Zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 20 Wohnungen sollen auf dieser Baulücke in der Oberweierer Straße entstehen. Mitgliedern des Technischen Ausschusses erscheinen die Pläne zu wuchtig. | Foto: Ulrich Coenen

Zwei Neubauten

Geschosswohnungsbau steht in Bühl heftig in der Kritik

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In Bühl herrscht Wohnungsnot. Dennoch kommt es bei fast jedem größeren Neubauprojekt im Stadtgebiet zum Konflikt. Kritik am Geschosswohnungsbau gibt es sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Gemeinderat. Der Technische Ausschuss beschäftigte sich jetzt mit einer großen Baulücke in der Oberweierer Straße. Dort sollen zwei kubische Mehrfamilienhäuser entstehen. 

Nur murrend stimmte der Technische Ausschuss zu. Es ging wieder einmal um eine Nachverdichtung in der Kernstadt. Die letzte Baulücke in der Oberweierer Straße soll geschlossen werden. Diese hat beachtliche Abmessungen und erstreckt sich bis zum Sandbach.

Drei Vollgeschosse mit Penthouse

Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtentwicklung im Rathaus, stellte die Pläne für die beiden Mehrfamilienhäuser mit gemeinsamer Tiefgarage vor. Der Investor plant zwei dreigeschossige Wohnhäuser mit zusätzlichem Penthousegeschoss mit insgesamt 20 Wohnungen. Weil es für dieses Quartier keinen Bebaungsplan gibt, entscheidet die Stadtverwaltung als zuständige Baurechtsbehörde auf der Basis des Paragrafen 34 des Baugesetzbuches, der (so der Gesetzestext) die „Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile“ regelt, über den Bauantrag. Neubauten sollen sich „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“.

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Investor hat Rechtsanspruch

Nach Einschätzung der Stadtverwaltung fügen sich die beiden geplanten Neubauten in die Umgebung ein. Sie haben aber im Gegensatz zu den Nachbargebäuden, die geneigte Dächer tragen, Flachdächer. Im Hinblick auf ihre Gesamthöhe sind sie etwas niedriger. Thévenot verwies auf die drei unmittelbar östlich anschließenden Wohnhäuser, die laut Stadtjustiziarin Elisabeth Beerens vor zwei Jahrzehnten vom Bauherren mit Hilfe des Verwaltungsgerichts durchgesetzt wurden, und das Finanzamt an der anderen Seite des Sandbachs. „Aus baurechtlicher Sicht ist dieser Bauantrag genehmigungsfähig“, urteilte sie. Oberbürgermeister Hubert Schnurr unterstrich dies: „Es besteht für die Bauherren sogar ein Rechtsanspruch.“

Das änderte nichts an der kontroversen Debatte. „Aus meiner Sicht ist das eine Etage zu viel“, erklärte Johannes Moosheimer (FW). „Zwei Geschosse wären ausreichend.“ „Wir brauchen Wohnungen“, meinte Peter Hirn (SPD). „Wir wollen nicht in die Fläche gehen, also hat die Innenverdichtung wie hier in der Oberweiter Straße Vorrang.“ „Mir gefällt diese Planung nicht“, fand Franz Faller (FW). „Die beiden Gebäude wirken sehr wuchtig und sind ein Stockwerk zu hoch.“

Mehr Grün als Grau

„Innenverdichtung hat Vorrang vor der Erschließung neuer Flächen im Außenbereich“, berichtete Margret Burget-Behm (CDU). „Gleichzeitig gilt es, die Doppelte Innenentwicklung zu beachten, über die wir im Gemeinderat wiederholt diskutiert haben.“ Unter diesem Fachbegriff versteht man die Weiterentwicklung des urbanen Grüns. „Bei jedem grauen Beton soll es auch Grün geben“, argumentierte Burget-Behm. „Bei diesem Projekt sehe ich aber hauptsächlich grau.“ „Im Hinblick auf die Gesamtbilanz werden wir Grün im öffentlichen Bereich schaffen müssen“, stellte OB Schnurr fest. „Dies ist nun mal eine Baulücke.“ Thévenot ergänzte: „Die Tiefgarage wird begrünt.“

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Lutz Jäckel (FDP) unterstützte das Projekt: „Wir brauchen Wohnraum. In diesem Zusammenhang muss Nachverdichtung Priorität haben. Wenn ein Bauherr eine Tiefgarage baut, benötigt er wegen der hohen Baukosten eine gewisse Anzahl an Wohnungen, damit sich das Projekt trägt.“

Ein formale Zustimmung des Technischen Ausschusses war nicht notwendig. Das Gremium nahm die Projektvorstellung durch die Verwaltung „zum gemeindlichen Einvernehmen lediglich zur Kenntnis“, wie es in Behördendeutsch heißt.