PLANVORSTELLUNG: Peter A. Lehnhoff, Hubert Schnurr, Thomas Velten und Tilo Trautmann (von links) erläuterten die Bauvorhaben auf dem Lörch-Areal. | Foto: Lienhard

Lörch-Areal in Bühl

Im Herbst könnten die Bagger anrollen

Die Eisenbiegler Projekt GmbH & Co. KG und die 3L-Projekt GmbH & Co. KG haben das Lörch-Areal erworben und wollen es voraussichtlich vom Spätjahr an bebauen. Die Investitionssumme dürfte sich einschließlich des Grundstücksgeschäfts auf etwas mehr als zehn Millionen Euro belaufen. Die Bauzeit soll rund eineinhalb Jahre betragen. Insgesamt werden 40 bis 45 Wohneinheiten geschaffen, allerdings könnten auch Arztpraxen oder Büros entstehen. Mit der Planung haben die Investoren Tilo Trautmann (mit seinem Sohn Marc) und Peter A. Lehnhoff (mit seinen Söhnen Louis und Leon) das Bühler Büro Planum beauftragt. Das sind die Eckpunkte der mit Spannung erwarteten Vorstellung der Pläne zur Zukunft des innerstädtischen Filetstücks.

Hochwertiges Wohngebiet geplant

„Jetzt ist es so weit“: So eröffnete Oberbürgermeister Hubert Schnurr die Pressekonferenz. Kurz nach Weihnachten war bekannt geworden, dass zwei Bühler Investoren das Gelände erworben hatten, beim Neujahrsempfang nannte Schnurr erste Planungsdetails: zwei die Villa Lörch flankierende Neubauten in der Eisenbahnstraße und drei Punkthäuser im rückwärtigen Bereich zur Carl-Netter-Realschule, dazu eine Tiefgarage für sämtliche sechs Gebäude. Jetzt erläuterte Thomas Velten vom Büro Planum die Einzelheiten. Das Ziel sei ein „hochwertiges innerstädtisches Wohngebiet mit einer hohen Aufenthaltsqualität“.
Die beiden Bauten in der Eisenbahnstraße sollen identisch werden und sich an die Vorgaben der Erhaltungssatzung Westliche Eisenbahnstraße halten, so Velten. Das Haus IV werde künftig mit dem benachbarten Haus eine optische Einheit bilden, die durch den Grundstückszuschnitt entstehende kleine Lücke werde geschlossen. Die Villa selbst sieht Velten in gutem Zustand: „Als ich zum ersten Mal rein bin, war ich auf alles gefasst. Für die lange Zeit, in der sie ungeheizt stand, ist sie in einem erstaunlich guten Zustand. Sie abzureißen wäre das Falsche gewesen.“ Die Villa wieder unter Denkmalschutz zu stellen, hält Trautmann für überflüssig: „Sie bleibt so erhalten, wie sie war.“

Drei Punkthäuser mit je elf Wohneinheiten

Die viergeschossigen, in der Kubatur identischen Punkthäuser mit jeweils elf Wohneinheiten erhalten eine maximale Traufhöhe von 12,50 Meter, was sich am benachbarten Modehaus Pfeiffer orientiert. Das Dach ist flach geneigt. „Die Häuser bilden einen städtebaulichen Abschluss zur Schule hin.“ Wie die Punkthäuser aussehen könnten, zeige ein Bauprojekt in der Karl-Fanz-Straße, das ebenfalls von den Planum-Architekten entworfen wurde: „Da erkennt man schon die Handschrift“, sagte Peter A. Lehnhoff. Das gesamte Lörch-Areal wird so gut wie möglich begrünt. Auf einer Fläche von 130 Quadratmetern soll ein Kinderspielplatz entstehen. Dinge wie Radabstellplätze und Müllcontainer werden in die Tiefgarage integriert, um oberirdisch freie Fläche zu sichern.
Die Tiefgarage mit an die 60 Stellplätzen will Velten mit seinem Kollegen Michael Schönle an alle sechs Gebäude anbinden. Die Zufahrt zur Tiefgarage sei nur von der Herbert-Odenheimer-Straße her sinnvoll. Die Verkehrsverhältnisse in der Eisenbahnstraße seien zu problematisch. Allerdings bräuchte es für diese Lösung einen Streifen städtischen Geländes. „Das ist die einzig vernünftige Möglichkeit“, sagte auch Hubert Schnurr. Mit der Leitung der benachbarten Realschule sei schon gesprochen worden; die Stadt wolle den benötigten Platz zur Verfügung stellen, da in diesem Bereich ausreichend Freiflächen vorhanden seien. Schnurr will aber noch die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs „Campus Bühl“ abwarten. Hier tagt am 15. März das Preisgericht.

Bereits jetzt viele Anfragen

Ende März wird der Gemeinderat über die Änderung des Bebauungsplans entscheiden. Nach der Sommerpause könnte die Baugenehmigung auf dem Tisch liegen, signalisierte Schnurr. Mit dem Baubeginn wird laut Tilo Trautmann auch die Vermarktung der Eigentumswohnungen beginnen. Schon jetzt gebe es viele Anfragen. Diese Nachfrage überrasche ihn nicht, sagte Trautmann: „Es gibt in der Innenstadt keine vergleichbar gute Lage für einen Neubau.“ Die entstehenden Bauten sollen dem mit hoher Qualität entsprechen: „Wir wollen etwas Schönes daraus machen.“

Verhandlungen dauerten ein halbes Jahr

Am Anfang stand ein Gespräch: Peter A. Lehnhoff unterhielt sich mit Corina Bergmaier, der städtischen Wirtschaftsförderin, über verschiedene Dinge, und die Rede kam auch auf das Lörch-Areal. Lehnhoff zeigte sich interessiert, Bergmaier vermittelte den Kontakt zum Anwalt des in der Schweiz lebenden damaligen Besitzers. Beim ersten Gespräch sei er noch nicht auf offene Ohren gestoßen, berichtete Lehnhoff gestern. Das habe sich aber geändert. „Ich habe dann meinen alten Schulfreund Tilo Trautmann gefragt, ob er auch Interesse habe.“ Damit waren die Weichen gestellt. Ein knappes halbes Jahr dauerten die Verhandlungen mit dem am Bodensee ansässigen Anwalt des Kunstsammlers (der sein Privatmuseum jetzt in der Schweiz, unweit vom Bodensee, errichtet). Kurz vor dem Notartermin in Konstanz stand das ausgehandelte Geschäft noch mal auf der Kippe, die Unterschrift des Verkäufers war infrage gestellt. Doch er änderte seine Meinung wieder und stimmte anderntags schließlich zu. „Wir hatten bis 14 Uhr eine Entscheidung erbeten, sie kam dann schon morgens um 10 Uhr“, so Trautmann.
Lehnhoff und Trautmann waren keineswegs die einzigen Investoren, die sich nach dem Rückzug des Kunstsammlers für das Gelände interessierten. Andere seien aber bereits am Telefon abgewiesen worden, wie Oberbürgermeister Hubert Schnurr sagte. Sie seien als „Spione der Stadt“ eingestuft worden. Zwischen dem Vorbesitzer und der Stadtverwaltung war das Tischtuch zerschnitten, nachdem das Vorhaben, die Villa Lörch abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, verhindert wurde. Jetzt ist das Vergangenheit, der Blick geht wieder nach vorne.

Gute Lösung für die Stadt

Hubert Schnurr dankte den Investoren für ihr Engagement: „Ich bin glücklich, dass es so gekommen ist“. Er sprach von einer guten Lösung für die Stadt und auch für das Lörch-Areal selbst. Dass etwas Hochwertiges entstehen werde, davon zeigte er sich überzeugt. Tilo Trautmann versprach es: „Wir werden unser Bestes geben.“