Das Mutterhaus des Klosters Neusatzeck beschäftigt Projektentwickler und Kommunalpolitik seit zwei Jahren. Wegen artengeschützter Fledermäuse muss der mittlere Gebäudeteil in jedem Fall erhalten bleiben. | Foto: Ulrich Coenen

Investor hat neuen Plan

Kloster Neusatzeck in Bühl darf wegen Fledermäusen nicht abgerissen werden

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Wegen artengeschützter Fledermäuse muss der älteste Teil des Mutterhauses Neusatzeck im Bühler Stadtteil Neusatz erhalten bleiben. Das hat das Regierungspräsidium Karlsruhe entschieden. Die Projektentwickler hatten einen Antrag auf Umsiedlung des Grauen Langohrs gestellt und müssen jetzt erneut umplanen. Sie wollen ein Seniorenzentrum bauen. 

Nach einer zweijährigen Hängepartie soll das geplante Seniorenzentrum in Neusatzeck jetzt Realität werden. „Unser neues Konzept ist rund, runder geht es nicht“, sagt Bernd Matthias. Der Baden-Badener ist einer der beiden Projektentwickler für die Umwandlung des Mutterhauses des Klosters Neusatzeck in ein Seniorenzentrum.

Nach langen Verhandlungen mit Behörden ist er sicher, dass es jetzt voran geht. Wie mehrfach berichtet, haben artengeschützte Fledermäuse, die im Sommer 2018 im Dachstuhl des ältesten Gebäudeteils entdeckt wurden, das Projekt zunächst gestoppt.

Leerstand seit vielen Jahren

Das riesige Mutterhaus, das seit vielen Jahren leer steht, ist in drei Bauabschnitten zwischen 1928 und 1981 entstanden. Mit seinen 89 Zimmern bietet es eine Wohnfläche von 6.370 Quadratmetern. Seit 2010 wurde es von den Dominikanerinnen lange vergeblich zum Kauf angeboten, bis sich Matthias und Gerd-Arno Stubbe für das Gebäude interessierten.

Weil eine Sanierung nicht wirtschaftlich erschien, planten sie zunächst einen kompletten Abriss des Mutterhauses und den Neubau eines Seniorenzentrums. Eine entsprechende Änderung des Bebauungsplans wurde vom Bühler Gemeinderat im März 2018 in die Wege geleitet.

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Nach der Entdeckung das artengeschützten Grauen Langohrs im Dachstuhl waren diese Pläne nur noch Makulatur. Die anschließend mehrfach überarbeiteten Entwürfe sahen einen Abriss des baufälligen Ökonomiegebäudes und einen weitgehenden Erhalt des Mutterhauses vor. Auf dem Gelände des Ökonomiegebäudes sollte ein Neubau entstehen, der dem Neusatzer Ortschaftsrat missfiel. Die Situation schien im Frühjahr 2019 völlig verfahren.

Mehrheit im Rat wäre fraglich

Um den in der Kommunalpolitik mehrheitsfähigen ersten Entwurf doch noch realisieren zu können, stellten die Projektentwickler im Mai beim Regierungspräsidium Karlsruhe einen Antrag, die Fledermäuse umzusiedeln, um den gesamten Gebäudekomplex abreißen zu können.

Damit gingen sie einer Kampfabstimmung über ihr Projekt im Gemeinderat aus dem Weg. Eine Mehrheit für das Vorhaben in seiner überarbeiteten Version wäre nämlich fraglich gewesen.

Die Umsiedlung des Grauen Langohrs hat das Regierungspräsidium allerdings nicht genehmigt. Dennoch ist Matthias mit dem erreichten Kompromiss zufrieden. Der Mittelbau, in dessen Dachstuhl die Fledermäuse hausen, darf aber nicht (wie eigentlich gewünscht) abgebrochen werden.

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2019 keine Fledermäuse gesichtet

„An der Besprechung im Regierungspräsidium haben auch Vertreter der Stadt Bühl und das Landratsamtes Rastatt teilgenommen“, berichtete Matthias. Er hatte einen Gutachter aus Niedersachsen mitgebracht, der Fledermäuse bereits erfolgreich umgesiedelt hat. Dies sei in Neusatzeck aber mit Hinweis auf ein früheres Gutachten nicht akzeptiert worden.

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„In diesem Jahr wurden im Dachstuhl des Mutterhauses überhaupt keine Fledermäuse mehr angetroffen“, sagte Matthias. Das Graue Langohr sei aber nach Auskunft des Regierungspräsidium „sehr traditionsbewusst“ und suche alte Quartiere auch nach Jahren wieder auf.

Auf das Abrissverbot reagiert Matthias mit einem dritten Konzept für das Seniorenzentrum. „Dieses orientiert sich am ersten Entwurf unseres Architekten, der seinerzeit vom Gemeinderat akzeptiert wurde“, erklärte er. Wesentlicher Unterschied sei der wegen der Fledermäuse notwendige Erhalt des Mittelbaus. Alle anderen Gebäudeteile werden ebenso wie das Ökonomiegebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Enormer Zeitdruck

Die Projektentwickler stehen unter Zeitdruck, obwohl die Kaufoption für das Mutterhaus, die am 30. Juni endete, verlängert wurde. Matthias spricht von „Herkulesaufgaben“. Alle notwendigen Rodungen muss er bis Ende Februar erledigen, die Abbrucharbeiten müssen bis Ende März abgeschlossen sein und die notwendigen Ausgleicharbeiten für den Naturschutz bis Ende April. Nach Auskunft von Matthias wird sich der Bühler Gemeinderat am 18. Dezember erneut mit dem Thema beschäftigen.

Im 1928 erbauten Mutterhaus sind unter unter anderem Hofladen, Friseur, Verwaltung, Tagespflege und Mitarbeiterwohnungen geplant. Das Ökonomiegebäude wird abgerissen und durch einen Neubau für das Pflegeheim ersetzt. Auch der Gebäudetrakt, der talseitig an den Ursprungsbau von 1928 anschließt, wird abgerissen. Hier ist oberhalb einer Parkgarage betreutes Wohnen geplant.

Neue Pläne

Der Altbau wird durch die Abrisse frei gestellt, die Neubauten bilden Solitäre. Sie haben drei bis vier Vollgeschosse plus eines zusätzlichen zurückspringenden Stockwerks. Nachdem auch flach geneigte Walmdächer diskutiert wurden, sind nun wieder Flachdächer vorgesehen.

Die Wohngruppen im Pflegeheim sollen zwölf bis 15 Bewohner haben. „Kleinere Wohngruppen sind nicht darstellbar, weil sie für die Bewohner zu teuer wären“, meinte Projektentwickler Bernd Matthias. Er ist vom wirtschaftlichen Erfolg überzeugt. „Wir haben einen absoluten Pflegeplatz-Notstand“, sagte er