Am Ende seiner Neujahrsansprache im voll besetzen Bürgerhaus Neuer Markt kündigte Hubert Schnurr seine erneute Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters an. | Foto: Bernhard Margull

Bühl: OB kündigt Kandidatur an

Hubert Schnurr tritt wieder an

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Hubert Schnurr machte es spannend. Erst ganz am Schluss seiner 48-minütigen Neujahrsansprache ließ er die Katze aus dem Sack: Der Bühler Oberbürgermeister strebt eine zweite Amtszeit an. Er verspüre Appetit auf die Zukunft, griff Schnurr ein Zitat des britischen Wissenschaftlers Charles Percy Snow auf. Für die Ankündigung gab es spontanen Applaus.

Das Bild einer dynamischen Stadt

Was diesen Appetit nährt, hatte er zuvor beim von einem Lehrerensemble der Musikschule unter Leitung von Bernhard Löffler umrahmten Neujahrsempfang im Bürgerhaus Neuer Markt deutlich gemacht. Er zeichnete das Bild einer wirtschaftlich kerngesunden und dynamischen Stadt. 2019 könnten nahezu 30 Millionen Euro im Stadthaushalt und in den Eigenbetrieben investiert werden. Zu verdanken sei diese Entwicklung vor allem auch „der Wirtschaftsstärke unserer Betriebe – vom Handwerksbetrieb bis zum Global Player“. Mittelfristig entwickelten sich die Bühler Gewerbesteuereinnahmen wieder Richtung 30 Millionen Euro. Mindestens genauso wichtig sei der positive Trend bei der Einkommensteuer mit mittlerweile 20,5 Millionen Euro.
Die Stadtverwaltung wolle die wirtschaftliche Dynamik nicht nur begleiten, sondern auch ein Teil von ihr sein: „Wir wollen diesen Rückenwind aufnehmen, um ganz aktiv in die Zukunft zu starten.“ Wichtig ist Schnurr, dass an dieser Dynamik auch die Stadtteile partizipieren und dabei ihre Individualität und Identität bewahren können. Es sei bereits viel erreicht worden, etwa beim Thema Bürgerbeteiligung; das enorme Tempo im Wirtschaftsleben der Stadt erfordere aber auch einen ganz engen Draht zur Wirtschaft, um gemeinsam gestalten zu können. In einem Workshop mit den Unternehmen seien Themen wie Umwelt und Natur, Wohnraum für alle, Bildung und Kultur, Digitalisierung oder die Mobilität von morgen intensiv diskutiert worden.

Mensa-Standort bekräftigt

Schnurr skizzierte in seiner Ansprache die wesentlichen Themen, beginnend bei Umweltfragen. 75 Hektar Siedlungsgrün würden unterhalten, dazu gehörten Parks, kleine Grünflächen, Straßenbegleitgrün und etwa 8 250 Bäume im öffentlichen Raum, zu denen jährlich Neupflanzungen kämen. „Dennoch ist es anerkennenswert, dass sich eine Bürgerinitiative für den Erhalt von drei Bäumen einsetzt“, sagte Schnurr und lenkte den Blick damit auch auf das Thema Bildung und Kultur. Der Bau einer Mensa für die Aloys-Schreiber-Schule und die Carl-Netter-Realschule sei dringend geboten. Dies gelte auch für die Klassenräume, die in dem Neubau vorgesehen seien. „Die Positionierung des Gebäudes halten wir für ideal“, bekräftigte Schnurr. Er erinnerte zudem an das von der Verwaltung entwickelte Vier-Säulen-Modell, mit dem der Wohnungsmarkt entlastet werden soll.

Schwerpunktthema Mobilität

Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Mobilität. Es gelte, die in den vorhandenen Angeboten und Netzen bestehenden Schwachstellen zu beheben: „Wir werden auf der Basis des Mobilitätskonzepts der Wirtschaftsregion Mittelbaden alle relevanten Themen angehen“, kündigte der Oberbürgermeister an. Dazu zählte er auch die Neustrukturierung des Öffentlichen Nahverkehrs mit Neukonzeption der City-Linie, Stärkung der S-Bahnanbindung durch neue Haltestellen im Bereich Bußmatten und Bühl-Süd/Hatzenweier und der Revitalisierung des SWEG-Gleises zum Baden Airpark.

Visionen fürs Stadtbild

Daneben müsse auch am Stadtbild weitergearbeitet werden. Schnurr skizzierte die Vision, nach der Generalsanierung der Sparkasse den Stadtgarten mit dem Sparkassen- beziehungsweise Europaplatz „kreativ zu verbinden und auch die Brücke zum Campus zu schlagen“. Dadurch könne eine sehr attraktive Abfolge fußläufiger Verbindungen mit ansprechenden Plätzen vom Hänferdorf bis zum Bahnhof entstehen, sagte Schnurr. So sieht er eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Stadt weiterzuentwickeln, die seinen Appetit auf Zukunft stärkten. Und so wolle er noch mal für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren. Er halte es in abgewandelter Form mit dem einstigen Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni: „Ich habe noch lange nicht fertig!

 

Kommentar

Die Überraschung hielt sich in Grenzen. Dass Hubert Schnurr noch einmal antreten würde, wenn (voraussichtlich) am 13. Oktober der Bühler Oberbürgermeister gewählt wird, war zu erwarten. Zum Jahreswechsel hatte er im ABB-Interview auf die Frage, ob seine erneute Kandidatur für den Kreistag ein Fingerzeig in diese Richtung sei, geantwortet, dass über den Sitz im Kreistag auch die Mitarbeit im Regionalverband möglich sei, dort, wo die Weichen für bauliche Entwicklungen gestellt werden. Und die Mitgliedschaft dort sei ein Muss bei dem, „was wir in Bühl noch vorhaben“. Übersetzt: Hubert Schnurr hat Pläne und Ziele für die Stadt, er hat den Kurs für das Schiff festgelegt und will das Ruder in der Hand behalten. Im Übrigen hatte Schnurr schon vor acht Jahren gesagt, dass nur eine Amtszeit nicht in seinem Sinne sei. Es ist völlig nachvollziehbar, wenn er die auf den Weg gebrachten Großprojekte selbst ins Ziel bringen möchte, sei es Campus oder Windeck-Gymnasium, um nur zwei Beispiele zu nennen. Ob die „Mannschaft“, sprich das Wahlvolk, auf dem Schiff ihrem Kapitän dabei weiterhin vertraut, wird sich zeigen; das Risiko dürfte dem Amtsinhaber bewusst sein: Es ist integraler Bestandteil eines öffentlichen Wahlamts und macht die Demokratie spannend. Der Wahlkampf dürfte jedenfalls begonnen haben.