frühling ohnehin nicht, weil die Förster keine Maikäferplage erwarten. Die meisten Käfer werden erst in zwei oder drei Wochen ausschwärmen, und von den erwachsenen Tieren erwartet Heinz Wicht ohnehin keine großen Schäden. „Der Blattfrass ist nicht das große Problem“, meinte er. „Die Bäume regenerieren ihre Belaubung schnell.“

Sorgen bereiten den Förstern vielmehr die Eier, die die Weibchen im Mai ablegen und aus denen wieder viele hungrige Engerlinge entstehen.