Stefanies Streifzüge
Das Gasthaus „Zur Linde“ in Neusatz verkauft vor seiner Tür auch frisches Obst. | Foto: Stefanie Ender

Stefanies Streifzüge

Gastroszene im Bühler Land: Viele Wirtshäuser bestehen auch in abgelegenen, kleinen Orten

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Die gebürtige Oberlausitzerin Stefanie Ender kennt Göttingen, Dresden und Mailand. Dort hat sie studiert. Sie kennt Hamburg, wo sie zuletzt gearbeitet hat. Seit 1. August ist die junge Frau nun Volontärin der BNN. Damit sie auch Baden kennenlernt, haben wir sie auf eine Sommertour geschickt. Vom Kloster Waghäusel zum Karlsruher Grat. Achte Etappe: In und um Bühl.

Rechter Hand die Rheinauen, links Rebstöcke und Streuobstwiesen auf den Schwarzwaldhöhen. In diesem malerischen Szenario mache ich meine ersten Schritte im Bühler Umland, einer Gegend, die Feinschmecker und Obstliebhaber anziehen will. Mit den Worten „Genießerecke Deutschlands“ und „kulinarisch für jeden etwas dabei“ wird auch im Internet um Touristen geworben. Gastronomisch werde hier nicht nur von Sterneköchen aufgetischt, sondern bodenständig badische Küche gekocht. Sehr lecker soll die sein, versprechen auch Werbeschilder in der Bühler Innenstadt.

Ich beschließe, dem nachzugehen und wandere in Richtung Ottersweier im Bühler Umland. Im etwas mehr als 6000 Einwohner zählenden Ort in der Rheinebene wartet schon das erste kulinarische Highlight. Am Straßenrand verkaufen Obstbauern Zwetschgen, Pfirsiche, Tomaten und andere frisch geerntete Früchte.
Ein paar Schritte weiter stoße ich auf ein italienisches Restaurant, das von außen vielversprechend aussieht. Auch yelp stimmt dem zu: drei von fünf Sternen. Michelin-gekrönt ist es nicht. Auf meinem Weg durch das Bühler Land, der mich über Lauf, Aspich, am Obsthang bei Neusatz, Hub und Rittersbach zurück nach Bühl führt, zähle ich sieben weitere Wirtshäuser.

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Frisch geerntete Früchte können im Bühler Land viele gekauft werden. Foto: Stefanie Ender | Foto: Stefanie Ender

Überrascht stelle ich fest, dass sogar sehr kleine Orte, wie Hub, eigene Gasthäuser haben. In Neusatz, einem peripheren Ortsteil von Bühl, sehe ich sogar zwei Restaurants. Die Gaststube „Zur Linde“ verkauft auch Obst vor ihrer Tür. Auf Vertrauensbasis. So wie es an den Fruchtständen hier üblich ist.

Wie kann es sein, dass hier ein Gasthaus neben dem anderen steht? Wie können die Wirte Wange an Wange mit der Konkurrenz überleben? Antworten finde ich nicht. Denn entgegen meiner Erwartung, sind an diesem Tag im Bühler Flachland fast keine Wanderer unterwegs. Hin und wieder radeln Menschen an mir vorbei. Die Biergärten bleiben leer.

Am Laufer Dorfplatz stoße ich auf eine Informationstafel. Hier wird des Gasthauses „Rössel“, das im vergangenen Jahr abgerissen werden musste, gedacht. Und das, obwohl der Ort zwei weitere laufende Gastrobetriebe hat. „Wir waren sehr stolz auf unsere Gaststube. In ihr wurde unser Turnverein gegründet“, erzählt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

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In der Ortsmitte von Lauf wird sogar einem ausgeschiedenen Gasthaus ein Denkmal gesetzt. Foto: Stefanie Ender | Foto: Stefanie Ender

Wie es sein kann, dass hier so viele Wirtshäuser nebeneinander bestehen, obwohl an Sonntagen, wie diesem, gerade in abgelegenen Orten wenig Laufkundschaft unterwegs ist, weiß sie auch nicht. Ich stöbere auf dem Weg nach Bühl durch das yelp-Universum. Viele Sterne und lobende Kommentare wurden auf der Internet-Plattform in der Bühler Gegend vergeben. „Wer weiß, ob das auch gerechtfertigt ist“, denke ich. Um eine dieser Stuben zu testen, laufe ich zu dem im Internet hoch gejubelten „Hanauer Hof“, der schon seit dem Jahr 1853 badische Küche in Bühl anbietet. Mein Fazit: Yelp hat Recht. Umwerfend leckere Schnitzel gibt es hier.