Das denkmalgeschützte Schuhhaus Frank in der Hauptstraße wird umgebaut. | Foto: Ulrich Coenen

Baudenkmal in Hauptstraße Bühl

Aus Lagerräumen werden Wohnungen

Es ist eines der vornehmsten Wohn- und Geschäftshäuser in der Innenstadt. Jetzt erhält das Schuhhaus Frank (Hauptstraße 62) eine neue Aufgabe. Rupert Frank geht in den Ruhestand, am 1. November zieht die Buchhandlung Osiander als Pächterin ein (wir berichteten). Dieser Wechsel ist mit erheblichen Umbauten des Gebäudekomplexes verbunden, der früher im Besitz der jüdischen Industriellenfamilie Netter war und für viele Jahrzehnte Stadtgeschichte und vor allem auch Stadtbaugeschichte steht.

Ein Stück Wirtschaftsgeschichte

Josef Frank, der Vater von Rupert Frank, hat das im Stil der Neo-Renaissance erbaute Eckhaus an der Dreherstraße 1968 gekauft und 1977 umgebaut. Josef Frank betrieb ursprünglich ein Schuhgeschäft am Johannesplatz, das er 1978 in die Hauptstraße verlegte. Damals ist die Sandsteinfassade im Erdgeschoss durch eine Vollverglasung ersetzt worden. „Man wollte großstädtisch sein wie in Karlsruhe“, meint Rupert Frank. „Wenn ich mal im Lotto gewinnen sollte, werde ich die ursprüngliche Fassade rekonstruieren lassen.“
Der Historismus galt sowohl bei Wissenschaftlern als auch bei Laien in der Nachkriegszeit bis weit in die 1970er Jahre als wertlos. Überall wurden diese Gebäude abgerissen oder bestenfalls entstellend umgebaut. Die originalen Innenausstattungen von Kirchen aus dieser Zeit landeten auf dem Müll, die Ausmalungen wurden übertüncht, auch in der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul. Der aus heutiger Sicht verunglückte Umbau des Schuhhauses Frank ist also ein Kind seiner Zeit.

Mehrere Umbauten

Dies gilt auch für das gewaltige Vordach an der Hauptstraße. „Das hat das Stadtbauamt damals aus gestalterischen Gründen gefordert“, erinnert sich Frank. „Solche Vordächer wurden an mehreren Geschäftshäusern angebaut.“ Um den Kunden einen barrierefreien Zugang zum Laden zu ermöglichen, wurde das Erdgeschoss außerdem einen halben Meter tiefer gelegt.

Arkaden für die Hauptstraße

Josef Frank ließ 1984 das unmittelbar südlich an das Schuhhaus anschließende Nachbargebäude (Hauptstraße 60), das ebenfalls aus dem Historismus stammte, abreißen und nach Plänen der Architekten Seebacher und Krauth (Bühl) durch ein Wohn- und Geschäftshaus in postmodernen Formen ersetzen. Im Erdgeschoss befinden sich heute ein Kaffee- und ein Fotogeschäft. Die Vordächer der 1970er Jahre waren inzwischen beim kommunalen Bauamt nicht mehr angesagt, nun wurden die Bauherren von offizieller Seite angehalten, im Erdgeschoss „Arkaden“ anzulegen.

Neubau ersetzt Gewerbebauten

1986 ließ Josef Frank die Gewerbebauten im rückwärtigen Bereich des Schuhhauses entlang der Dreherstraße abreißen. Erneut nach einem Entwurf von Seebacher und Krauth entstand dort ein Neubau zur Erweiterung des Schuhgeschäftes. „In Absprache mit der Landesdenkmalpflege haben wir den Neubau in Höhe und Form an den denkmalgeschützten Altbau angepasst“, berichtet Georg Metzinger, der inzwischen das Architekturbüro übernommen hat.

Originalsubstanz im Inneren

Rupert Frank kaufte von seinem Vater 1999 das denkmalgeschützte Eckhaus, zu dem er aus Jugendtagen eine innige Beziehung hat und in dessen Dachgeschoss er bis heute wohnt. Während die Fassade zur Hauptstraße durch Umbauten gelitten hat, sind im Inneren noch viel Originalsubstanz wie Teile des Treppenhauses, Türen und Stuckdecken erhalten. Nach der Geschäftsübernahme beschränkte Rupert Frank die zuvor zweigeschossige Verkaufsfläche auf das Erdgeschoss und richtete im Obergeschoss des Neubaus Lagerräume und ein Büro ein. Weil diese für den Buchladen nicht mehr benötigt werden, entstehen im Neubau nach Plänen von Georg Metzinger aktuell vier Wohnungen.

Große Verkaufsfläche

Das bisherige Ladengeschäft hat eine Fläche von rund 350 Quadratmetern, der Buchladen wird 230 Quadratmeter (plus Sozialraum) erhalten. Die rundbogigen Fenster zur Dreherstraße, die mit Werbetafeln verschlossen sind, können im Rahmen der Umbauarbeiten nicht wieder geöffnet werden. „Weil das Ladenlokal 1977 abgesenkt wurde, schneidet die damals entstandene neue Ladendecke mit der modernen Gebäudetechnik mitten durch diese Fenster“, sagt Frank.

Diese historische Postkarte zeigt das denkmalgeschützte Schuhhaus Frank im frühen 20. Jahrhundert, | Foto: Stadtgeschichtliches Institut Bühl

Stammhaus der Familie Netter

Das heutige Schuhhaus Frank wurde 1990 in die Denkmalliste eingetragen. Das repräsentative Eckhaus gehört zum Komplex des Stammhauses der jüdischen Industriellenfamilie Netter, deren bekanntestes Mitglied Carl Leopold Netter ist. Der 1864 in Bühl geborene Unternehmer und Mäzen entwickelte das Eisenwarengeschäft von Wolf Netter (ursprünglich Hauptstraße 60) zu einem der größten Unternehmen der Eisen- und Stahlindustrie in Europa mit Sitz in Berlin weiter (Wolf Netter & Jacobi). Netter war seit 1906 Ehrenbürger seiner Heimatstadt Bühl und stiftete unter anderem den Stadtgarten und den nach Großherzog Friedrich benannten Aussichtsturm im Rebland.
Das Haus an der Ecke Hauptstraße/Dreherstraße wurde 1903 als Nachfolger eines zweigeschossigen spätbarocken Hauses nach Plänen von Ludwig Kuen gebaut. Der war damals ein angesehener Bühler Architekt und plante ebenfalls 1897 das Haus von Otto Wenk (Eisenbahnstraße 23). Dieses Gebäude in Bühls zum Bahnhof führender Prachtstraße („Tor zu Welt“) ist heute Bestandteil der bislang einzigen Erhaltungssatzung der Kommune.
Im Gegensatz zum bescheidenen Vorgängerbau ist das heutige Schuhhaus sehr viel prächtiger. Das Eckhaus besitzt eine aufwendige Sandsteinfassade und ist symmetrisch gestaltet. Die abgeschrägte Ecke, in der sich ursprünglich das Hauptportal befand, ist mit einem Balkon und Fensterüberdachungen prachtvoll. Die Fenster im Erdgeschoss entlang der Dreherstraße und der Hauptstraße (diese sind nicht erhalten) sind rundbogig, die Mauerstreifen dazwischen aufwendig bossiert. Das Obergeschoss mit Rechteckfenstern ist weniger reich.
„Wegen seiner architekturgeschichtlichen Aussagekraft und wegen seiner qualitätvollen Gestaltung ist der Bau ein Kulturdenkmal aus wissenschaftlichen und künstlerischen Gründen“, schrieb die Kunsthistorikerin Wiltrud Heber 1999 in der Denkmalliste. Am Erhalt bestehe wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Werts ein öffentliches Interesse.