Der Entwurf des Architekten Volker Leppert zeigt den Neubau für betreutes Wohnen (rechts) und das bestehende "Nordtor". | Foto: Volker Leppert

Am Bühler Nordtor

Großer Kubus mit Dachterrasse für betreutes Wohnen

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Das Thema ist nicht ganz neu. Bereits vor mehr als zwei Jahren hat OB Hubert Schnurr den Gemeinderat informiert, dass die drei Altbauten an der Nordseite der Rheinstraße unmittelbar neben dem „Schützenkreisel“ (Hausnummern 4 bis 8) abgerissen und durch einen großen Neubau ersetzt werden sollen (wir berichteten). Jetzt erteilte der Technische Ausschuss einstimmig die sanierungsrechtliche Genehmigung für das Projekt.

Der problematische Paragraf 34

Wie bereits berichtet, soll dort eine Anlage für betreutes Wohnen entstehen.
Das Bauvorhaben befindet sich im Sanierungsgebiet „Nördlicher Stadteingang“, für das kein gültiger Bebauungsplan existiert. Es ist deshalb nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches zu beurteilen, der die „Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile“ regelt und in den vergangenen Jahren in Bühl immer für Ärger sorgte. Neubauten sollen sich „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“. Das lässt Interpretationsspielraum, und deshalb landete wegen Einsprüchen von Bühler Anwohnern in der Vergangenheit das eine oder andere Projekt auch schon mal vor dem Verwaltungsgericht.

Drei Altbauten in der Bühler Rheinstraße werden für die neue Wohnanlage abgerissen. | Foto: Ulrich Coenen

Vollgeschoss wird zum Penthouse

Schnurr berichtete von „vielen Vorgesprächen“ mit dem Investor Alfred Krampfert, einem Vimbucher Bauunternehmer. Corina Bergmaier, die Leiterin der Bühler Bauordnungsbehörde, hatte bereits am 21. August gegenüber dieser Zeitung betont, dass der Bauherr seine Pläne reduziert habe. Statt einer fünfgeschossigen Bebauung sind nun nur noch vier Geschosse plus einem um drei Meter zurückspringenden Penthouse-Geschoss geplant. „Dadurch wirkt das Gebäude nicht mehr so massiv“, meinte Schnurr. In der Verwaltungsvorlage wird auf die „in der unmittelbaren Umgebung bereits vorhandenen sehr hohen Wandhöhen“ verwiesen. Deshalb füge sich das Bauvorhaben in die Umgebung ein.

Drei Grundstücke zusammengefasst

Der Investor fasst für dieses Projekt die drei Grundstücke der Bestandsbauten zusammen. Während das sehr kleine Haus Nr. 8 wenig ansprechend ist, haben Haus Nr. 6 und vor allem das Eckhaus 4 durchaus reizvolle und für ihre Entstehungszeit typische Fassaden. Der erhebliche Sanierungsbedarf ist aber bei allen drei Gebäuden unübersehbar und vor dem Hintergrund, dass keines von ihnen denkmalgeschützt und damit steuerlich begünstigt ist, wirtschaftlich nicht darstellbar.

Der erste Entwurf von Volker Leppert zeigte ein fünfgeschossiges Gebäude. Das Obergeschoss wurde in der Genehmigungsplanung zum Penthose-Geschoss. Die Architektursprache blieb unverändert. | Foto: Volker Leppert

Entwurf von Volker Leppert

Der kubische Neubau für das betreute Wohnen, den der Bühler Architekten Volker Leppert entworfen hat, erhebt sich über einem oberirdischen Garagengeschoss mit 23 Stellplätzen. Statt kleiner Schaufenster erlebt der Passant in Zukunft also eine weitgehend geschlossene Wand. Insgesamt ist das Gebäude knapp 15 Meter hoch und orientiert sich in seinen Dimensionen und seiner Formensprache am Nordtor auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die klassische Lochfassade mit rechteckigen Fenstern in unterschiedlichen Formaten, tief in die Wand eingeschnittenen Loggien und vorspringenden Balkonen steigt in Lepperts Entwurf über drei Stockwerke bis zu einer Höhe von 13 Metern auf. Dahinter springt das Penthouse-Geschoss zurück. Geplant sind neben einem Café im ersten Obergeschoss insgesamt 23 Wohnungen (mit überwiegend 60 Quadratmetern). Auch eine begrünte Dachterrasse soll es geben.
Volker Leppert berichtete im Gespräch mit dieser Zeitung von einer anspruchsvollen Entwurfsaufgabe. „Es ist kein einfaches Baugelände“, meinte er im Hinblick auf die Ecklösung, deren Hauptfassaden im Osten an den großen Kreisverkehr und im Süden an die Rheinstraße grenzen. In Richtung Nordtor ist das Grundstück außerdem abgeschrägt.

Technischer Ausschuss stimmt zu

Im Technischen Ausschuss gab es eine einhellige Zustimmung für das „Betreute Wohnen“ am Schützenkreisel. Oberbürgermeister Hubert Schnurr beschrieb den aktuellen Zustand am nördlichen Eingang zur Innenstadt als „Sammelsurium“ von Gebäuden. Mit dem Neubau werde eine städtebauliche Verbesserung erreicht. „Dann fehlt zur Komplettierung des gesamten Nordtor-Ensembles nur das Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Cafés Schuh an der Ostseite der Hauptstraße.“ Dieses zur Zeit als provisorischer Parkplatz genutzte Grundstück befindet sich im Besitz der Kommune.

Stellplätze in der Diskussion

Die Diskussion der Gemeinderäte beschäftigte sich streckenweise weniger mit der städtebaulichen Entwicklung als mit der Frage nach den 23 Stellplätzen im Garagengeschoss des Neubaus, die zum Teil in Form von Doppelparken nachgewiesen werden. Das funktioniert mit einer Hydraulik, die es erlaubt, zwei Fahrzeuge zu stapeln. Einige Gemeinderäte sorgten sich, ob diese Technik seniorengerecht ist.
Am Neubau selbst gab es wenig Zweifel. „Der Bestand ist marode“, stellte Lutz Jäckel (FDP) fest. „Die neue Bebauung passt insgesamt. Es ist gut, dass das Obergeschoss zurückversetzt wird.“

Aufwertung oder Korridor?

Pit Hirn (SPD) sprach von einer Aufwertung im Bereich des Eingangs zur Innenstadt. „Wie es dort jetzt aussieht, ist kein Ruhmesblatt.“ Auch Hubert Oberle (CDU) hob die „städtebauliche Aufwertung“ hervor. „Die Dachterrasse wird großartige Ausblicke in Richtung Schwarzwald ermöglichen“, stellte er fest.
Thomas Wäldele (GAL) war hingegen wenig begeistert. „Jetzt erhalten wir die Torsituation nicht im Bereich der Hauptstraße, sondern in der Rheinstraße“, meinte er. „Der Besucher kann dan gleich in Richtung Vimbuch wieder aus der Stadt fahren. Was dort geplant wird, ist nicht schön. Wegen der Regelung durch den Paragraf 34 des Baugesetzbuchs können wir aber nichts dagegen machen.“

„Wir brauchen betreutes Wohnen“

Ulrich Nagel (SPD) sah die Sache differenziert. „Es entsteht ein Nordwest-Korridor, der an beiden Seiten sehr massiv wirkt“, erklärte er. „Auf der anderen Seite verschwinden jetzt drei unansehnliche Gebäude. Betreutes Wohnen brauchen wir in Bühl.“

Doch kein Korridor?

Hubert Schnurr betonte ausdrücklich, dass durch das bestehende Nordtor-Gebäude auf der anderen Straßenseite und den Neubau (jeweils rund 15 Meter hoch) kein Korridor entstehe. „Nordtor und betreutes Wohnen sind nämlich versetzt“, stellte er fest.