Die "Traube" in der Eisentaler Dorfmitte: Nachdem der „Weinberg“ an die Stadt verkauft wurde und die „Traube“-Besitzer Verkaufspläne haben, wächst im Dorf die Sorge um das künftige gastronomische Angebot. | Foto: Lienhard

„Traube“ in Bühl-Eisental

Hoffnung auf gastronomische Zukunft

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Die „Traube“ ist der Mittelpunkt Eisentals. Das liegt nicht allein an der Nachbarschaft von Kirche und Rathaus: Das mehr als 200 Jahre alte Gasthaus war und ist der Anlaufpunkt im Dorf, wo der eine ein gutes Essen sucht, der andere etwas Abwechslung vom Alltag und wieder andere im Gespräch am Tresen ein bisschen Lebenshilfe. Die „Traube“ ist eine Eisentaler Institution, ohne sie ist die Dorfmitte kaum vorstellbar. Und doch könnte diese Situation eintreten. Klaus und Marlene Fröhlich haben die 60 überschritten und denken ans Aufhören, wollen das Gasthaus verkaufen. Dass sich ein Käufer findet, der es gastronomisch weiterführt, dafür gibt es keine Garantie, wie der Fall „Weinberg“ zeigt. Das Gasthaus, nur wenige hundert Meter von der „Traube“ entfernt, war jahrelang vergeblich angeboten worden, ehe es schließlich die Stadt Bühl kaufte, um darin Wohnungen für sozial Schwache und Flüchtlinge einzurichten.

Öffnungszeiten bereits reduziert

Dass das Ehepaar ans Aufhören denkt, ist in Eisental schon durchgesickert. Es hat bereits zurückgesteckt, hat einen weiteren Ruhetag eingeführt und den bis vor einem Jahr werktäglichen Mittagstisch gestrichen. Immer wieder werde es darauf angesprochen, und nach dem „Weinberg“-Verkauf sei die Befürchtung, dass die nächste Gaststätte vom Markt verschwinden könnte, groß. Eine Nutzung fernab der Gastronomie mag sich Klaus Fröhlich für die „Traube“ nicht ausmalen. Eine solche Situation will er unbedingt verhindern: „Ich möchte die Gastronomie erhalten wissen.“

Seit 1983 führen Marlene und Klaus Fröhlich das Eisentaler Traditionsgasthaus.  Foto: Lienhard | Foto: Lienhard

Viele Probleme in der Gastronomie

Dabei gebe es derzeit aber keinen Zeitdruck. Fröhlich ist in intensiven Gesprächen mit einem Fachberater vom Hotel- und Gaststättenverband, der ihn beim geplanten Verkauf mit fachlicher Expertise begleiten soll. Im kommenden Jahr, so die Planung, soll es an die Vermarktung gehen. Gleichwohl weiß das Ehepaar, dass der Verkauf eines Gasthauses schon lange kein Selbstläufer mehr ist. Zwar gebe es immer wieder junge Fachehepaare, die sich selbstständig machen wollten. Doch in vielen Fällen scheitere ein Kauf an den ausbleibenden Kreditzusagen der Banken. Es sei dies aber nur eines der vielen Probleme, mit denen die Gastronomie zu kämpfen habe. Die Personalsituation sei sehr angespannt, Mitarbeiter kaum zu finden, weiß Klaus Fröhlich auch aus zahlreichen Gesprächen im Dehoga-Kreisvorstand, dem er seit vielen Jahren angehört. Zu einem besonderen „Knackpunkt“ seien bürokratische Hemmnisse geworden. Jeden Tag verbringe er mindestens eine Stunde am PC, um etwa der Dokumentationspflicht zu genügen: „Das belastet einen Familienbetrieb enorm.“ Und schließlich sei die nachfolgende Generation in vielen Fällen (die „Traube“ gehört auch dazu) nicht mehr an einer eigenverantwortlichen Fortführung des Betriebs interessiert. „Mit einem geregelten Privatleben sind die Arbeitszeiten in der Gastronomie nicht zu vereinbaren“, weiß das Ehepaar Fröhlich aus jahrzehntelanger Erfahrung.

Nur Verkauf kommt infrage

Zwar gebe es bei der „Traube“ die Möglichkeit, die Öffnungszeiten weiter zu reduzieren, oder das Haus könnte als Hotel garni weitergeführt werden (34 Betten stehen zur Verfügung), aber das wäre für Klaus Fröhlich nur eine Notlösung, die keinen langen Bestand hätte. Deshalb komme nur ein Verkauf infrage, an dessen Ende die „Traube“ das bleiben soll, was sie seit vielen Jahrzehnten ist: der Mittelpunkt Eisentals.

 

Das Gasthaus „Traube“ blickt auf eine mehr als 200 Jahre lange Geschichte zurück. Am 9. Juli 1807 wurde die Schildgerechtigkeit für die „Gasthwirtschaft zur Traube in Eisental zunächst der Kirche“ erneuert. Der Besitzer war der 1783 in Eisental geborene Egidius Bauer. Nach einem Brand 1863 wurde das Haus neu ausgebaut. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die „Traube“ im Besitz der Familie Bauer. Nachdem sie zunächst verpachtet wurde, wurde sie im April 1958 schließlich an Ludwig Fröhlich verkauft. Seit 1983 wird das Haus von Klaus und Marlene Fröhlich geführt. Lange gehörte auch eine Bäckerei und Konditorei dazu, die aber mittlerweile geschlossen wurde