Seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Volksbank in der Bühler Friedrichstraße zuhause - damals aber noch unter anderem Namen. | Foto: Sammlung Mario Ibach

Volksbank Bühl feiert Jubiläum

Gemeinsam geht’s besser

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Es ist der 1. Februar 1869. In der Bühler Hauptstraße, auf halber Strecke zwischen Kirche und „Schützen“, nimmt ein neues Unternehmen seine Arbeit auf. Im Hause von Karl Hug, einem späteren Bühler Bürgermeister, werden ab diesem Tag die Geschäfte des zwei Wochen zuvor gegründeten „Vorschuß-Vereins Bühl und Umgebung“ geführt. 64 Mitglieder zählt der junge Verein, an dessen Spitze der frühere Bürgermeister Amandus Schütt steht, Karl Hug ist zum Kassierer gewählt worden. Heute, nach 150 Jahren und Veränderungen bei Namen, Rechtsform und Adresse, blickt die Volksbank Bühl auf 44 000 Mitglieder und 64 000 Kunden.

Vorgeschichte beginnt 1868

Keine Geschichte ohne Vorgeschichte, und diese beginnt im Herbst 1868, als eine Gründungskommission mit Bürgermeister Conrad an der Spitze zur „Gründung eines Vorschuß-Vereines für die Stadt und den Bezirk Bühl“ einlädt. Es ist eine Reaktion auf die sich verändernden wirtschaftlichen Verhältnisse, denen man mit dem Solidaritätsprinzip im Sinne von Hermann Schulze-Delitzsch, begegnen möchte: „Was einer alleine nicht zu erreichen vermag, dazu verbinde er sich mit anderen, die das Gleiche wollen“, hat der Gründer des gewerblichen Genossenschaftswesens festgehalten. In der Bühler Einladung ist von der Gewerbefreiheit die Rede, die zwar viele Vorteile bringe, aber nicht jeder habe dafür das nötige Geld. Etliche Erleichterungen und Verbesserungen kämen nur einer kleinen Minderheit zugute, „die durch den Besitz großer Kapitalien imstande ist, solche auszubeuten und zu benützen“. Kleinere Gewerbeleute und Landwirte seien gezwungen, Vereine zu bilden, um in Gemeinschaft zu erzielen, was dem Einzelnen nicht möglich sei. Vorschussvereine hätten sich hier bewährt. Das Prinzip leuchtet ein: Als sich das „vorbereitende Komitee“ trifft, werden 100 Teilnehmer gezählt; es wird der 17. Januar 1869 als Termin der offiziellen Gründungsversammlung festgesetzt.

100 Teilnehmer beim ersten Treffen

Das Bühler Wochen- und Unterhaltungsblatt berichtet am 18. Januar 1869 darüber: „Gestern fand im Gasthaus zum ‚Schützen’ eine Generalversammlung statt, in welcher der längst projektierte Vorschußverein nun definitiv gegründet wurde. Vor etwa 50 anwesenden hiesigen und auswärtigen Mitgliedern wurden der Verwaltungsrat und ein Kassier gewählt. Die Eröffnung dieser Anstalt ist somit in nächster Zeit zu erwarten.“
Als Vereinszweck halten die Mitglieder in der Satzung fest, „durch den gemeinschaftlichen Kredit seiner Mitglieder diesen die zu ihrem Geschäftsbetrieb erforderlichen Geldmittel zu beschaffen; und durch verzinsliche Spareinlagen in die Kasse des Vereins und Annahme von Geldern in laufender Rechnung Gelegenheit zur Bildung und Ansammlung von größeren Kapitalien zu geben“.

Erste Zweigstelle

Der „Vorschuß-Verein für Bühl und Umgegend“ (bei der Gründung ist auch die wirtschaftliche und politische Prominenz aus Steinbach und Bühlertal dabei) wächst rasch und reagiert auch auf gesetzliche Veränderungen. Bereits im Dezember 1870 wird er zur eingetragenen Genossenschaft. 1873 wird erstmals über eine Zweigstelle in Lichtenau berichtet; nach ihrer Aufhebung 1881 entwickelt sie sich zu einer eigenständigen Genossenschaft.

Neubau in der Friedrichstraße

Die Dinge laufen gut, so gut, dass Anfang des 20. Jahrhunderts ein eigenes Geschäftsgebäude errichtet wird (in der Hauptstraße ist man bislang im Haus des ersten Kassierers untergebracht gewesen). Der Bühler Architekt und Bauunternehmer Gustav Weis errichtet es in der Friedrichstraße, im Sommer 1902 wird es bezogen.

 

Auf der Baustelle des neuen Bankgebäudes – eingeweiht wurde es im Sommer 1902. Foto: Stadtgeschichtliches Institut

Expansion ins Hanauerland

Nach dem Ersten Weltkrieg beginnt die Expansion; 1919 wird eine Zweigstelle in Bühlertal errichtet, und dann rückt der Kreis Kehl in den Blickpunkt: 1922 und 1924 folgen Filialen in Kehl und Freistett, 1924 kommt es zur Verschmelzung mit dem seit 1882 bestehenden Kreditverein Lichtenau – es ist die erste von bis heute 22 ehemals selbstständigen genossenschaftlichen Banken, die unter das Bühler Dach kommen.
1938 wird aus dem Vorschussverein die Volksbank Bühl eGmbh.

Immer mehr Filialen

Nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt die Zahl der Zweigstellen immer stärker zu, und die fahrbare Zweigstelle, die ab Januar 1965 insgesamt 37 Plätze ansteuert, ist ein weiterer Beleg für den Bedarf: Sie ist so stark frequentiert, dass die vorgesehenen Kassenstunden nicht ausreichen. So kommen zwangsläufig weitere Filialen dazu.

Die fahrbare Zweigstelle fuhr ab 1965 insgesamt 37 Ziele an. Foto: Sammlung Mario Ibach

Auch in der Bühler Friedrichstraße wird es Jahr für Jahr enger, Anbauten von 1920 und 1952/53 ändern daran nichts. Anfang der 1960er Jahre kann nur noch ein größerer Neubau helfen. Der Abbruch des alten Gebäudes wird erwogen. Die Stadt ist nicht begeistert, zumal die benachbarte Stadthalle den gleichen Baustil aufweist. Am Ende gibt es einen modernen Umbau und einen Anbau als Neubau. Am 14. April 1962 wird er übergeben.

Fusionswellen

In den 70er Jahren setzt die erste große Fusionswelle ein, der in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eine weitere folgt. Daneben prägen technische und auch bauliche Veränderungen das Bild. 1984 wird nach knapp zweijähriger Bauzeit das neue Bankgebäude eröffnet. Bereits 1963 ist auf elektronische Datenverarbeitung umgestellt worden, 1971 wird der erste „Bankomat“ mit Service rund um die Uhr in Betrieb genommen. Immer rasanter geht die technische Entwicklung voran, und dass sie die digitalen Angebote von heute das Ende der Fahnenstange sind, ist kaum anzunehmen.
So ist das vor 150 Jahren begonnene Unternehmen Schritt für Schritt gewachsen, es ist ein anderes geworden – und auch wieder nicht: „Sich gegenseitig zu helfen und füreinander einzustehen war die Idee der Gründungsmitglieder unserer Genossenschaft“, sagte Vorstandsvorsitzender Claus Preiss bei der Jubiläumsfeier, und das sei auch heute noch aktuell.