Der Entwurf von Julian Hettich und Daniel Uhrig ist landschaftstypisch und setzt doch neue Akzente. Die Jury wählte ihn mit Recht zum Sieger. | Foto: Julian Hettich und Daniel Uhrig

Studentischer Wettbewerb

Berghütte mit aufregender Raumvielfalt

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Es gibt viele tolle Ideen. Das Ergebnis des studentischen Wettbewerbs mit dem wohlklingenden Namen „Refugium im Schwarzwald“ wirft die Frage auf, wieso die Kommunen nicht viel häufiger mit den Lehrstühlen von Architekturfakultäten zusammenarbeiten, um sich Anregungen für Hochbauprojekte oder städtebauliche Maßnahmen zu holen. In diesem Fall ist es nur ein kleines, aber doch publikumswirksames Objekt, und zwar die Heidelberger Hütte. Sie liegt unterhalb der Schwarzwaldhochstraße knapp einen Kilometer westlich des Sand.

Stegreifentwurf

Das Fachgebiet Baukonstruktion des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), das von Professor Ludwig Wappner geleitet wird, hat die Studenten im Wintersemester 2017/18 zu einem Stegreifentwurf eingeladen. Die während des Dritten Reiches als Offiziersheim erbaute Hütte wurde 1951 vom Skiclub Heidelberg erworben, 1960 erweitert und umgebaut. 1978 wurde die Fassade gedämmt, allerdings entspricht diese Maßnahme längst nicht mehr den aktuellen bauphysikalischen Richtlinien. Jetzt gehört die Skihütte dem Bühler Gründerzentrum BITS. Geschäftsführer Jürgen Braun freute sich bereits beim Neujahrsempfang, dass das Gebäude zur Event-Location werden soll, die Unternehmen für Teambuilding-Maßnahmen und Kundenveranstaltungen zur Verfügung steht. Der piefige und angestaubte Charme des aktuellen Zustands erlaubt das freilich nicht.

Blick in beide Flügel der Skihütte: Der Entwurf stammt von Julian Hettich und Daniel Uhrig. | Foto: Julian Hettich und Daniel Uhrig

Einbindung in Natur

Das könnte sich ändern. Unter den 19 eingereichten studentischen Arbeiten, die von den Lehrstuhlmitarbeitern Ulrike Fischer und Peter Hoffmann betreut wurden, setzte die Jury den Entwurf Julian Hettich und Daniel Uhrig auf den ersten Platz. Mit Recht, denn die beiden angehenden Architekten haben die Vorgaben für den Stegreif überzeugend umgesetzt. Die äußere Hülle der Skihütte soll weitgehend erhalten bleiben, auf Ausblicke in den Schwarzwald und eine Einbindung in die Natur wird Wert gelegt.

Schnitt durch die Skihütte | Foto: Der Entwurf von Julian Hettich und Daniel Uhrig

Schwarzwaldtypischer Charakter

Hettich und Uhrig haben nur in einem geringen Maß in die Hülle der Hütte eingegriffen. Das Gebäude über L-förmigem Grundriss öffnet sich in ihrem Entwurf mit bodentiefen Fenstern, die kleine Rechteckfenster ersetzen und eine Verbindung zur Landschaft herstellen, zu einer neu angelegten Terrasse. Der schwarzwaldtypische Charakter des Gebäudes mit seiner verschindelten Fassade und dem ebenfalls verschindelten Walmdach bleibt aber erhalten. Dem unaufgeregten Äußeren steht ein aufregende Raumvielfalt im Inneren gegenüber. Den Innenraum des kleinen Hauses, der bisher durch räumliche Enge geprägt wurde, präsentiert sich völlig verändert. Weil die Schlafräume im Dachgeschoss nicht mehr benötigt werden, ist die Zwischendecke verschwunden. Der puristische Hauptraum wird durch einen offenen Dachstuhl geprägt und ist einheitlich bis in den First mit Holz verkleidet. Im zweiten Flügel des L-förmigen Gebäudes, in dem die Zwischendecke teilweise erhalten bleibt, ist der Raumeindruck dank einer eingebauten Empore über dem Eingang ein völlig anderer. Nebenräume sind lediglich durch Vorhänge abgetrennt, so dass der relativ kleine Innenraum fließend gestaltet ist und eine gewisse Großzügigkeit ausstrahlt.

Aufriss der Skihütte: Entwurf von Der Entwurf von Julian Hettich und Daniel Uhrig | Foto: Der Entwurf von Julian Hettich und Daniel Uhrig

Portikus aus Beton

Katharina Blümke und Paulina Hipp erhielten für ihren Entwurf den zweiten Preis. Sie verpassen der Skihütte einen neuen Eingang, den sie versetzen. Der Portikus aus Beton bildet einen Kontrapunkt zur landschaftstypischen Schwarzwaldarchitektur. Diese Haltung setzt sich in dem intim wirkenden und mit Holz verkleideten Innenraum fort, wo die Studentinnen mit einem ebenfalls portikusartigen Kamin überraschen, der bis in den Giebel aufsteigt.

Neuer Eingangsbau

Die größten Eingriffe in die Substanz der Außenarchitektur zeigt der drittplatzierte Entwurf von Ruth Bartelmann und Jonas Zink. Der neue Eingangsbau im Winkel der beiden Hüttentrakte setzt sich durch vereinfachte Form, Material und Farbigkeit überdeutlich vom Bestand ab. Die Wand geht bei diesem grauen Monolith ansatzlos ins Dach über. Auch das Innere wird durch Grautöne bestimmt. Lediglich Einbauten aus Holz setzen farbliche Tupfer.

Grundriss der Skihütte. Entwurf von Der Entwurf von Julian Hettich und Daniel Uhrig | Foto: Der Entwurf von Julian Hettich und Daniel Uhrig

Gute Entscheidung

Das Preisgericht hat den Entwurf belohnt, der sehr einfühlsam mit dem Bestand umgeht und auch im Innenraum eine Architektursprache entwickelt, die sich an der regional typischen Architektur im Höhengebiet orientiert. Hinzu kommt die große Nutzerfreundlichkeit dieser Planung, die in vielen Punkten im Hinblick auf die neue Aufgabe der Hütte praxistauglich erscheint.

Service

Die Entwürfe sind noch bis zum 15. Juni bei USM (Siemenststraße 4 a) in Bühl zu sehen (Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und Freitag von 8 bis 13.00 Uhr). Am 10. Juli wird die Ausstellung der Entwürfe um 19 Uhr im Architekturschaufenster in Karlsruhe (Waldstraße 8) eröffnet.