Besichtigungstour: Geschäftsführer Andreas Bohnert (links) führte den Gemeinderat 2014 durch den Schlachthof Bühl. | Foto: Ulrich Coenen

Team stammt aus der Region

Keine Leiharbeiter und keine Corona-Infektionen im Bühler Schlachthof

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Schlachthöfe sorgen in der Corona-Krise gleich serienweise für Negativschlagzeilen. Trotz der strengen Hygienevorschriften für diese sensiblen Betriebe gab es in den vergangenen Wochen bundesweit hunderte infizierte Mitarbeiter. Der Schlachthof Bühl hat trotz der Pandemie keine Probleme. Das hat gleich zwei Gründe. Das Unternehmen ist klein und damit übersichtlich und es beschäftigt keine Leiharbeiter.

„Mit Corona haben wir bisher keine Probleme“, erklärt Andreas Bohnert, in Personalunion Geschäftsführer des Schlachthofs und Ordnungsamtsleiter im Bühler Rathaus. „Alle, die in unserem Schlachthof tätig sind, wohnen privat in der mittelbadischen Region und sind nicht in großen Sammelunterkünften untergebracht.“
Genau das ist bekanntlich in den großen Schlachthöfen, in denen zahlreiche Mitarbeiter aus Osteuropa tätig sind, der Knackpunkt.

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Der Bühler Schlachthof hat ein kleines Team. Neben zwei Mitarbeitern in Vollzeit gibt es ein halbes Dutzend 450-Euro-Kräfte. Diese arbeiten aber nicht ausschließlich in der Produktion. Auch Büromitarbeiter und die Putzfrau gehören dazu.

Metzger ist nicht gerade ein Modeberuf.

Andreas Bohnert, Schlachthof-Geschäftsführer

Abgesehen davon gibt es sieben selbstständige Metzger, die für den Bühler Schlachthof Dienstleistungen erbringen. „Die sind nie alle gleichzeitig vor Ort und werden nach Stückzahl bezahlt“, berichtet Bohnert. „Früher gab es deutlich mehr dieser Kleinunternehmer, aber Metzger ist nicht gerade ein Modeberuf. Die selbstständigen Metzger arbeiten an einem Tag im Bühler Schlachthof, am nächsten bei einem Metzgereibetrieb und dann wieder in einem anderen Schlachthof.“

Mehr Hände waschen als bei uns, geht nicht mehr

Andreas Bohnert, Schlachthof-Geschäftsführer

Bohnert betont, dass im Bühler Schlachthof wie in jedem Lebensmittel-Betrieb unabhängig von der Corona-Pandemie strenge Hygienevorschriften gelten. „Mehr Hände waschen als bei uns, geht nicht mehr“, sagt er. Der Geschäftsführer geht davon aus, dass diese Hygienevorschriften auch in den Großbetrieben eingehalten werden.

Das Problem sei dort nicht der laufende Betrieb, sondern die Unterbringung der Mitarbeiter aus Osteuropa in den großen Sammelunterkünften, die viel zu dicht belegt sind. Im Gegensatz zu den Mitgliedern des kleinen Teams aus Bühl, wohnen diese Leute auch nicht dauerhaft in Deutschland, sondern werden nach einigen Monaten ausgewechselt.

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Bühl profitiert nicht von Schlachthof-Schließung in Offenburg

„Grundsätzlich ist natürlich auch im Bühler Schlachthof ein Corona-Fall möglich“, räumt Bohnert ein. „Das ist aber nicht wahrscheinlicher wie bei jedem anderen Betrieb oder Verwaltung in der Stadt oder im Umland.“
Obwohl der Schlachthof bisher gut durch die Corona-Krise gekommen ist, gibt es für Bohnert auch eine Enttäuschung.

Wie berichtet wurde der deutlich größere Schlachthof in Offenburg zum Jahresende geschlossen und die Bühler hatten sich berechtigt Hoffnung gemacht, zumindest einen kleinen Teil der dortigen Kunden übernehmen zu können. Diese Hoffnung hat sich aber zerschlagen. „Wir haben fest damit gerechnet, dass zwei oder drei Offenburger Kunden zu uns kommen“, erklärt Bohnert. Stattdessen sind die aber zum Schlachthof in Bahlingen gewechselt. Der verfügt im Gegensatz zum Bühler über einen eigenen Fuhrpark und kann dadurch einen besseren Service anbieten.

Eigentümerin des Bühler Schlachthof-Gebäudes in der Industriestraße ist die Stadt. Betrieben wird diese Einrichtung von der Schlachthof Bühl GmbH als Pächterin. Gesellschafter sind neben der Stadt die Gemeinde Ottersweier zwei Fleischhändler, ein Pharma-Unternehmen, elf Landwirte und sechs Metzger.
Im Bühler Schlachthof werden pro Jahr rund 1.500 Rinder, 350 Kälber, 12.000 Schweine und 70 Schafe geschlachtet. Aktuell gibt es neben dem Schlachthof in Bühl in Baden lediglich in Freiburg, Bahlingen am Kaiserstuhl, Bretten und Mannheim weitere Schlachthöfe.