Ärzte wechseln einen Herzschrittmacher aus. Im Bühler Krankenhaus wird dieser Eingriff nicht mehr vorgenommen. Die Patienten müssen jetzt nach Rastatt. | Foto: dpa

Spezialisierung im Klinikum

Keine Herzschrittmacher mehr in Bühl

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Die Patientin ist enttäuscht. Gerade hat sie erfahren, dass ihr Herzschrittmacher nicht mehr, wie bisher üblich, in der Inneren Abteilung der Klinik in Bühl ausgewechselt werden kann. Die alte Dame soll in die Klinik nach Rastatt fahren, wo der Verbund des Klinikums Mittelbaden die kardiologischen Leistungen konzentriert hat. Sie wendet sich an die BNN-Redaktion.

Weg durch Politik vorgegeben

Norbert Roeder, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung, dass Herzschrittmacher bereits seit einigen Monaten in Bühl nicht mehr gewechselt werden. „Wir verfolgen den Weg, der durch die Bundes- und Landespolitik vorgeben wird, und zentralisieren unsere Leistungen, um die Qualität zu verbessern“, erklärt er. Viele dieser Eingriffe habe es in der Inneren Abteilung in Bühl ohnehin nicht gegeben. Roeder berichtet von 30 Fällen im Jahr 2016 und 18 im vergangenen Jahr.

Nur ein kleiner Eingriff

„Es ist ein kleiner Eingriff, der lediglich rund 15 Minuten dauert“, sagt Roeder. „Dabei hängt es vom Patienten ab, ob eine Narkose notwendig ist. Übrigens wird keine neue Batterie eingesetzt, sondern es wird gleich ein neues Gerät implantiert. Dafür wird eine Handbreit unter der Schulter ein kleiner Schnitt gesetzt. Bei älteren Geräten muss mitunter auch die Sonde gewechselt werden.“ Roeder weist darauf hin, dass es in Bühl keine kardiologische Abteilung, sondern nur eine allgemeine Innere gibt. Die Kardiologie für das gesamte Klinikum ist in Rastatt angesiedelt. Obwohl die Herzpatienten dort konzentriert werden, soll in den nächsten Monaten ein zweiter Platz für Herzkatheter-Untersuchungen in Balg entstehen, um auch den südlichen Bereich entsprechend abzudecken. Dann werden auch Herzschrittmacher in Balg gewechselt werden, die Bühler Patienten müssen also nicht mehr bis Rastatt fahren. „In Bühl wird auch in Zukunft der große und breite Bereich der inneren Medizin abgedeckt werden“, verspricht Roeder. „Patienten mit Herzinfarkt werden aber grundsätzlich mit dem Rettungwagen gleich nach Rastatt in die Kardiologie gebracht.“ Ein Stellenabbau in der Inneren Abteilung in Bühl sei nicht vorgesehen.

Viele Krankenhäuser werden schließen

Roeder weist darauf hin, dass die Zeiten von breit aufgestellten Chefärzten wie Günter Weißmann, der die Innere Abteilung in Bühl jahrzehntelang geleitet hat, vorbei sind. „Wir folgen unserem Weg der Spezialisierung von komplexeren Leistungen“, konstatiert der Medizinische Geschäftsführer. „Eine wohnortnahe und gleichzeitig qualitativ hochwertige Versorgung geht heute nicht mehr. Meine Prognose ist deshalb, dass sich die Zahl der Kliniken in Deutschland verringern wird und viele kleine Häuser keinen Bestand haben werden.“

Spezialisierung geht weiter

Roeder glaubt, dass viele Patienten bereit sind, für eine höhere medizinische Qualität weiter zu fahren. Auch dies führe zum Sterben der kleinen Häuser. „Wir müssen die hochwertige Versorgung im ländlichen Bereich aufrechterhalten“, fordert er. Zur Spezialisierung innerhalb des Klinikums Mittelbaden gehört der Aufbau des ambulanten OP-Zentrums in Bühl und die Verlagerung der Klinik für Handchrirugie und plastische Chirurgie von Balg nach Bühl im Jahr 2017. Damit will die Geschäftsführung den Bestand des Bühler Krankenhauses und gleichzeitig die medizinische Grundversorgung im südlichen Landkreis dauerhaft sichern. „Bühl ist jetzt gut ausgelastet“, berichtet Roeder. „Es gibt teilweise sogar Engpässe. Das jetzige Gesamtkonzept für das Klinikum Mittelbaden kann einige Jahre halten. Was in 15 Jahren ist, kann aber niemand sagen. Das wäre Glaskugel-Leserei.“