Der neue Kindergarten "Regenbogen" ist das Ergebnis eines Einladungswettbewerbs. Im Februar sollen die Bauarbeiten beginnen. | Foto: Hansulrich Benz Architekten

Kindergarten in Steinbach

Plätze und Gassen wie in einer kleinen Stadt

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Leicht und elegant kommt die Architektur daher. Hansulrich Benz Architekten haben für den Baden-Badener Stadtteil Steinbach einen Kindergarten entworfen, der seine Verwandtschaft mit einem früheren Projekt des Büros aus Weissach (Kreis Böblingen) nicht verleugnen kann. Das überzeugt, denn die 2012 vollendete evangelische Kindertagesstätte „Fuchsbau“ im Pforzheimer Stadtteil Büchenbronn ist ein gelungener Beitrag zu dieser Bauaufgabe und wurde konsequenterweise 2014 vom Bund Deutscher Architekten (BDA) mit der Hugo-Häring-Auszeichnung prämiert. „Unsere Idee war, statt eines strengen hierarchischen Grundrisses eine kleine Stadt mit Plätzen und Gassen für die Kinder zu schaffen“, erklärt Benz seinen Ansatz.

Ergebnis eines Wettbewerbs

Wie der geplante Kindergarten „Regenbogen“ in Steinbach, mit dessen Bau im Februar begonnen werden soll, war der in Büchenbronn das Ergebnis eines Wettbewerbs. In Baden-Baden handelt es sich um eine Mehrfachbeauftragung, zu der die Stadt im Frühjahr 2017 drei Büros eingeladen hatte. Der Kindergarten in Büchenbronn war ein wichtiger Anlass für die Stadt, Hansulrich Benz um einen Entwurf für Steinbach zu bitten. Anfang 2019 soll der neue Kindergarten „Regenbogen“ seine Bestimmung übergeben werden. Die Baukosten belaufen sich auf 2,25 Millionen Euro.

Trapezförmiger Grundriss

Der Neubau entsteht unmittelbar südlich des bestehenden Kindergartens. Mit seinem trapezartigen Grundriss folgt er der Form des Grundstücks und greift die Strukturen der Nachbarbebauung des Wohngebiets auf.

Der Kindergarten bietet Platz für drei Gruppen und damit für eine Gruppe mehr als das Bestandsgebäude. Zwei Gruppen für jeweils 20 Kinder über drei Jahre und eine zusätzliche Gruppe für Kinder unter drei Jahren sind vorgesehen. Das Gelände des jetzigen Kindergartens steht in Zukunft als Reservefläche für einen möglichen Erweiterungsbau zur Verfügung.

Organische Formen

Der bungalowartige Baukörper, den Hansulrich Benz entworfen hat, erscheint weniger kubisch als das Vorbild in Büchenbronn, die Ecken sind teilweise abgerundet. Dies lässt das Gebäude organischer erscheinen.

Die Wandflächen werden an drei Seiten großflächig aufgebrochen. Große bodentiefe Fenster erlauben Blickbeziehungen zum Garten. Die Fassadenöffnungen sind zurückgesetzt. Dies soll, wie Benz in seiner Projektbeschreibung sagt, „Schutz und Geborgenheit vermitteln“.

Ein Haus aus Holz

Der Kindergarten ist als tragende Holzrahmenkonstruktion mit Holzbalkenkehldecke geplant. Die Holzkonstruktion wird auf eine tragende Stahlbetonbodenplatte montiert. Die äußere Hülle des Hauses besteht aus Holzlamellen.

Im Eingangsbereich des Steinbacher Kindergartens entsteht eine große Aktionsfläche. Hansulrich Benz nennt den Raum „Kleiner Dorfplatz“. | Foto: Hansulrich Benz Architekten

Benz Vorliebe für den natürlichen Baustoff mag damit zusammenhängen, dass er vor dem Architekturstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart eine Schreinerlehre absolviert hat. Seit dem Diplom 1993 ist Benz als freier Architekt tätig, 2003 wurde er in den BDA berufen.
Der Grundriss entwickelt sich um eine zentrale Sanitärinsel, die mit ihrem unregelmäßigen vierseitigen Grundriss und den abgerundeten Ecken tatsächlich ein wenig wie eine kleine Insel wirkt, die zukünftig von Kindern umschwärmt wird. Die Gruppenräume orientieren sich nach Süden und Westen und damit zum Garten. An der weitgehend geschlossenen Nordseite befinden sich Schlaf-, Lager- und Technikräume. Dort wäre über einen Verbindungsgang auch die Anbindung an einen möglichen Erweiterungsbau auf dem Gelände des bisherigen Kindergartens denkbar.

Kleiner Dorfplatz

Der Besucher betritt das Gebäude von der Dr.-Ahrweiler-Straße aus und gelangt zunächst in einen von Benz als „Kleinen Dorfplatz“ bezeichneten Raum mit großem Oberlicht, der gemeinsam mit dem benachbarten Speiseraum eine Aula für Aktionen und Veranstaltungen ergibt.

Benz bezeichnet den Kindergarten „Regenbogen“ als Weiterentwicklung seines Konzepts für die Kindertagesstätte in Büchenbronn. In Steinbach hat der Architekt die Innen-Außenbeziehungen stärker herausgearbeitet. Durch die größere Raumhöhe ergibt sich mehr Großzügigkeit im Innenraum, die durch wenige ausgewählte Materialien und Farben verstärkt wird. Hansulrich Benz spricht von „Licht und Schatten, die fließend ineinandergreifen“. Die Steinbacher dürfen sich auf einen schönen Kindergarten freuen.