Landung beim Schwarzwaldbad: Nach der Stilllegung des Hubschrauberlandeplatzes beim Krankenhaus müssen im Notfall andere Landestellen gesucht werden. | Foto: Feuerwehr

Hubschrauberlandeplatz in Bühl

Landungen nicht mehr möglich

Ein Patient muss vom Bühler Krankenhaus in eine Spezialklinik verlegt werden, und es muss schnell gehen. Kurz nach Mitternacht landet der Rettungshubschrauber Christoph 11 der DRF Luftrettung auf dem Parkplatz beim Schwarzwaldbad. Die alarmierte Bühler Feuerwehr ist mit sechs Mann vor Ort, um den Landeplatz mithilfe des Rüstwagens und des Lichtmast-Anhängers auszuleuchten. Nach erfolgreicher Landung transportiert der Rettungsdienst den Patienten vom Krankenhaus zum Hubschrauber, sodass dieser nach kurzer Zeit Richtung Spezialklinik starten kann. Für die Feuerwehrleute ist der Einsatz nach knapp 75 Minuten beendet, aber mancher fragt sich danach: Weshalb muss der Hubschrauber beim Schwarzwaldbad landen und dort der Landeplatz aufwendig ausgeleuchtet werden, wenn es doch einen Hubschrauberlandeplatz beim Krankenhaus gibt? Und was ist, wenn ein solcher Transport tagsüber oder am Abend notwendig wird, wenn der Parkplatz gut belegt ist?

Notwendige Änderungen zu teuer

Zumindest die Antwort auf die erste Frage ist einfach: Der Hubschrauberlandeplatz existiert als solcher nicht mehr, er ist seit längerer Zeit außer Betrieb. Und das wird er auch bleiben, wie Jürgen Jung auf Anfrage des Acher- und Bühler Boten sagt. Der Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden begründet dies mit zwei Aspekten: Die Zahl der Hubschrauberlandungen sei in den vergangenen Jahren sehr gering gewesen, und zwar so gering, dass es zweitens zu teuer wäre, den Hubschrauberlandeplatz auf den gesetzlich vorgeschriebenen Stand zu bringen.

Zwei Verlegungsflüge pro Jahr

„Wir hatten in den letzten drei Jahren jeweils maximal zwei Verlegungsflüge von Patienten“, sagt Jung. „Das ist erheblich weniger als beispielsweise in Rastatt, und dort ist der nächste Landeplatz auch drei Kilometer weit vom Krankenhaus entfernt.“ Zudem sei das Krankenhaus in Bühl mittlerweile so aufgestellt, dass keine Notfälle behandelt werden, entsprechend auch keine Patienten hierher geflogen werden müssten. „Dass der Landeplatz nicht mehr in Betrieb ist, ist für das Krankenhaus keine Situation, mit der wir nicht leben könnten“, urteilt Jung.

Neue Situation nach EU-Verordnung

Im Klinikum-Verbund befinde sich ein Hubschrauberplatz in direkter Nähe zu einem Krankenhaus in Balg. Dort seien zuletzt 250 000 Euro investiert worden, um verschärften Vorschriften zu genügen. Diese Vorgaben seien auch der Grund, warum etliche Landeplätze im Land geschlossen werden müssten, so Jung. Tatsächlich hat die EU-Verordnung 965/2012 eine neue Situation geschaffen. Sie regelt die Betriebsvorschriften für den gewerblichen Luftverkehr und wurde ab Herbst 2014 auch in Deutschland umgesetzt, wenn auch mit Übergangsfristen. Bei mindestens der Hälfte der rund 2 000 Hubschrauber-Landeplätze (nur etwa 360 davon waren offiziell zugelassene, genehmigte Areale mit Positionslampen und anderer Technikausstattung) wurden wahlweise erhebliche Investitionen notwendig oder der Betrieb musste eingestellt werden.  Zu den von Fachleuten hochkomplex genannten Vorgaben zählen jetzt unter anderem eine Mindestgröße von 15 mal 15 Meter, ein Sicherheitsstreifen von 5,50 Metern und  ein bestimmter Anflugwinkel. In Bühl bedeutete das Regelwerk unter anderem eine „erhebliche Bereinigung der Baumsituation“, so Jung, eine technische Ausstattung wie eine Beleuchtung würde notwendig. Doch nicht nur die baulichen Vorschriften seien zu beachten, auch der Betrieb würde einigen Aufwand bereiten. So müsste eine immer erreichbare Stelle eingerichtet werden, bei der sich ein Pilot jederzeit melden könnte. In der Summe sei der Aufwand für die geringe Zahl von Landungen nicht gerechtfertigt – zumal im Notfall auch auf dem Krankenhausgelände Landungen möglich seien. Das könnte dann nötig werden, wenn der Parkplatz beim Schwarzwaldbad belegt ist. Eine weitere Alternative im Industriegebiet Süd ist im Übrigen durch den Bosch-Neubau ausgeschieden.

„Bühl hat den ersten DRK-Hubschrauberplatz“: Unter dieser Schlagzeile berichtete der Acher- und Bühler Bote am 2. November 1970  über die Einweihung des Landeplatzes. Angelegt zwischen dem 1967 in Betrieb gegangenen Kreiskrankenhaus und dem französischen Militärkrankenhaus, sollte die Anlage beiden Kliniken nutzen. Gerade das französische Krankenhaus hatte zuvor schon den Lufttransport immer wieder genutzt (beim Kreiskrankenhaus waren seit 1967 lediglich zwei Hubschraubertransporte nötig gewesen). Das Fehlen eines gekennzeichneten Platzes wurde als Manko empfunden. 1967 wurden erste Überlegungen angestellt, an der Situation etwas zu ändern. Schließlich stellte der Landkreis Bühl dem DRK-Kreisverband Geld zur Verfügung, die Stadt Bühl überließ das Gelände. Das DRK ließ den Platz anlegen; den größten Teil der Arbeiten übernahmen französische Pioniere. Dass Bühl den ersten DRK-Hubschrauberlandeplatz in der Bundesrepublik erhielt, wie es bei der Übergabe hieß, wertete Landrat Erwin Trippel als Verdienst eines „hubschrauberbesessenen Gespanns“: DRK-Kreisvorsitzender Josef Großmann und Geschäftsführer Werner Vögele. Die Feuertaufe des neuen Landeplatzes kam im Übrigen rasch: Vier Stunden nach der Einweihung in der Mittagszeit des 31. Oktober 1970 musste ein lebensgefährlich Verletzter nach Freiburg geflogen werden.