Komplettes Chaos: So präsentieren sich viele Wohnungen, wenn die Mietnomaden endlich ausgezogen sind. Unser Foto ist ein Symbolbild. | Foto: pr

Angst vor Mietnomaden

In der Küche krabbeln die Maden

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500 Wohnungen stehen in Bühl leer. Die Stadt will diese angesichts der Wohnungsnot mit einem vom Gemeinderat beschlossenen Programm reaktivieren und bietet den Eigentümern neben finanzieller Unterstützung auch kostenlose Serviceleistungen (wir berichteten). Die Besitzer haben allerdings nur allzu oft schlechte Erfahrungen mit Mietnomaden gemacht.

Ein krasser Fall

Von einem krassen Fall berichtet ein Geschäftsmann, der ein Haus mit einem selbst genutzten Ladenlokal in der Innenstadt besitzt. Darüber befindet sich im Obergeschoss eine Drei-Zimmer-Wohnung und im Dachgeschoss eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Gleich beide wurden innerhalb von nur drei Jahren von Mietnomaden zerstört. Alleine der Sachschaden, der bei der größeren Wohnung entstanden ist, beläuft sich auf rund 30 000 Euro.

Nackt am Frühstückstisch

Alles fing ganz harmlos an. „Die Mutter, die mit ihrer 16-jährigen Tochter in die größere komplett möblierte Wohnung eingezogen war, machte einen guten Eindruck“, berichtet der Geschäftsmann. „Später sind der neue Lebensgefährte der Frau und der Freund der Tochter dazu gekommen.“ Der Vermieter wunderte sich, als das Paar neue weniger transparente Vorhänge forderte. „Wir frühstücken gerne nackt und wollen nicht, dass uns die Nachbarn durchs Fenster beobachten“, lautete die Begründung.

Auszug bei Nacht und Nebel

Von einem Nachbarn erfuhr der Geschäftsmann schließlich, dass seine Mieter nach zweieinhalb Jahren in einer Nacht- und Nebel-Aktion und ohne Kündigung ausgezogen waren. Als er die Wohnungstür öffnete, sah er ein Bild der Verwüstung. Alle Türen waren eingetreten, die Lampen an der Decke zerschlagen, der Teppichboden ruiniert. An der Polstergarnitur im Wohnzimmer hatten die Mieter ihre Zigaretten ausgedrückt.

Es stank erbärmlich

In den zahlreichen Mülltüten, die sich in der Küche stapelten, krabbelten die Maden. Es stank erbärmlich. Waschmaschine und Trockner, die dem Vermieter gehörten, hatten die Mieter beim Auszug gleich mitgenommen. Der Geschäftsmann ging zu einem Rechtsanwalt. „Wollen Sie schlechtem Geld gutes hinterherwerfen?“ fragte der. „Den Schaden ersetzt ihnen niemand.“ Die Handy-Rechnung der Tochter, die Wochen später im Briefkasten landete, wies Schulden von 4 000 Euro aus.

Möbel waren schrottreif

Die Wohnung wurde ausgeräumt und befindet sich nun in einer Art Rohbauzustand. „Die Polstermöbel habe ich einer Hundepension, die nach kostenlosen gebrauchten Sesseln und Sofas suchte, angeboten“, erinnert sich der Vermieter. Als die Inhaberin sich die Möbel anschaute, winkte sie ab: „Das kann ich meinen Hunden nicht anbieten!“

Messerstecher

Mit der Dachwohnung erlebte der Geschäftsmann eine weitere Katastrophe. Ein Bühler Unternehmer hatte ihn gefragt, ob er nicht an seinen neuen Fahrer vermieten wolle. Schon bald gab es Probleme. Weil der Mann in eine Messerstecherei verwickelt war, durchsuchte die Polizei seine Wohnung. Wenig später klemmten ihm die Stadtwerke wegen ausstehender Zahlungen den Strom ab. „Dann bediente sich der Mann mit einem Verlängerungskabel an einer Steckdose in meinem Laden“, berichtet der Vermieter. Schließlich bedrohte der Störenfried den Sohn des Vermieters.

Mietrückstände

Nun erhielt er prompt die Kündigung, wollte aber nicht ausziehen. Die Miete, die vorher nur sporadisch gezahlt worden war, blieb nun ganz aus. Irgendwann konnte der Geschäftsmann die Mutter seines Mieters ausfindig machen. Sie bewegte ihren Sohn dazu, nach zwei Jahren die Wohnung zu räumen.
Die war allerdings völlig ruiniert. Der Mieter hatte nur auf einer Matratze gehaust. Den teuren Einbauschrank und die Holzdecke hatte er im Zebramuster mit bunten Farben lackiert. „Beides ist nicht mehr zu gebrauchen“, klagt der Vermieter.

Was wird aus der Initiative der Stadt?

Die Initiative der Stadt, die Wohnraum reaktivieren will, findet der Bühler trotzdem gut. „Ich werde aber nicht mitmachen“, sagt er. „Nach diesen Vorfällen bin ich einfach zu misstrauisch und habe keine Lust mehr auf neue Mieter.“