Konrad Lienhart ist 2. Vorsitzender des Landesverbandes Badischer Rassegeflügelzüchter. Das Foto zeigt den Vimbucher mit einem acht Wochen alten Brahma-Küken. | Foto: Ulrich Coenen

2. Landesvorsitzender Lienhart

Wenn es heiß und feucht ist, schlüpfen die Küken

Für den berühmten deutschen Literaturwissenschaftler und Märchensammler Jacob Grimm war Ostara eine germanische Frühlingsgöttin. Ostern wäre damit nicht nur das höchste Fest der Christen, sondern hätte als Fruchbarkeitsfest auch heidnische Wurzeln. Ob diese umstrittene wissenschaftliche These haltbar ist oder nicht, soll hier nicht diskutiert werden. Unstrittig ist, dass Ostern ohne Eier und Küken kaum vorstellbar ist. Mit beidem kennt sich Konrad Lienhart bestens aus. Der selbständige Schreiner aus dem Bühler Stadtteil Vimbuch ist 2. Vorsitzender des Landesverbandes Badischer Rassegeflügelzüchter und gleichzeitig Kreisvorsitzender für die Region Rastatt/Bühl/Baden-Baden.

Erfahrener Züchter

Der 58-jährige stammt aus einem landwirtschaftlichen Elternhaus. Hühner zur Eierversorgung hält er seit Jahrzehnten. Zur Rassegeflügelzucht kam er schließlich vor knapp zwei Jahrzehnten. Seitdem ist Lienhart Mitglied des Kleintierzuchtvereins C25 Ottersweier. In der Vergangenheit hat er bereits mehr als ein halbes Dutzend der insgesamt rund 180 anerkannten Rassen gezüchtet. Brahmas, eine sehr große und alte Hühnerrasse mit Ursprüngen in Nordamerika und Asien, haben es ihm besonders angetan. Auf sie hat er sich jetzt spezialisiert.

Diese Brahma-Küken in der Zuchtanlage von Konrad Lienhart sind erst eine Woche alt. Im ausgewachsenen Zustand werden diese Giganten unter den Hühnern bis zu fünf Kilo schwer. | Foto: Ulrich Coenen

Glückliche Hühner

Bei Konrad Lienhart leben glückliche Hühner. Das Frühjahr ist die spannendste Zeit des Jahres. Die Rassegeflügelzüchter beginnen nämlich mit der Zucht. Weil der Bruttrieb der alten Rassen oft gering ausgeprägt ist und weil die wertvollen Tier natürlich ganz gezielt vermehrt werden sollen, greifen die Züchter auf Brutautomaten zurück. Im Herbst stehen die Geflügelschauen auf regionaler und überregionaler Ebene auf dem Programm, wo Züchter wie Lienhart ihre Tiere präsentieren wollen.

Gefiederte Giganten

„Weil Brahmas zu den größten Hühnerrassen zählen und bis zu fünf Kilogramm schwer werden, wachsen sie relativ lange“, berichtet der 2. Landesvorsitzende. „Aus diesem Grund beginnt die Zuchtperiode bereits Ende November, damit die Ausstellungstiere im folgenden Herbst ausgewachsen sind.“ Um in der dunklen und kalten Jahreszeit befruchtete Eier zu erhalten, muss Lienhart der Natur ein wenig nachhelfen und seine Ställe heizen und beleuchten. „Ohne dies geht es nicht“, sagt er. Die Hühner würden nicht legen.

Verschiedene Farbschläge

Brahmas, die Giganten unter dem Federvieh, gibt es in neun verschiedenen Farbschlägen, von denen der Vimbucher vier hält. Sechs sorgsam und ganz bewusst ausgewählte Zuchtstämme mit jeweils einem Hahn und vier Hühnern liefern die Eier, mit denen er in diesem Frühjahr seine beiden Brutautomaten bestückt. Die fassen jeweils 150 Eier. „Im Abstand von einer Woche lege ich immer neue Eier nach“, berichtet Lienhart. In den ersten zweieinhalb Wochen werden diese bei über 37 Grad Celsius auf der Wendehorde platziert, also automatisch regelmäßig bewegt. Dann ziehen die Eier in den Schlupfraum in die oberste Etage des Brutautomaten um, wo eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Es ist wie im Treibhaus. Eine Bewegung der Eier wäre jetzt schädlich. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bewegung müssen während der gesamten Zeit kontrolliert werden.

Küken im Stall vom Kanrad Lienhart | Foto: Ulrich Coenen

Schlupf nach 21 Tagen

Nach 21 Tagen schlüpfen die Küken und werden in Boxen mit Heizlampen untergebracht. Schlupfquoten von 70 Prozent erfreuen den Züchter, oft picken sich aber deutlich weniger Küken durch die Eierschale. Im Schuppen hinter Lienharts Haus wuseln jetzt die jungen Vögel in zahlreichen Unterkünften wild durcheinander. Rund 150 sind es, die kleinen noch flauschig, die größeren bereits mit Federn. Lienhart lockt sie mit Leckerbissen an der vorderen Rand ihrer Behausung, damit der Reporter Fotos machen kann. „Auf getrocknete Mehlwürmer sind sie total wild“, sagt er. „Das sind reine Proteine.“

Fuchs im Hühnerstall

Die erfolgreiche Zucht ist sehr viel schwieriger, als es sich der Laie vorstellt und braucht viel Erfahrung. „Wenn man zwei auf Ausstellungen mit Bestnoten ausgezeichnete Tiere verpaart, ergibt das längst noch keine erstklassigen Küken“, konstatiert Lienhart. Eine Blutauffrischung mit Tieren aus anderen Zuchtlinien ist wichtig und oft kostspielig. Lienhart hat gerade Pech gehabt. Ein wertvoller Hahn, den er von einem anderen Züchter gekauft hat, wurde nur wenige Tage später nachts von einem Fuchs im Stall getötet. Entmutigen lässt sich Lienhart dadurch natürlich nicht.

Flauschig: Diese Küken sind erst rund eine Woche alt. | Foto: Ulrich Coenen

 

180 Hühnerrassen

Die rund 180 anerkannten Hühnerrassen und natürlich auch die Hybriden stammen vom südostasiatischen Bankivahuhn ab und werden bereits seit rund 7000 Jahren als Haustiere gehalten. Dass die zum Teil vom Aussterben bedrohten alten Rassen überlebt haben, ist den Kleintierzuchtvereinen zu verdanken. Erwerbslandwirte haben sich seit den 1950er Jahren auf industriell vermehrte Hybriden spezialisiert, die ausschließlich für die Eier- oder die Fleischproduktion gezüchtet werden.
In Deutschland werden pro Jahr rund 255 Millionen Hühner geschlachtet und elf Milliarden Eier produziert. Auf engstem Raum gehaltene Hennen legen zirka 300 Eier im Jahr und müssen nach etwa 18 Monaten ihr kurzes Leben im Schlachthof lassen. Masthühner sterben bereits nach maximal sechs Wochen.
Infos zur Rassehühnerhaltung (auch für interessierte Anfänger) gibt bei beim 2. Landesvorsitzenden Konrad Lienhart, Telefon (07223) 901990. Er bietet auch Führungen für Kindergärten und Grundschulen durch seine Zuchtanlage in Bühl-Vimbuch an.