In der Bühlertalstraße ist der Laden der Bühler Tafel zu finden. | Foto: Lienhard

Blick hinter Bühler Laden-Kulisse

Für die Tafel geben sie ihr Bestes

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Der Bühler Tafel-Laden erfüllt eine wichtige soziale Aufgabe. Wie aber läuft die Arbeit hinter den Kulissen ab? Welche Kriterien gelten für die zu verkaufenden Lebensmittel? Wie kommt das Angebot zustande? Und wie bewerten die Kunden den Laden? Solchen Fragen ist eine Artikelserie von ABB-Mitarbeiterin Katrin König nachgegangen.

In der Nacht hat es ein wenig geregnet, doch die Temperaturen sind schon wieder auf über 20 Grad geklettert, als Bernd Schröder und Heiko Kraft an einem frühen Augustmorgen in einen Transporter der Bühler Tafel steigen. Beide sind guter Dinge, auch wenn ihre Motivation für diese Arbeit ganz unterschiedlich ist: Schröder, Beamter im Vorruhestand, erhält seine Rente ohne Abzüge, weil er 1 000 Stunden in ein Ehrenamt investiert. „Der Job als Fahrer erschien mir interessant“, sagt er. „Ich wollte auf keinen Fall im Büro sitzen.“
Beifahrer Kraft wiederum beschreibt sich als Langzeitarbeitslosen, der immer wieder vergebliche Anläufe nahm, eine feste Anstellung zu erhalten. „Mein Fehler war, mit 17 direkt zu arbeiten“, sagt er. „Keine Ausbildung, nichts, da wirst du nicht vermittelt.“ Der Job bei der Tafel bedeutet für ihn immerhin die Option, Hartz IV ein wenig aufzustocken. Und er scheint gern dabei zu sein („Du musst Spaß haben an dem, was du tust“).
Auf Tour für den Tafel-Laden: Bevor Heiko Kraft (links) und Bernd Schröder die ausrangierten Waren in Kisten packen und mitnehmen, sortieren sie je nach Genießbarkeit aus. Foto: König | Foto: König

Bevor die Herren die ausrangierten Produkte, die sie über den Vormittag hinweg vorrangig bei Supermärkten abholen, für den Laden in Kisten packen, begutachten sie deren Zustand. Sind Möhren verschimmelt oder Bananen so gammelig, dass man ihren Verzehr niemandem mehr zumuten kann, sortieren sie sie noch in den Lagerräumen der Discounter aus. Kraft, selbst Tafelkunde, hat ein klares Kriterium: „Ich urteile danach, was ich auch noch essen würde.“

Ehrenamtliche übernehmen Warentransporte

Bevor die Produkte in die Regale wandern, werden sie Schröder zufolge ohnehin noch von den Helfern der Tafel-Küche in Augenschein genommen. „Die haben Erfahrung.“ Backwaren gingen „immer weg“, weiß Kraft, und weist auf eingeschweißte Packungen mit Toast, Brot und Brötchen.
Die Männer haben insgesamt drei Touren vor sich. Zunächst sind sie im Bühler Stadtgebiet unterwegs; heute fahren sie zur Produktionsstätte von Peter’s guter Backstube, anschließend zu Real, Aldi, Lidl und Kaufland. Schröder: „Die gefüllten Kisten bringen wir zwischendurch zum Laden, damit die Helfer sie schon für den Verkauf vorbereiten können.“ Eine weitere Tour wird zum Rewe in Ottersweier, eventuell auch zu Hofläden führen; schließlich geht es nach Rastatt ins Zentrallager der regionalen Tafelläden, wo in erster Linie Milchprodukte, Fleisch und Wurst bereitstehen. Da ist es wichtig, dass der Transporter nicht nur über ein Kühlsystem, sondern auch über eine Gefrieranlage verfügt. „Dieses Fahrzeug ist noch gut in Ordnung, das andere seit über neun Jahren im Einsatz, das merkt man ihm an“, sagt Schröder. Er habe gehört, dass in Kürze ein Ersatzfahrzeug angeschafft werde; Kraft spricht von zwei Großspendern, die das ermöglichten.
Über Art und Menge der Produkte führt Schröder genauestens Buch: „Sieben Kisten Obst und Gemüse, zwei Kisten Backwaren“, trägt er beim Real ein. Sonderposten sind beispielsweise die Blumen, die Aldi an diesem Tag spendiert. Im Kaufland geht der Fahrer auch ins Ladeninnere: Dort steht ein Tafel-Spendenkasten. Manche Leute, berichtet er, verwechselten den leider mit einem Mülleimer, wohl auch eine Frage des unauffälligen Designs.

Eingespieltes Team

Der Transporter hingegen ist eindeutig als solcher gekennzeichnet: „Jeder gibt, was er kann“, wird die Tafel-Idee darauf definiert. Oder: „Essen, wo es hingehört.“ Den Satz „Für eine gute Sache geben wir unser Bestes“ könnte man auch Bernd Schröder und Heiko Kraft auf die Shirts drucken: Das eingespielte Team erledigt seine Aufgaben konzentriert und rasch. Nur während der Fahrten, da plaudern die zwei oft, gern auch über ihr Leben. Vielleicht meint Kraft genau das, wenn er von Spaß an der Arbeit spricht.

Die Bühler Tafel benötigt täglich je zwei Fahrer und zwei Beifahrer für den Transport der Lebensmittel; ehrenamtliche Fahrer übernehmen die Touren im Wechsel, begleitet von Beifahrern, die teils über Maßnahmen der Agentur für Arbeit vermittelt wurden. Besonders zur Ferienzeit und bei Krankheitsfällen kommt es immer wieder zu Engpässen. Infos über eine mögliche Mitarbeit beim Tafel-Laden erteilt Renate Schneider, (0 72 23) 2 87 45 22.

Angebot richtet sich vorrangig nach Sponsoren

So wie Olinda Ostertag stellt man sich eine „Küchenchefin“ vor: Sie ist fröhlich. Sie ist stämmig. Und sie liebt ihren Job. „Arbeit macht Spaß, aber Deutsch ich rede ohne Grammatik“, sagt die Russlanddeutsche, die seit vier Jahren das Team in der Küche des Tafel-Ladens leitet. Dort gibt es einen Stamm ehrenamtlicher Helfer, insgesamt aber ist die Fluktuation recht hoch: Unter den sechs Personen, die Ostertag an diesem Morgen zur Hand gehen, sind zwei, die das Arbeitsamt entsandte, und Menschen, die ihre Sozialstunden ableisten. Gekocht wird hier freilich nicht. Dennoch mangelt es nicht an Aufgaben: Zunächst einmal müssen die Kisten mit Waren, die zuvor vom Fahrdienst geliefert wurden, gewissenhaft aussortiert werden. Welke Salat- oder Kohlblätter werden abgezupft, verschimmeltes Obst und Gemüse wird entsorgt; bei Milchprodukten, Mayonnaise oder auch Konserven gilt es, das Mindesthaltbarkeitsdatum zu überprüfen.
Die Hauptaufgabe des Personals in der Küche besteht darin, die angelieferten Lebensmittel zu prüfen und zu entsorgen, was nicht mehr genießbar ist. Foto: König
Der nächste Schritt ist die Etikettierung, für die gerade Heidi Ottenbacher sorgt. (Dieser überlässt Ostertag denn auch oft das Wort, weil sie fließend Deutsch spricht). Laut Vorschrift des Dachverbands der Tafeln, berichtet Geschäftsführerin Renate Schneider, gilt die Grundregel, dass Tafel-Produkte 20 Prozent des Originalpreises kosten dürfen. Das erachtet sie als bindende Vorgabe, obschon sie sich einen gewissen Ermessensspielraum zugesteht: „Wenn wir zum Beispiel einen haltbaren Sonderposten bekommen“, sagt sie mit Blick auf eingeschweißte italienische Salami, „setzen wir den Preis auch mal geringfügig höher an.“ Dafür unterschritten viele Produkte auch die 20-Prozent-Regel, gerade im Bereich Molkereiprodukte, Kochwurst oder Fleischwaren. Die Mitarbeiter seien gefordert, mitzudenken, Warenkenntnis zu zeigen und ihrer Verantwortung gerecht zu werden. „Willkür können wir gar nicht gebrauchen“, betont Schneider. „Das würde auf Kosten der Kunden gehen.“

Von Latte macchiato bis zu exotischen Früchten

Ottenbacher hat um 7.30 Uhr morgens begonnen, den heutigen Arbeitsplan zu erstellen; sie ist als eine der ersten vor Ort, auch um sicherzustellen, dass Fahrer und Beifahrer für beide Tafel-Fahrzeuge eintreffen. „Ich kam vor fünf Jahren über eine Arbeitsgelegenheits-Maßnahme her“, sagt sie. „Danach war ich eine Zeit als Ehrenamtliche dabei, bis ich fest eingestellt wurde.“ Während Ottenbacher im Laden Waren in die Regale einsortiert, kommentiert sie, dass in Körben in der Mitte immer noch Osterhasen liegen: „Das ist Markenschokolade, so etwas wird ja nicht schnell schlecht. Ich weiß nicht, warum die Leute das nicht kaufen.“
Generell werde das Angebot aber gut angenommen; der Laden sei für die Kunden von enormer Bedeutung. „Sicher, wir haben an manchen Tagen mehr, an anderen weniger Produkte, aber insgesamt steht eine große Vielfalt zum Verkauf, von Spielzeugen über Gemüse bis hin zu Süßigkeiten.“
Zudem gebe es immer wieder interessante Posten, heute zum Beispiel Latte macchiato. „Und wir haben schon exotische Früchte bekommen“, erzählt sie, „die hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen.“
Die Arbeit in Küche und Laden, resümiert Ottenbacher, sei abwechslungsreich, das Team um Olinda nett. „Man kennt sich. Jeder weiß, was zu tun ist.“ Insbesondere lobt sie die Ehrenamtlichen, die ihre Freizeit für die Tafel opfern: „Ohne die geht gar nichts.“ Doch nun hat sie keine Muße mehr zum Erzählen. „Ich“, sagt sie bedeutungsschwer, „muss jetzt schaffe“.

Die Bühler Tafel beschäftigt derzeit fünf Teilzeitmitarbeiterinnen in Festanstellung, auch Ehrenamtliche sind im Einsatz. Infos über eine mögliche Mitarbeit beim Tafel-Laden unter Telefon (0 72 23) 2 87 45 22 (Renate Schneider).

 

Auch Flüchtlinge zählen zur Kundschaft des Bühler Tafel-Ladens. Foto: König

„Wenn ich dieses Geschäft verlasse, habe ich meinen Korb und meine Tasche prall gefüllt, für insgesamt ein paar Euro. Dafür bin ich angesichts der marktüblichen Preise sehr, sehr dankbar.“ So formuliert es eine Kundin des Bühler Tafel-Ladens, die – wie auch andere Käufer – namentlich nicht genannt werden möchte. Das hat einen verständlichen Grund, den Hans Störk von der Bühler Tafel, an diesem Tag „Kontrolleur“ der Kundenausweise am Eingang, mit Worten wie „Hemmschwelle“ und „Scham“ umschreibt. Schließlich sind es Bedürftige, etwa Hartz-IV-Empfänger oder Flüchtlinge, die im Tafel-Laden einkaufen dürfen – oder oft auch „müssen“. Denn, sagt Störk: „Dass es für viele Menschen überhaupt nötig ist, hier einzukaufen, ist ein Versäumnis der Politik.“

Drei Einkäufe pro Woche

Doch zurück zu Kundin Nummer eins: Eine Dame aus einem Dorf der Umgebung, die sehr gepflegt ausschaut, die blonden Locken sorgfältig frisiert, und deren gewählte Sprache nicht etwa nach sozialer Randgruppe klingt. Und dennoch sieht die Hartz-IV-Empfängerin sich genau dort positioniert. Sie ist daher besonders stolz auf ihr kleines Auto , dessen Alter sie auf 23 Jahre beziffert. „Wenn es nicht zu heiß oder zu kalt ist, fahre ich aber mit dem Fahrrad“, sagt sie, wie zur eigenen Rechtfertigung. Drei Mal die Woche darf sie im Tafel-Laden einkaufen, drei Mal die Woche erscheint sie: „Da das Warenangebot unterschiedlich ist, komme ich erst hierher und schaue, was es gibt. Wenn ich Produkte benötige, die gerade nicht zu haben sind, kaufe ich die im Anschluss in einem normalen Discounter.“ Die Qualität der Ladenprodukte bezeichnet sie als gut; es gelte allerdings, Obst und Gemüse sofort zu verzehren. Beim Kühlregal bleibt ihr Blick an Bio-Birkenwasser vom Drogeriemarkt dm hängen: „Na, so etwas!“, ruft sie und preist überschwänglich dessen Heilkräfte.

„Fast alles, was man braucht“

Am Obst- und Gemüsestand steht derweil eine junge chinesische Mutter. Sie redet gebrochen Deutsch, wiederholt aber immer wieder, wie „toll“ sie es findet, dass im Tafel-Laden alles „billig“ zu haben ist. Sie kam als Flüchtling nach Deutschland, hat zwei Kinder und besucht einen Deutschkurs; um selbst zu arbeiten, fehlt ihr noch die Zeit. Sie kaufe hier vor allem Gemüse für typische chinesische Gerichte, erzählt sie. „Und sonst auch so alles.“ Im Einkaufskorb einer hochbetagten Deutschen wiederum liegen bereits Milch, Nudeln und Zucker. Sie und ihr Mann beziehen nur eine geringe Rente, wie sie erzählt: „Was es hier gibt, das besorge ich auch hier. Wir sind sehr zufrieden.“ Immerhin zähle zum Tafel-Angebot „fast alles, was man braucht“.

Hans Störk arbeitet ehrenamtlich im Tafel-Laden. Er kontrolliert am Eingang die Kundenausweise. Foto: König

Für ihn, sagt Störk, sei der Umgang mit den Kunden eine Bereicherung. „Es gibt viele freundliche Begegnungen.“ Lächelnd fügt der einstige Kulturamtsleiter der Stadt hinzu: „Mich grüßt jetzt ein ganz anderes Klientel, wenn ich in Bühl unterwegs bin.“ Konflikte im Laden habe er kaum erlebt, auch wenn manche Kunden zunächst nicht verstünden, warum sie nur eine bestimmte Menge an Produkten kaufen dürften, und dies auch noch zu festgelegten, wechselnden Uhrzeiten. Störk erklärt: „Unser Angebot ist je nach Tag manchmal ziemlich begrenzt; um der Gerechtigkeit willen dürfen Familien mehr kaufen als Alleinstehende.“ Die Uhrzeit wiederum rotiere, damit jeder ab und zu im Laden sein könne, wenn dieser öffne „und die Regale noch voller sind“. An der realen Bedürftigkeit der Kunden zweifelt er nicht: „Vielen sieht man ihr Schicksal an, sie sehen verhärmt und mager aus. Oft ahnt man, dass sie bessere Zeiten gesehen haben.“ Gerade Flüchtlinge seien meist ausgesprochen höflich und gebildet – und überaus dankbar. „Auch mir macht dieses Ehrenamt daher große Freude.“

Die erste Anlaufstelle

Unscheinbar in einem Raum des städtischen Vereinshauses im Gewerbegebiet „Froschbächel“: das Büro des Vereins „Bühler Tafel“. Hier, fernab des wochentäglichen Betriebs im Tafelladen, befindet sich ein Knotenpunkt nicht nur mit Blick auf die Vereinsgeschäfte: Derzeit acht Frauen, alle seit Gründung des Vereins vor knapp zehn Jahren aktiv, prüfen einmal wöchentlich in wechselnden Zweierteams die Berechtigung potenzieller Kunden für den Einkauf im Tafelladen – und erstellen entsprechende Ausweise samt Adresse und Fotos. Das Büro ist also erste Anlaufstelle für jene, die bedürftig sind oder sich als solche erachten, der Ausweis „Eintrittskarte“ für den Laden, an dessen Tür während der Öffnungszeiten stets eine Ausweiskontrolle positioniert ist.

Ehrenamtliche wie Beate Richter (links) und Marianne Mücke entscheiden über die Berechtigung zum Einkauf im Tafelladen. Potenzielle Kunden müssen vorab Nachweise über ihre Finanzen vorlegen. Foto: König | Foto: König

Klare Kriterien

Für „Bedürftigkeit“ gibt es klare Kriterien, wie die Ehrenamtlichen Beate Richter und Marianne Mücke im ABB-Gespräch betonen. Wenn mögliche Kunden im Büro erscheinen – die Adresse erhielten sie meist vom Jobcenter oder von Sozialarbeitern –, müssen sie Nachweise über ihre Finanzen vorlegen. „Wir benötigen amtliche Bescheide“, erklärt Richter. Wer Wohngeld oder Grundsicherung erhalte, sei per se ausweisberechtigt. „Ansonsten wird über eine offizielle Tabelle errechnet, ob Bedürftigkeit gegeben ist: Angaben wie Anzahl und Alter der Familienmitglieder, Höhe der Miete und Nebenkosten werden Einkünften wie Lohn oder Altersrente gegenübergestellt.“ Rentner zum Beispiel müssen zu diesem Zweck den Jahresbescheid mitbringen, Berufstätige Lohnbescheide der letzten drei Monate. Bei Erwerbstätigen gilt der Ausweis sechs Monate, dann müssen sie erneut vorstellig werden, um eine Verlängerung zu erwirken. Verbessert sich das Einkommen deutlich, muss der Ausweis unaufgefordert zurückgegeben werden.

Es läuft reibungslos

Das Prozedere mag kompliziert klingen, es läuft aber generell reibungslos, handelt es sich für die Helfer doch um langjährige Routine. Nur 2016 erhöhte sich ihr Einsatz enorm: „Als die vielen Flüchtlinge eintrafen und alle einen Ausweis erhalten sollten, ergriffen wir die Initiative“, blickt Richter zurück. „Wir vereinbarten Termine mit den Leitungen der Unterkünfte und nahmen die Personalien direkt vor Ort auf.“ Die Zahl der Ausweise stieg damals auf 453 (aktuell gibt es, ähnlich wie vor der Flüchtlingswelle, „nur“ 340 Ausweise, sprich rund 1000 Kunden). „Ein Problem war die Kommunikation“, sagt Mücke, und weist auf Infoblätter in sieben Sprachen: „Die erhielten wir vom Landesverband. Es wird erklärt, nach welchen Prinzipien Tafeln funktionieren oder dass die Einkaufsmenge unter anderem nach Familiengröße variiert.“ Gerechtigkeit, betont Richter, sei ein wichtiger Grundsatz. „Er spiegelt sich auch in den Zeitkarten, die an die Ausweise gekoppelt sind: Die Kunden müssen zu bestimmten, rotierenden Uhrzeiten kommen, damit jeder auch mal bei Ladenöffnung einkaufen darf.“ So vermeide man zugleich „Gedränge“ in und vor dem Laden. „Er öffnet dienstags, donnerstags und samstags, für viele gestaltet sich der Einkauf wochentags aber schwieriger – sei es, weil sie arbeiten, Sprachkurse besuchen oder Kinder betreuen müssen“, so Mücke. „Deshalb sind Samstage besonders beliebt. Jene, die im Umland wohnen, kommen ohnehin oft nur einmal pro Woche, da die Busfahrkarten teuer sind.“

„Das vergisst man nie wieder“

Übereinstimmend resümieren die zwei Damen: „Die Arbeit macht Spaß. Wir lernen viele angenehme Menschen kennen.“ Es gibt sogar emotionale Momente: Wenn ein Kunde seinen Ausweis zurückgibt, weil er Arbeit fand. Oder wenn ein Flüchtling endlich mit Frau und Kindern vereint ist und einen Familienausweis beantragt. „Wie Menschen in solchen Augenblicken strahlen können“, sagt Richter, „das vergisst man nie wieder.“