Kellermeister Leo Klär überwacht die Entwicklung der Weine im Keller der Affentaler Winzer. Über alle Sorten hinweg brachte der Herbst sehr gute Qualitäten. | Foto: Bernhard Margull

Herbstbilanz in Affental

Keine Wünsche offen

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Welche Rebsorte auch immer Ralf Schäfer betrachtet, nach dem Ende der Hauptlese kommt er zum stets gleichen Ergebnis: Qualität und Menge sind großartig. „Es fällt schwer, eine bestimmte Rebsorte herauszuheben“, sagt der Geschäftsführer der Affentaler Winzer, um dann aber doch, gewissermaßen als Primus inter pares, den Spätburgunder zu einem Gewinner des Jahres zu küren. Gerade diese Sorte habe im Laufe des Septembers eine „super Reifeentwicklung“ erlebt.

Hauptlese beendet

In der vergangenen Woche hat die Genossenschaft die Hauptlese beendet (einige Stücke bleiben für edelsüße Varianten bis hin zum Eiswein stehen), und Schäfer zieht rundum zufrieden Bilanz: „Wir können von einem besonderen Jahrgang sprechen, der keine Wünsche offen lässt, weder bei der Menge noch der Qualität. Bis zum letzten Tag wurden wunderschöne Trauben angeliefert. Ich habe selten so viele zufriedene Gesichter an der Traubenannahme gesehen.“

„Perfekter Jahrgang“

Es gebe keinerlei Grund zur Klage; der eine oder andere Winzer mag Trockenschäden verzeichnet haben, „aber das waren Ausnahmen“. Dazu sei die Lese ohne jede Hektik und völlig stressfrei verlaufen, „es war ein perfekter Jahrgang“. Kein Regen verwässerte den Herbstplan, auch wenn an ein oder zwei Tagen ein paar Tropfen fielen; den überdurchschnittlich hohen September-Temperaturen gerade in den beiden Wochen nach dem Zwetschgenfest zollten die Affentaler mit einer Neuerung Tribut: Die Traubenannahme endete um 14 Uhr, damit das angelieferte Lesegut nicht zu warm wurde. „In der Hitze konnten und wollten wir nicht lesen“, sagt Schäfer, „das hätte mikrobiologische Konsequenzen gehabt.“

Rasche Lese beim Spätburgunder

Der Klimawandel lasse sich nicht wegdiskutieren, aber der Herbst 2018 sei insgesamt „ganz normal“ verlaufen, auch der Start sei nicht früher als üblich erfolgt. „Den Riesling haben wir auch erst nach dem 21. September gelesen, als es etwas kühler war.“ Beim Spätburgunder aber „haben wir Gas gegeben und sind im Vergleich zu 2003 rechtzeitig gestartet“, so der Geschäftsführer. Die rasche Lese sollte verhindern, dass die Mostgewichte zu stark nach oben schnellen und die Weine dadurch zu alkohollastig werden.

Nach längerer Zeit ein Vollherbst

Am Ende lag der Spätburgunder im Schnitt knapp über 100 Oechsle: „Das ist optimal für uns.“ Nach längerer Zeit kann auch wieder von einem Vollherbst gesprochen werden: Das Ertragsziel von 120 Kilogramm pro Ar wurde übertroffen, die Menge lag beim Spätburgunder knapp über 130 Kilogramm pro Ar. Ähnlich sieht es beim Riesling aus: Die Zielmenge lag hier bei 140 Kilogramm pro Ar, und auch hier wurde sie etwas übertroffen. „Wir können aus dem Vollen schöpfen“, freut sich der Geschäftsführer.
Schäfer will das Fell des Bären nicht vorzeitig verteilen und mahnt zur Geduld; der Weinjahrgang könne in diesem immer noch frühen Stadium nur bedingt beurteilt werden. Gleichwohl hat er einige Erwartungen: „Ich bin mehr als optimistisch, was diesen Jahrgang betrifft, und gerade der Rotwein kann etwas ganz Besonderes werden.“ Da ist er wieder, der Primus hinter pares in einem Jahrgang mit über alle Sorten hinweg sehr guten Ergebnissen.