Beim Neujahrsempfang 2007 zeichnete der damalige OB Hans Striebel (links) Karl Hörth mit der Ehrenbürgerwürde aus. | Foto: Bernhard Margull

Karl Hörth ist gestorben

Drei Jahrzehnte Bühler Stadtgeschichte geprägt

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In Nachrufen liest man oft von prägenden Gestalten, und oft ist dies mehr Pietät als Realität. Mit dem Bühler Ehrenbürger Karl Hörth ist am Sonntag im Alter von 80 Jahren ein Mann gestorben, der die Geschichte der Stadt Bühl über Jahrzehnte tatsächlich entscheidend geprägt hat. Ohne den christdemokratischen Fraktionsvorsitzenden ist im Gemeinderat keine einzige wichtige Entscheidung gefallen. GAL-Fraktionssprecher Walter Seifermann hat Hörth in einer Ratssitzung respektvoll und wenig schelmisch als „schwarzen Häuptling“ bezeichnet.

Kein Ideologe

Karl Hörth war ein tatkräftiger und entschlossener Kommunalpolitiker, der ein Gefühl für das Machbare hatte. Er war aber kein Ideologe, sondern immer offen für eine faire Debatte im Kommunalparlament. Als er 2004 aus dem Gemeinderat ausschied, war das nicht nur für die Stadt, sondern vor allem auch für die Bühler CDU ein schwerer Verlust. Vollblutpolitiker wie Karl Hörth sind im Grunde nicht zu ersetzen.
„Ich habe mehr erreicht, als ich erwartet habe“, sagte Hörth anlässlich seines 65. Geburtstages im Interview mit dieser Zeitung. Bei der Sparkasse Bühl, in die er 1954 als Lehrling eintrat, brachte er es 1999 zum Vorstandsvorsitzenden. Bereits 1970 wurde er in die Geschäftsleitung des Kreditinstituts berufen.

Über die Parteigrenzen

Als Bankkaufmann lag Hörth die wirtschaftliche Entwicklung seiner Heimatstadt besonders am Herzen. „Eine gute Wirtschafts- und Arbeitspolitik ist die beste Sozialpolitik“, meinte er. Bei seiner Arbeit ließ sich Hörth ausschließlich von Sachargumenten und nicht von parteipolitischen Zwängen leiten. Dies erklärt auch seine achtjährige fruchtbare Zusammenarbeit mit dem früheren Oberbürgermeister Gerhard Helbing (SPD). In den Gemeinderatssitzungen trat Hörth engagiert für seine Ziele ein. Er war ohne Zweifel über viele Jahre einer der besten Redner im Bühler Kommunalparlament, der klar sagte, was er wollte, aber Polemik mied.

Neusazuer mit Leib und Seele

Karl Hörth war Neusatzer und zwar mit Leib und Seele. Seine politische Laufbahn begann er bereits 1968 als Gemeinderat in seinem Heimatdorf. „Damals brach die Kommunalreform über mich herein“, erinnerte sich Hörth anlässlich seines 65. Geburtstages. Er machte sich für eine Eingemeindung nach Bühl stark, die 1971 vollzogen wurde. Seitdem gehörte er bis zu seinem Ausscheiden 2004 ununterbrochen dem Gemeinderat und dem Ortschaftsrat Neusatz an. Seit 1973 war er CDU-Fraktionschef im Gemeinderat. In dieser Funktion wurde er für mehr als drei Jahrzehnte einer der einflussreichsten Kommunalpolitiker in der Stadt.

Positive Kommunalreform

Die Kommunalreform bewertete Hörth rückwirkend positiv: „Wir hatten Glück, dass sie in eine prosperierende Phase fiel. Es gab genügend Geld, alle Aufgaben, die sich aus dem Eingliederungsvertrag ergaben, in die Tat umzusetzen. Die Eingliederung der Ortsteile wurde in einem fairen Miteinander vollzogen, niemand wurde über den Tisch gezogen.“

Hörths Arbeit war immer auf Ausgleich bedacht. „Von der Kommunalpolitik gingen keine Störungen aus, die die gedeihliche Entwicklung der Stadt beeinflusst haben“, hob er an seinem 60. Geburtstag hervor. Dass ihm dies wichtig war, charakterisiert den Stil seiner Politik.

Zahlreiche Ehrungen

Die Ehrungen, die Karl Hörth für seine politische und berufliche Arbeit erhalten hat, sind ebenso zahlreich wie zwangsläufig. Nur die wichtigsten seien an dieser Stelle genannt. 2004 verlieh die Stadt Bühl ihm die Bürgermedaille und 2007 die Ehrenbürgerwürde, sicherlich ein Höhepunkt seines öffentlichen Lebens. Anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand 2002 erhielt Hörth die große baden-württembergische Sparkassenmedaille, die höchste Auszeichnung, die der Sparkassenverband im Land zu vergeben hat. Die Neusatzer CDU ernannte Hörth 2010 zu ihrem Ehrenvorsitzenden.

Rückzug aus der Öffentlichkeit

In den vergangenen Jahren hat sich der Bühler Ehrenbürger wegen einer Erkrankung weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Zu seinem 80. Geburtstag am 14. November besuchten ihn OB Hubert Schnurr und sein Nachfolger bei der Sparkasse, Frank König, daheim in Neusatz.