Die alte Schule im Bühler Stadtteil Waldmatt steht im Mittelpunkt eines Dorfstreits. Es geht um die Frage, ob das Glöcklein auf dem Dach am Morgen läuten darf oder nicht. | Foto: Bernhard Margull

In Bühl-Waldmatt

Schweigen der Glocke sorgt für Empörung

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Glocken sind ein sensibles Thema. Das weiß Oberbürgermeister Hubert Schnurr spätestens seit dem inzwischen fast legendären Bühler Glockenstreit, der die Stadt im Jahr 2016 monatelang in Atem hielt (wir berichteten). Jetzt droht eine Neuauflage im Stadtteil Waldmatt. In einem Brief an die Redaktion beschwert sich Egon Kist über das „Aus“ für das morgendliche Geläut auf der alten Dorfschule. „Viele Bürger sind beunruhigt, ja empört“ schreibt er.

Glockenstreit in der Kernstadt

Rückblende: In Bühl ging es 2016 um den nächtlichen Glockenschlag der Turmuhr der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul. Im Juni 2015 hatte ein Blitzschlag die Kirchturmuhr verstummen lassen. Eine ganze Reihe Anwohner begrüßte die Stille und empfahl der Stadt in Zukunft auf den nächtlichen Glockenschlag zu verzichten. Ein Schonacher Unternehmen baute schließlich, gesponsert von einem Privatmann, ein Schlagwerk mit Nachtabschaltung ein. Ab 22 Uhr bis 7 Uhr am Morgen herrschte nun Ruhe. Das gefiel nicht jedem. Eine Bürgerinitiative sammelte 164 Unterschriften für den nächtlichen Glockenschlag. Schließlich gab es einen Kompromiss. Die Glocke schlägt jetzt bis 23 Uhr.

Verärgerung über Neubürgerin

Die Gegenwart: Der Glockenstreit erfährt nun eine Fortsetzung in Waldmatt. Dort hat sich nach Informationen von Kist eine Anwohnerin über die Lärmbelästigung beschwert. In seinem Brief berichtet er von einer „Neubürgerin, die sich so nachhaltig gestört fühlt, dass sie den Gang zum OB antrat.“ Dieser habe die „Einstellung des morgendlichen Läutens veranlasst“. Inzwischen haben die Waldmatter ebenfalls eine Unterschriftenaktion für den Glockenschlag veranlasst und bei der Stadtverwaltung und der für sie zuständigen Ortsverwaltung Neusatz offiziell gegen die Entscheidung protestiert. „Wir Waldmatter Bürger sind nicht bereit, einer solchen städtischen Anordnung nachzukommen, die nebenbei weder mit dem Ortsvorsteher noch mit dem Ortschaftsrat Neusatz abgesprochen war“, sagt Kist. „Auch kranke Menschen in der Nachbarschaft der Waldmatter Schule empfinden das fünfminütige Lauten des Glöckleins als ermutigend und tröstend für den kommenden Tag.“

Das umstrittene Glöcklein wurde im Dachreiter auf dem First des ehemaligen Schulhauses in Waldmatt aufgehängt | Foto: Bernhard Margull

Glöcklein hat Tradition

Kist weist auf die lange Tradition des Waldmatter Glöckleins hin, das seit 1864 zum Dorf gehöre. Nach dem Abriss des alten Waldmatter Rathauses 1977 sei es zunächst auf dem Speicher der Volksschule gelagert und dann mit einer elektrischen Anlage wieder montiert worden. „Es war der Wunsch der Bevölkerung, das Glöcklein, welches sich auf dem ehemaligen Gemeindehaus befunden hatte, auf dem Turm der Waldmatter Schule aufzubauen und es abends zum Angelus zu läuten“, berichtet Kist.

Ortschaftsrat soll entscheiden

Im Bühler Rathaus ist man sich nach der Erfahrung von vor zwei Jahren der Brisanz des Themas bewusst. Auf Anfrage der Redaktion gab es von Pressesprecher Matthias Buschert lediglich eine kurze schriftliche Stellungnahme: „Die Stadtverwaltung hatte auf Beschwerden reagiert. OB Schnurr möchte aber nun eine Entscheidung im Sinne der Bürgerschaft herbeiführen. Deshalb soll der Ortschaftsrat hier eine Entscheidung treffen. Aktuell läutet das Glöckchen nur noch zweimal am Tag. Die 6.30-Uhr-Einheit wurde abgeschaltet.“