Blick von Bühlertal über Altschweier nach Bühl: Die Ferienregion hat im vergangenen Jahr stärker zugelegt als das Feriengebiet Schwarzwald und das Land. | Foto: Lienhard

Tourismuszahlen Bühl/Bühlertal

In die gute Bilanz mischt sich Skepsis

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Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr stimmen zufrieden, der Blick in die Zukunft ist von Skepsis geprägt: Auf diesen Nenner bringt Tino Rettig das Tourismusgeschäft. Der Leiter der Tourist-Information der Ferienregion Bühl-Bühlertal hat jetzt die Übernachtungsstatistik für 2018 vorgelegt.

Dem Landestrend voraus

Dem Landestrend ist die Region noch etwas vorausgeeilt: Die Übernachtungszahlen sind im vergangenen Jahr um rund 4,6 Prozent gestiegen; im gesamten Feriengebiet Schwarzwald waren es 2,4 Prozent und im Land Baden-Württemberg 3,6 Prozent. Dabei liegt die Zahl der Gästeankünfte sogar um gut ein Prozent unter dem Vorjahr, was eine leicht erhöhte Aufenthaltsdauer mit nun durchschnittlich 2,5 Tagen mehr als wettmachte. Rettig weist aber darauf hin, dass die Steigerung bei den Übernachtungszahlen in erster Linie in Bühl zu verzeichnen gewesen sei; Bühlertal liege auf dem Vorjahresniveau. „Wir haben hier immer Wellenbewegungen“, sagt der Tourismusexperte, „mal geht es in Bühl stärker nach oben, mal in Bühlertal.“ Dazu dürften die tatsächlichen Gäste- und Übernachtungszahlen in Bühl noch höher liegen: Die amtliche Statistik erfasst hier nur gewerbliche Gastgeber ab mindestens zehn Betten, kleinere Anbieter müssen ihre Zahlen nicht angeben. Als wichtigsten Grund für die gute Entwicklung nennt Rettig die stabile Wirtschaftslage: „Das ist die Hauptsäule“, verweist Rettig auf international tätige Unternehmen. Das „Top-Wetter“ habe 2018 aber auch zu mehr Kurzurlaubern geführt. Nicht unterschätzt werden dürfe aber auch das kulturelle Angebot: Veranstaltungen wie Zwetschgenfest oder Bluegrassfestival führten stets zu guten Belegungen in den Beherbergungsbetrieben. Weitere Pluspunkte sieht Rettig in einer attraktiven touristischen Wege-Infrastruktur für aktives Naturerlebnis sowie in der Vermarktung in regionaler Kooperation auf der Ebene des Landkreises, der Nationalparkregion und des Schwarzwaldes.

Gasthaussterben macht Sorgen

Sorgen bereitet Rettig die Entwicklung in der Gastronomie. Das Gasthaussterben mag nicht überraschend kommen, „aber die Intensität, mit der es die Betriebe beutelt, fällt vielleicht noch schlimmer aus befürchtet“. Rettig hofft auf eine Trendwende; er weiß aber auch, dass die gute Auslastung der regionalen Wirtschaft ein entsprechendes Arbeitsplatzangebot schafft und Kräfte aus der Dienstleistungsbranche abzieht. „Dabei gibt es in der Gastronomie tolle Berufe“, wirbt Rettig und hofft, „dass die, die dabei sind, auch dabei bleiben“. Ein anderer Aspekt ist die oft vergebliche Suche nach Nachfolgern: „Die automatische Unternehmensnachfolge gibt es leider nicht mehr.“ Gerade das mittlere Segment der Gastronomie-Hierarchie dünne deshalb aus. Die Branche sei im Umbruch, und wenn dadurch Betten wegfallen, stimmt Rettig das skeptisch. Aktuell aber gebe es keine größeren Veränderungen. „Die Bettenzahlen liegen konstant um die 2 000, wobei hier mal etwas wegfällt und dort etwas dazu kommt“, sagt Rettig.

In Bühl lag die Zahl der Gästeankünfte im vergangenen Jahr bei 66 307. Gezählt wurden 162 215 Übernachtungen; die durchschnittliche Verweildauer betrug 2,4 Tage.In Bühlertal waren es 11 182 Ankünfte und 29 699 Übernachtungen, die Verweildauer betrug im Schnitt 2,7 Tage. In Bühl stehen 1 400 Gästebetten zur Verfügung, in Bühlertal 600. Anders als im Landkreis insgesamt sei der Zuwachs bei den Übernachtungen in der Ferienregion mit plus 5,5 Prozent in erster Linie auf die Gäste aus dem Inland zurückzuführen, so Tino Rettig, der Leiter der Tourist-Information der Ferienregion Bühl-Bühlertal. Bei den Besuchern aus dem Ausland ergibt sich ein Zuwachs von 1,1 Prozent. Bei einem Anteil von knapp 20 Prozent geht jede fünfte Übernachtung auf einen Gast aus dem Ausland zurück. Die wichtigsten Herkunftsländer sind die Niederlande, China, Ungarn, Frankreich und die Schweiz, die stärksten Monate Juli, August und Mai.