Das Restauraurant der Burg Windeck entstand in den Jahren 1958 bis 1960 auf dem Gelände der Vorburg. Der Entwurf des Architekten Großmann aus Bühl orientiert sich an der sogenannten Stuttgarter Schule. | Foto: Ulrich Coenen

Burg Windeck bei Bühl

Lamm Gottes stammt aus der Burgkapelle

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Der Fall ist kurios. Vor dem Amtsgericht Bühl streiten Erwin Junker, der neue Herr der Burg Windeck, und die Stadt Bühl auf der einen Seiten und die frühere Burgeigentümerin auf der anderen Seite um den Besitz des „Windecker Reiterleins“ (wir berichteten). Die kleine Tonfigur, ein spätmittelalterliches Kinderspielzeug, haben sich die BNN bereits in mehreren Beiträgen ausführlich beschäftigt. Dabei sind die vier Spolien, über die der Kadi ebenfalls entscheiden muss, ein wenig untergegangen. Unter Spolien versteht man historische Bauteile. Die mittelalterlichen Spolien, die aus der Burg Windeck stammen, wurden gemeinsam mit dem Reiterlein bis zu Beginn der juristischen Auseinandersetzungen im Sommer 2018 im Stadtmuseum Bühl aufbewahrt. Inzwischen wurden sie ins Magazin des Stadtgeschichtlichen Instituts im Stadtteil Neusatz ausgelagert, das mit dem Stadtmuseum eine organisatorische Einheit bildet und unter gemeinsamer Leitung steht.

Spolien aus der Ruine

Im Mittelpunkt des heutigen Beitrags stehen die vier Spolien, die vor der Zerstörung der Burg Windeck, die heute Ruine ist, fest mit dem Bauwerk verbunden waren. Aus architekturhistorischer Sicht sind die Spolien damit Zubehör der Burg. Ob sie es auch im juristischen Sinne sind, muss das Amtsgericht Bühl klären. Richterin Alexandra Schneider hatte darauf bei der mündlichen Verhandlung im Januar hingewiesen. Wenn die Stücke Zubehör der Burg sind, wären sie mit deren Verkauf an den neuen Eigentümer übergegangen. Das Reiterlein, das vermutlich 1958 bei den Bauarbeiten für das neue Restaurant auf dem Gelände der Vorburg gefunden wurde, ist hingegen kein Bauteil, sondern als Kinderspielzeug lediglich ein Ausstattungsstück der Burg.

Das Lamm Gottes stammt aus der nicht erhaltenen Kapelle der Burgruine Windeck. Vermutlich war es in die Wand eingelassen. | Foto: Stadtgeschichtliches Institut Bühl

Zwei Säulenfragmente

Bei den Spolien handelt es sich um zwei Säulenfragmente und zwei runde Werksteine mit Reliefs. Von einer Säule sind lediglich die Basis und der untere Teil des polygonen Schafts erhalten, von der anderen nur das Kapitell (Kopfstück). Die Basis stammt vermutlich aus der Spätromanik, als die Ruine ihre bis heute gültige Gesamtgestalt erhielt. Die beiden Bergfriede der Burg Windeck, von denen nur noch der größere begehbar ist, sind eine Besonderheit der spätromanischen Anlage aus dem frühen 13. Jahrhundert. Bedeutendster Vertreter dieses Typus ist die staufische Herrenburg Münzenberg in der Wetterau, aber auch Burg Hoh-Andlau im Elsass ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Auf der Windeck erstrecken sich zwischen den beiden Bergfrieden die Ruinen der beiden ehemaligen Palas-Gebäude. So nennt man die repräsentativen Saalbauten einer Burg. Das Kapitell mit seiner floralen Ornamentik zeigt bereits Anklänge an die Gotik. Aufgrund ihrer geringen Größe können die beiden Säulen keine Gewölbe getragen haben. Sie dienten vermutlich der Wandgliederung, beispielsweise bei einem Doppelfenster mit eingestellter Säule.

Das Fragment einer Säule stammt aus der Burg Windeck und ist vor dem Amtsgericht umstritten.

Zwei Reliefs

Die beiden runden Werksteine wurden bislang immer als Schlusssteine der nicht erhaltenen Burgkapelle bezeichnet. Daran äußerte Martin Strotz vom baden-württembergischen Landesamt für Denkmalpflege, der für seine Behörde das „Windecker Reiterlein“ begutachtet hat (wir berichteten), im Gespräch mit dieser Zeitung Zweifel. Der Mittelalterarchäologe weist darauf hin, dass sich für die Kapelle überhaupt keine Gewölbe nachweisen lassen. Aus diesem Grund könne es auch keine Gewölbeschlusssteine geben. Strotz geht davon aus, dass die beiden Werksteine als Medaillons in die Wand der Burgkapelle eingelassen waren. Ein Stein zeigt einen Christuskopf, der andere das Lamm Gottes (Agnus Dei).

Leihgaben für Stadtmuseum

Während die Säulenfragmente seit der Eröffnung des Restaurants auf dem Gelände der Vorburg 1960 bis zur Leihgabe an das Stadtmuseum vor elf Jahren im Speisesaal ausgestellt wurden, waren die Medaillons im Bergfried eingemauert. Um sie vor der völligen Verwitterung zu schützen, wurden sie aus der Mauer gebrochen und in die Obhut des Museums gegeben.

Finanzieller Wert gering

Der finanzielle Wert der Windeck-Spolien ist übrigens nicht übermäßig groß. Auf Auktionsplattformen im Internet erhält man mittelalterliche Säulenfragmente bereits für Summen um die 1000 Euro. Der Wert der vier Bühler Spolien ist deshalb vor allem architekturhistorisch und ausschließlich in Zusammenhang mit der Burg Windeck zu beurteilen.