Gläserne Produktion bei Manfred Graf (rechts) in Eisental. Mit mehreren Mitarbeitern widmet er sich über das Jahr hinweg der Aufzucht von Christbäumen.
Gläserne Produktion bei Manfred Graf (rechts) in Eisental. Mit mehreren Mitarbeitern widmet er sich über das Jahr hinweg der Aufzucht von Christbäumen. | Foto: Nickweiler

„Gläserne Produktion“ bei Bühl

Kunden setzen auch beim Christbaum auf regionale Herkunft

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Wie bei einer Parade stehen die landwirtschaftlichen Großgeräte von Manfred Graf in einer Reihe. Der Chef des Dreiländereckhofes aus Eisental hat die Maschinen und die Gerätehalle an diesem Tag fein herausgeputzt. Denn erstmals präsentiert sich der landwirtschaftliche Betrieb im Zuge der landesweiten Aktion „Gläserne Produktion“ der Öffentlichkeit.

Von unserer Mitarbeiterin Christina Nickweiler

Etliche Besucher finden an diesem Morgen den Weg auf den Dreiländereckhof. Die angekündigten Führungen durch den Betrieb machen neugierig. Mittlerweile haben die Gäste mit dem Weimaraner-Rüden „Azzo“ Freundschaft geschlossen oder haben sich in der Halle mit einen Imbiss gestärkt. Erst seit wenigen Jahren steht zwischen Bühl und Steinbach die markante Halle mit dem bunt aufgemalten Logo und dem romantischen Holzhäuschen daneben. Dieses dient als Unterkunft für die Arbeitskräfte auf dem Hof.

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30 Hektar werden mit sechs Mitarbeitern bewirtschaftet

Manfred Graf ist von Beruf Forst- und Landwirt. Mehr als 30 Hektar bewirtschaftet er mit sechs Mitarbeitern. Auf rund der Hälfte der bewirtschafteten Fläche kultiviert er Christbäume für das Weihnachtsgeschäft. Das Geschäft mit den Christbäumen hat sich inzwischen zum wichtigsten Standbein für den Betrieb entwickelt, erfahren die Besucher bei der Führung. „Dass die Christbäume hier in der heimischen Region wachsen, überzeugt die Kunden“, sagt Manfred Graf.

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Auf einem Hektar zirka 10.000 Christbäume

Die erste Station des Rundgangs liegt direkt neben der Gerätehalle in südliche Richtung. „Hier stehen die Tannenbäumchen der ersten Kultivierungsphase im Alter von eins bis drei Jahren“, informiert er. Nur circa 20 Zentimeter sind die Bäumchen hoch. Auf einem Hektar wachsen zirka 10.000 Christbäume. Die wichtigste Arbeit in dieser Wachstumsphase sei die Pflanzen von Konkurrenz, sprich Gras und Unkraut, freizuhalten. In diesem frühen Stadium verzichtet der Forstwirt auf Chemie. Maschinell und bisweilen von Hand wird regelmäßig in den Reihen und um die Bäumchen gehackt.

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Bepflanzung mit GPS

Einige Besucher wundern sich, warum die Pflanzen so akkurat in diagonal verlaufenden Reihen sitzen. Die Antwort lautet: Hier wurde mit einem satellitengesteuerten System, also GPS, das zu bepflanzende Areal vermessen, die optimale Ausnutzung errechnet und anschließend die Pflanzen maschinell in den Boden gebracht. Jedoch, sind die Pflanzen seit der Keimung bis zu diesem Zeitpunkt bereits zwei bis drei Jahre alt, erläutert der Forstwirt.

Vier bis sechs Jahre alte Bäume sind arbeitsintensiv

Bis zum fertigen Christbaum gibt es drei Wachstumsphasen. Um den Zustand der zweiten Kultivierungsphase kennenzulernen, fährt Manfred Graf die Besuchergruppe mit dem Kleinbus zu einem Feld in der Nähe der Eselsmatten. Auf dem Areal sind Bäume die zwischen vier und sechs Jahre alt sind. Hier haben zwei Mitarbeiter das ganze Jahr zu tun, um die Bäume zu schneiden und die Triebe mit Schnüren zu regulieren.

Nordmanntannen
Nordmanntannen auf einer Christbaumplantage. | Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archiv

Hälfte der Bäume geht nach Frankreich

Auf einem benachbarten Feld sitzen Premiumbäume, die ab Mitte November geerntet und nach Frankreich exportiert werden. „Das ist extrem gute Ware“, betont Manfred Graf und berichtet darüber, dass 50 Prozent der hier gewachsenen Christbäume nach Frankreich geliefert würden. Rasch entsteht auf dem Christbaumfeld eine Diskussion über eine zugespitzte Sparmentalität in manchen Bereichen in Deutschland und die Wertschätzung der Franzosen dagegen in Sachen Ästhetik und Geschmack bei Lebensmitteln.

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