Die Dortmunder Band Dieselknecht eröffnet das 17. Internationale Bluegrass-Festival in Bühl. | Foto: pr

Dieselknecht beim Bühler Bluegrass-Festival

Heavy Metal schwingt noch immer mit

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Die Band Dieselknecht aus Dortmund eröffnet zusammen mit der Formation „Henhouse Prowlers“ (Chicago) am Freitag, 17. Mai, das 17. Internationale Bühler Bluegrass-Festival. Unser Redaktionsmitglied Klaus-Peter Maier sprach mit Frank Kleingünther, Banjo-Spieler, Gitarrist und Sänger von Dieselknecht, über die Verbindung von amerikanischer Musik und deutschen Texten – und über seine frühe Leidenschaft zu Punk und Heavy Metal.

Americana auf Deutsch, wie geht das zusammen?

Kleingünther: Americana ist ja ein weit gefasster Begriff. Vor der Dieselknecht-Zeit, wir hießen noch The Mountain Boys, haben wir einen ähnlichen Sound gehabt, aber auf Englisch gesungen. Irgendwann kam aber die Feststellung, dass wir uns wohler fühlen, auf Deutsch zu singen. Zufälligerweise kam gerade zu dieser Zeit eine Anfrage, ob wir uns vorstellen könnten, mit unserem Sound einen Song zu einem Kinofilm beizutragen. Die Entwicklung war nicht konkret geplant, im Nachhinein erscheint sie uns aber total logisch, zumal wir uns in unserer eigenen Sprache viel authentischer ausdrücken können. Für die Zuschauer hat es den zusätzlichen Reiz, dass sie mehr auf die Texte achten und uns quasi besser „zuhören“ können. Dieser Wandel war letztlich ein großer Fortschritt.

Roland Heinrich, der 2007 beim Festival in Bühl gastierte, hat das ja auch erfolgreich praktiziert mit Songs von Jimmie Rodgers…

Kleingünther: Ja, und mit Roland Heinrich sind wir seit langem ganz dick befreundet, das kann man gar nicht anders sagen. Er wohnt zwar jetzt in Berlin, kommt aber aus Oberhausen und das Ruhrgebiet ist immer Thema für ihn geblieben. Er war früher auch Bassist in einer Dortmunder Band, den Sunnysiders, dort haben wir ihn kennengelernt. Mit Roland haben wir häufig getourt und auf seinem kleinen Label „AgrarBerlin“ auch diverse Singles veröffentlicht.

Sie sind mit Heavy Metal und Punkrock groß geworden, wie kamen sie dann ausgerechnet zur Countrymusik?

Kleingünther: Ja, wir sind älter geworden und haben natürlich unseren Musikgeschmack erweitert. Zuerst waren es die klassischen Country-Bands mit einer eher „rebellischen“ Einstellung wie die von Johnny Cash oder Merle Haggard. Das passt eigentlich von der Attitüde her auch ganz gut zum Punkrock. Meine erste Entdeckung war Jerry Reed mit seiner unheimlichen Energie, Leichtigkeit und Witz. Irgendwie war und ist Country ja auch eine Musik, mit der man schön älter werden kann. Denn irgendwann nimmt es einem keiner mehr ab, wenn man Metal macht und einem schon längst die Haare ausgefallen sind.

Wie viel Heavy Metal schwingt heute noch im Dieselknecht-Sound mit?

Kleingünther: Ach ja (lacht), mal sind es 80 Prozent, oft sind es nur 30 oder weniger Prozent. Das ist ganz unterschiedlich, aber mehr oder weniger schwingt das immer noch mit. Wir haben auf jeden Fall eisernen Durchhaltewillen …

…wie der Song „Ich glaub an Hardcore und Black Metal“ auf Ihrer neuen CD „Meteor“ ja aufzeigt …

Kleingünther: Das ist schon ein Bekenntnis, aber eines mit Augenzwinkern – und mit Blick auf die eigene Jugend nach dem Motto „Was man damals alles so verzapft hat“. Wer kennt das nicht? Ich nenn es mal Jugendsünden, und wir haben sehr gerne gesündigt. Es war eine schöne Zeit.

Dieselknecht – das klingt nach Landluft und Acker. Sie aber zog’ s in die Ruhrmetropole Dortmund, wie kam’s?

Kleingünther: Das ganze Ruhrgebiet ist ja ein riesiger Zusammenschnitt von vielen Dörfern. Ich persönlich komme aus dem Münsterland und der Umzug nach Dortmund war studien- und arbeitstechnisch bedingt. Es gibt dort, wie im Ruhrgebiet allgemein, eine vielfältige Theater- und Musiklandschaft, eine lebhafte Folkszene und jede Menge guter Musiker und sogar Banjo-Spieler. In Hagen (Westfalen), beim dortigen Banjoree, bin ich dann auch an meine ersten richtigen Banjo-Cracks gekommen. Das Ruhrgebiet bietet nach wie vor viele Möglichkeiten, und wir Dieselknechte verstehen uns als Ruhrgebiets-Menschen – mit einem „Fremdkörper“: Unser Drummer wohnt noch in Mönchengladbach!
Frank Kleingünther, Banjo-Spieler, Gitarrist und Sänger von Dieselknecht. | Foto: pr

Bei Ihrem Auftritt in Bühl haben Sie Ihre neue CD „Meteor“ im Gepäck, was erwartet die Zuhörer?

Kleingünther: Wir werden sie natürlich mitbringen und (hoffentlich) auch verkaufen, aber nur auszugsweise spielen. Denn wir wollen dem Publikum natürlich die ganze Bandbreite unseres Live-Repertoires präsentieren und dabei die Knaller bringen. „Meteor“ ist ein Mix, die Aufarbeitung der Jugend und Herkunft ein Thema, und dementsprechend klingt die Musik zum Teil recht melancholisch, manchmal wiederum rau und experimentell, was den Sound angeht. Und es ist auch mal ’ne Orgel zu hören. Live werden wir allerdings auf die Orgel verzichten und den klassischen Sound anschlagen. Die Leute sollen einen schönen und lustigen Abend haben. Da kann man zwar auch mal melancholische Töne anschneiden, aber wir wollen das nicht überdrehen. Das Bier soll in Strömen fließen.

Wie definieren Sie den Stil der Band?

Kleingünther: Das ist total schwierig, aber Americana auf Deutsch passt schon ganz gut.

 

Jetzt geht es vom Ruhrpott in den tiefen Süden. Eine Premiere?

Kleingünther: In Bühl spielen wir das erste Mal. Aber wir haben gute Kontakte beispielsweise nach Tübingen, Reutlingen und Mannheim. Wir geben im Jahr circa 30 Konzerte und touren deutschlandweit von Berlin bis München, insofern ist uns auch der Süden nicht ganz unbekannt.

Kennen Sie das Bühler Bluegrass-Festival?

Kleingünther: Ich war bisher selbst nicht da, habe aber von Freunden und Bekannten in der Szene davon gehört. Das Festival in Bühl ist schon ein Begriff, auch hier in Dortmund, und hat einen guten Ruf. Wir werden dort Freunde aus Gelsenkirchen und Bochum sehen, die bereits Hotelzimmer gebucht haben und das ganze Wochenende in Bühl verbringen. Das heißt: Man kennt das Festival und nimmt eine unendlich lange Reise auf sich. Für uns wird das Gastspiel in Bühl sicherlich ein Highlight in diesem Jahr. Wir freuen uns wirklich sehr darauf.

Sieben Bands – eine mehr als im Vorjahr – gastieren beim 17. Internationalen Bühler Bluegrass-Festivals. Das Programm,   Freitag, 17. Mai:  „Bluegrass unter Hebebühnen“: 20 bis 23.30 Uhr, Firma Josef Oechsle, Henhouse Prowlers (USA) und Dieselknecht (Deutschland). Samstag, 18. Mai: Open Air am Johannesplatz (Eintritt frei): 11.30 bis 12 Uhr. Bluegrass Breakdown; 12.30 bis 13 Uhr, Stereo Naked (beide Deutschland). Bürgerhaus Neuer Markt: 17 bis 23.30 Uhr. Stereo Naked, Bluegrass Breakdown, Lonesome Ace Stringband (Kanada), Rob Ickes & The Hensley (USA) und Jeff Scroggings & Colorado (USA).
Karten gibt es im Bürgerhaus, Telefon (0 72 23) 9 31 67 99, sowie online unter www.eventim.de. Infos im Internet: www.buehl.de.