Das Mutterhaus des Klosters Neusatzeck (rechts) soll saniert werden, das Ökonomiegebäude (links) wird abgerissen. | Foto: Bernhard Margull

Kloster bei Bühl

Endlich ein Käufer für das Mutterhaus Neusatzeck

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Nach langem Warten ist es ist fast eine kleine Sensation. Das Mutterhaus von Kloster Neusatzeck, das bereits seit dem Jahr 2010 zum Verkauf angeboten wurde, hat einen Käufer gefunden. Dies bestätigte Matthias Buschert, der Pressesprecher der Stadt Bühl, am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung.
Von der Kölner Immobilienfirma Prosecur, die vor acht Jahren von den Dominikanerinnen auf Neusatzeck mit der Vermarktung der riesigen Immobilie beauftragt wurde, gab es in den beiden vergangenen Tagen trotz zweifacher Anfrage keine Auskunft. Auch Schwester Birgitta Dorn, die Priorin des Klosters, wollte sich nicht äußern und verwies auf das Kölner Büro. Dort hieß es lediglich knapp: „Es ist noch nichts spruchreif. Ende März können Sie sich gerne wieder melden.“

Kein Bebauungsplan

Nach Auskunft aus dem Bühler Rathaus ist das nicht ganz zutreffend, weil es bereits einen Käufer gibt. „Wir kennen den Käufer und das zukünftige Nutzungskonzept aber noch nicht“, berichtete Pressesprecher Buschert.

Für das obere Neusatzer Tal besteht kein Bebauungsplan. „Wenn eine neue Nutzung über das jetzige Maß hinaus geplant wird, wird auf jeden Fall ein Bebauungsplan aufgestellt werden müssen“, sagte Buschert.
Für Prosecur war es von Anfang an nicht einfach, für das Mutterhaus einen Interessenten zu finden. Das Kölner Unternehmen unterstützt Ordensgemeinschaften und Stiftungen bei der Verwaltung ihrer Finanz- und Vermögenswerte. Abgesehen von der abgelegenen Lage und der Größe des Anwesens waren die Einschränkungen, die beim Verkauf von kirchlichen Immobilien gelten, ein Problem. „Die Erzdiözese Freiburg hat uns in der Vergangenheit einen Käufer abgelehnt“, räumte Ralf Olbrück, einer der Geschäftsführer von Prosecur, am 9. Mai 2017 gegenüber dieser Zeitung ein (wir berichteten). Für das Mutterhaus hatte sich eine Freikirche interessiert, die nicht zum Zuge kam. „Andere Diözesen gehen mit dem Verkauf katholischer Immobilien an Freikirchen lockerer um, schließlich handelt es sich auch um Christen“, meinte Olbrück damals.

Nur wenige Interessenten

Die Zahl der Interessenten für das Gebäude, das in drei Bauabschnitten zwischen 1928 und 1981 entstanden ist, hat sich in den vergangenen acht Jahren insgesamt in überschaubaren Grenzen gehalten.
Der älteste Gebäudeteil des Mutterhauses stammt aus dem Jahr 1928. Es wurde später durch den 1965 errichteten Pfortenbau und das 1981 gebaute Altenpflegeheim gerahmt. Mit seinen 89 Zimmern bietet es (ohne Ökonomie) eine Wohnfläche von 6 370 Quadratmetern. Das Grundstück hat eine Fläche von 21 750 Quadratmetern. Der Standard des Hauses ist allerdings nicht hoch. Jeweils zwei Schwestern haben sich eine Nasszelle geteilt.

Schwestern ziehen ins Josef-Bäder-Haus

Das Mutterhaus ist übrigens nicht identisch mit dem denkmalgeschützten neuromanischen Klostergebäude (Josef-Bäder-Haus) aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf der anderen Straßenseite. Dieses wird auch in Zukunft vom Orden genutzt und steht nicht zum Verkauf.

Flüchtlinge im Kloster

Zwischenzeitlich wurde das Mutterhaus vom Landkreis Rastatt als Erstunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Nachdem diese längst ausgezogen waren, lief der Mietvertrag mit dem Landratsamt noch bis zum 31. Oktober 2017. Während der Vermietung an den Landkreis wurde das Gebäude nicht mehr offiziell zum Kauf angeboten. Zuvor war es unter anderem in einschlägigen Immobilienforen im Internet zum stolzen Preis von 2,5 Millionen Euro zu finden. Dass diese Preisvorstellungen nicht zu halten sind, hatte Olbricht gegenüber dieser Zeitung bereits am 9. Mai 2017 eingeräumt, zumal es während der Belegung durch Flüchtlinge zu Problemen mit Rohrleitungen und Heizung gekommen war.

Schwestern aus Hegne

Vor den Flüchtlingen wohnten ab Ende 2011 rund 60 Schwestern aus Hegne im Mutterhaus. Deren Gebäude am Bodensee wurde seinerzeit saniert, so dass die Ordensfrauen vorübergehend eine neue Heimat benötigen. Die Dominikanerinnen in Neusatzeck hatten bereits Mitte 2011 das Mutterhaus verlassen und waren in das zuvor renovierte Josef-Bäder- Haus auf der anderen Straßenseite übergesiedelt.