Eine Disco bleibt ein wichtiger Wunsch auf der langen Liste der Bühler Jugendlichen. Im Gemeinderat wurde betont, dass dies keine städtische Aufgabe ist. | Foto: dpa

Jugendrat Bühl

Mehr Sicherheit und endlich eine Disco

Die Amtszeit des ersten Bühler Jugendrates endet am 30. März. Vertreter des noch amtierenden Nachwuchsgremiums berichteten am Mittwochabend in der Sitzung des „großen“ Gemeinderates über die Ergebnisse der dritten Jugendkonferenz am 25. Oktober und zogen gleichzeitig eine Bilanz ihrer zweijährigen Arbeit.

„Die Konferenz wurde zum weitaus größten Teil von den Jugendlichen selbst vorbereitet, berichtete Bürgermeister Wolfgang Jokerst. „Die Ergebnisse sind sehr interessant.“

Vier Themenblöcke

Die Jugendräte stellten vier Themenblöcke vor: Schule, Leben in Bühl, Veranstaltungen und Wahl zum Jugendrat 2017. Die Teilnehmer der Jugendkonferenz im Oktober hatten viele Ideen, die die Vertreter des Jugendrates nun präsentierten. Sprecherin Daniela Alesi stellte aber gleich zu Beginn klar: „Das sind Wünsche. Wir wissen, dass in Bühl viel investiert wird und man nicht alles realisieren kann.“ Außerdem verdeutlichte sie, dass die anstehende Wahl des zweiten Bühler Jugendrates gleichzeitig ein Neuanfang sein wird, denn die weitaus meisten aktuellen Amtsinhaber werden nicht mehr kandidieren. „Wir besuchen keine Bühler Schulen mehr, zumindest nicht mehr die, an denen wir vor zwei Jahren gewählt wurden“, erklärte sie.

Viel Lob

Vom „großen“ Gemeinderat kam viel Lob. „Feste organisieren müssen sie selbst, da können wir nur Zuschüsse geben“, meinte Oswald Grißtede (SPD). Viele andere Themen wie beispielsweise der Zustand der Sportplätze seien bereits diskutiert worden und laufendes Geschäft des Gemeinderates. Grißtede wunderte sich (wie einige andere Ratskollegen auch) ein wenig, dass die Jugendkonferenz mehr Sicherheit in Bühl angemahnt hatte, vor allem im Bereich des Bahnhofs. „Dort sind abends Leute unterwegs, die man als Mädchen nicht unbedingt antreffen will“, erklärte Daniela Alesi.

Gespräche mit Polizei

Wolfgang Jokerst plant zu diesem Themenkomplex eine gemeinsame Sitzung des neuen Jugendrates, der Verwaltung und der Polizei. „Das Polizeirevier Bühl ist sehr interessiert an diesem Gespräch“, sagte Jokerst.

Margret Burget-Behm (CDU) fand die Präsentation der Jugendlichen „mutig“. Sie stellte fest, dass Jugendkonferenz beziehungsweise Jugendrat in vielen Forderungen übereinstimmen und nannte die Sanierung der Schulen und den Ausbau der Busverbindungen. „Das schwierige Thema Disco begleitet schon ganze Generationen von Jugendlichen“, meinte sie. „Es ist keine städtische Aufgabe.“

Karl Ehinger (FW) freute sich über die große Zahl engagierter Jugendliche und kionstatierte ebenfalls erfreut fest, dass sich viele von deren Wünschen mit denen des Gemeinderates decken. „Sie können mit unserer Unterstützung rechnen“, sagte er.

Berechtigte Ungeduld

Auch Walter Seifermann (GAL) sprach von einer „guten Sache“. Er wies auf die berechtigte „Ungeduld“ der jungen Leute hin. „Drei bis fünf Jahre sind für sie keine Perspektive“, meinte Seifermann. „Viele Jugendliche wohnen dann schon nicht mehr im Bühl.“ Als Beispiel nannte er Sanierung beziehungsweise Ausbau des Windeck-Gymnasiums. „Wenn wir 2017 planen und 2020 fertig sind, haben die meisten die Schule längst verlassen“, sagte er.

Lutz Jäckel (FDP) nannte die Ergebnisse der Jugendkonferenz sehr aufschlussreich. „Wir wünschen uns engagierte junge Menschen“, erklärte er. „Nicht alles lässt sich umsetzen.“ Vor allem das Jugendcafé will Jäckel aber im Auge behalten. Für die Zukunft sollten bei jugendrelevanten Themen grundsätzlich Vertreter des Jugendrates mit am Ratstisch sitzen, forderte er.

Teichmann will Gas geben

Peter Teichmann (GAL) will beim Thema Disco „weiter Gas geben“, rechnet aber nicht mehr damit, dass dies noch in der aktuellen Amtszeit des Gemeinderates klappt. „Es wurden schon viele Gespräche geführt“, berichtete er. „Vielleicht finden wir einen Investor.“

Ulrich Nagel (SPD) regte in Anlehnung an die After-Work-Party in Zukunft auch After-School-Party an, um den jungen Leuten ein attraktives Freizeitprogramm zu bieten.

Barbara Becker (SPD) empfahl den bald ausscheidenden Jugendräten für den Gemeinderat zu kandidieren. Sie forderte „frisches Blut“ für den Bühler Ratstisch.

Geschäftsordnung modifiziert

Der noch amtierende Jugendrat hat sich im Hinblick auf die Zeit nach der Wahl Gedanken gemacht und seine Geschäftsordnung leicht modifiziert. Darin fließen die Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre ein. Der „große“ Gemeinderat stimmte diesen Änderungen in seiner Sitzung am Mittwochabend zu.

Ein wichtiger Aspekt ist die Vergrößerung des Gremiums, das bisher aus 15 bis 20 Jugendlichen bestanden hat. In Zukunft können ihm bis zu 30 Jugendliche angehören. Sprecherin Daniela Alesi begründete dies mit einem Schwund der Jugendräte im Laufe einer Legislaturperiode. Zu den Sitzungen kommen immer weniger Teilnehmer. Dem will man mit einer größeren Zahl von Jugendräten begegnen.

An die Stelle der bisherigen beiden Sprecher soll in Zukunft ein vierköpfiger Vorstand, der um vier Stellvertreter ergänzt wird, treten. Dadurch wird die Arbeit auf mehr Schultern verteilt. Außerdem kann der alte Jugendrat den neuen in Zukunft in der Einarbeitsphase unterstützen, sofern dieses gewünscht wird.

Für Timo Gretz (SPD) war die vom Jugendrat gewünschte Satzungsänderung kein Thema. „Es ist gute Tradition in diesem Haus, die Beschlüsse anderer städtischer Gremien zu übernehmen“, meinte er. „Es besteht deshalb aus meiner Sicht kein Diskussionbedarf.“