Jonas Zielinski ist Erzieher im Neusatzer Kindergarten. „Es macht einfach Spaß“, betont der „Mann im Kiga“, ob – wie hier – mit den Kindern im Sandkasten, ob im ABC-Raum oder bei Vogelstimmenwanderungen. | Foto: Klatt

Vorreiter: Einziger Erzieher

Jonas Zielinski in Bühl: Der Mann im Kiga ist viel gefragt

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Es ist Spielezeit im Neusatzer Kindergarten, und die Kinder toben im Hof umher. Mittendrin steht Jonas Zielinski, der einzige männliche Erzieher in Neusatz – und auch in Bühl. Warum wird ein Mann Erzieher? Diese Frage hört Zielinski nicht zum ersten Mal.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

 „Es macht einfach Spaß“ ist die einfache Antwort darauf. „Ich habe schon mit 15 Jahren Jugendgruppen betreut“, so der Erzieher, und es habe sich für ihn dann so nach und nach herauskristallisiert, dass er die Arbeit mit Kindern auch beruflich machen wollte.

Männliche Rollenvorbilder sind wichtig

Jonas Zielinski hat seine Ausbildung zum Erzieher an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Lahr gemacht, und Bettina Kupferer, die Leiterin des Neusatzer Kindergartens, hat nicht lange überlegt, als Zielinskis Bewerbung auf ihrem Tisch lag. „Ich finde es so wichtig, dass die Kinder auch männliche Rollenvorbilder im Kindergarten haben“, betont Kupferer, Männer würden ganz anders mit den Kindern umgehen, „und die Kinder lieben das“. Sie habe bereits vor Zielinski immer wieder männliche Praktikanten oder auch Schüler, die ihr Compassion im Kiga gemacht haben.

 

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Einer dieser Praktikanten habe sich übrigens nach kurzer Zeit fast über seine „männliche Festlegung“ beschwert, er würde seine Zeit hauptsächlich mit dem Reparieren der Fahrräder zubringen. „Die Kinder kamen völlig selbstverständlich mit den Rädern zu dem Mann und nicht zu den Erzieherinnen. Sie waren es wohl irgendwie von zu Hause gewöhnt, dass das Männersache ist“, schmunzelt Kupferer.

Bilderbücher als Steckenpferd

Jonas Zielinski ist in dieser Hinsicht allerdings nicht festgelegt, „wir haben im Haus verschiedene Bildungsbereiche wie den Kreativ- oder Konstruktionsraum“. Das sei aber nicht sein Bereich, er sei im ABC-Zimmer. „Die Kinder lernen dort spielerisch die Buchstaben kennen und es wird vorgelesen. Die Bilderbücher sind mein absolutes Steckenpferd“, so Zielinski: „Ich liebe es einfach, vorzulesen.“

EU-Ziel: Männeranteil von 20 Prozent

Im Neusatzer Kindergarten gibt es aber auch sehr viele „Draußen-Angebote“, und da ist der „Mann im Kiga“ natürlich ebenso dabei, ob nun in der Waldgruppe oder bei Vogelstimmenwanderungen. „Ich bin sehr naturverbunden und finde die Umgebung hier auch einfach toll“, betont Zielinski, schon alleine der Hof im Kindergarten mit dem Berg zum Klettern sei eine richtige Herausforderung für die Kinder. Neusatz hat im Gegensatz zu den anderen Bühler Kindergärten wenigstens einen männlichen Erzieher vorzuweisen, aber auch hier ist man natürlich von dem offiziellen EU-Ziel, das einen Männeranteil von 20 Prozent anstrebt, noch weit entfernt. Aber immerhin zeigen die deutschlandweiten Kampagnen und Aktionen, mit denen man mehr Männer für den Beruf des Erziehers begeistern will, so langsam doch Erfolge. Denn zwischen 2006 und 2018 hat sich die Zahl der männlichen Erzieher in Deutschland fast vervierfacht.

Exot in der Kinderbetreuung

„Trotzdem ist Mann immer noch ein Exot in der Kinderbetreuung“, findet auch Zielinski, obwohl er selbst nur positive Rückmeldungen bekam. „Meine Mutter ist auch Erzieherin und gesellschaftlich ist der Beruf in meinem Umfeld natürlich anerkannt“, betont er. Allerdings seien Leute aus anderen Arbeitsbereichen manchmal überrascht ob seiner Berufswahl. Den Kindern jedenfalls scheint es egal zu sein, dass der Jonas ein männlicher Erzieher ist, er ist viel gefragt, hier möchte ein Junge auf der Schaukel angestoßen werden, ein Mädchen erklärt ihm ernsthaft den Sattel des Holzpferdes, auf dem sie sitzt, und auch im Sandkasten ist der Mann im Neusatzer Kiga gleich von den Kindern umringt und muss Sandkuchen backen und natürlich auch probieren.